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Meinung 3.1.2013 Reich, Reicher, Superreich?

Hans Gerzlich, Wirtschafts-Kabarettist, über das Besteuern von Vermögen

Na, haben Sie sich an Weihnachten REICH beschenken lassen?
Dann läuft ja für Sie alles wie am Schnürchen, denn, das wissen wir nicht erst seit dem - etwas geschönten - Armutsbericht der Bundesregierung und dem nun veröffentlichten, etwas unschönen, weil ungeschöntem, Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes: Wer arm ist, bleibt arm, und die Reichen werden immer reicher.
Nur: Und wann ist man eigentlich reich?

Ganz klar: Wenn man mehr als 250.730 Euro verdient. Genauer gesagt, wenn man sie kriegt - ob verdient oder nicht sei dahingestellt. Ab dem zweihundertfünfzigtausend-siebenhunderteinunddreißigsten Euro zahlen Sie nämlich in Deutschland 'Reichensteuer'. Oder genauer: "Einkom­mensteuer für besonders hohe Einkommen". 45 Prozent. Im Volksmund auch 'Spitzensteuersatz' genannt.

Beschlossen und verkündet im Jahre 2007 von der Immernochbundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Damalsfinanzminister Peer Steinbrück.
Die haben also damals den Spitzensteuersatz auf 45 Prozent herauf gesetzt? Nein - 45 Prozent betrug der vorher schon. Die haben den Steuersatz für Einkommen zwischen 50.000 und 250.000 Euro auf 42 Prozent gesenkt. Die haben den Besserverdienern die Steuern gesenkt, damit es so aussieht, als ob die Nochbesserverdiener mehr zahlen würden. Das ist so, als wenn Sie ihrem Kind das Taschengeld um 10 Euro erhöhen, damit Sie es ihm um 5 Euro kürzen können, wenn es ungezogen war.

Übrigens: Mit 250.000 Euro Jahreseinkommen ist man gar nicht reich!
Hat die Merkel gerade selbst gesagt. So viel verdient sie nämlich ungefähr. Und sagt, das reiche aus, um eine "gutbürgerliche Existenz" zu führen. Muss die Reichensteuer also künftig in 'Gut-bürgerliche-Existenz-Steuer' umbenannt werden?

Nein - zumindest nicht, wenn Fettnäpfchensuchgerät Peer Steinbrück doch noch Muttis Platz einnehmen sollte. Dann hieße die Reichensteuer ab sofort 'Arme-Schlucker-Steuer', denn laut Steinbrück arbeitet man im Kanzleramt gerade mal für einen Hungerlohn.

In Frankreich gilt man übrigens als reich, wenn man eine Million oder mehr verdient - sagt zumindest deren Staatspräsident Francois Hollande. Daher wollte der sozialistische Wahlsieger des letzten Jahres nun sein Wahlversprechen einlösen und Einkommen über dieser Summe mit 75 Prozent besteuern - das nenne ich mal ' nen Spitzensteuersatz!
Und als angenehmen Nebeneffekt vertreibt er damit auch noch Oberdeppen wie Gérard Depardieu, der, wenn er nicht gerade wieder besoffen Auto fährt, im Flugzeug in den Gang piselt, und jetzt wegen der Reichensteuer medienwirksam seine Auswanderung nach Belgien inszeniert hat.

Das wäre schon verlockend, wenn die Merkel den Steuersatz hinaufsetzt und daraufhin
Nervensägen wie Dieter Bohlen, Cindy aus Marzahn und Harald Glööökler das Weite suchten..."Die Kultur dieses Landes würde reicher werden - und das völlig steuerfrei!

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