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Meinung 13.5.2013 Schiffbruch Ahoi!

Hans Gerzlich über die kenternden Piraten nach ihrem Parteitag

Kennen sie Herrn Schlömer? Nein - Schlömer, nicht schlemmer - "Liebschen, weißte Becheid!? Chrrr..." - und auch nicht Horst, sondern Bernd.
Bernd Schlömer ist der Parteivorsitzende der Piraten. Die Piraten - kennen Sie doch!? Das war mal eine Partei, der man bei der Bundestagswahl im Herbst 2013 ein zweistelliges Ergebnis zugetraut hat. Damals! Die Älteren erinnern sich. Damals vor einem halben Jahr.
Wohlgemerkt: Ein zweistelliges Prozent-Ergebnis!
Heute dürften die Piraten froh sein, wenn sie eine zweistellige Zahl an Stimmen erzielen.

Aber nun soll zwar nichts anders, aber alles besser werden!
Der nach einigen wenig geglückten Talkhow-Auftritten ungeliebte "Politische Geschäftsführer" Johannes Ponader - wobei die Betonung des Nachnamens für Parteichef Schlömer auf der ersten Silbe liegt - wurde in der basisdemokratischsten aller basisdemokratischen Parteien zum Amtsverzicht gemobbt - gut, nicht von der Basis, sondern von eben jenem Parteichef, aber: Schwamm drüber...

Frischen Wind in die Segel der Totenkopfflagge brachte als frisch gewählte Ponader-Nachfolgerin, die 26jährige Katharina Nocun, indem sie Ihrer Mannschaft auf dem sinkenden Schiff sogleich zurief: "Wir haben es verdient, dass unsere Themen wieder nach vorne kommen, weil sie so lange mit Füßen getreten wurden". Genau - und das mit Recht. Denn welche waren das nochmal, Frau Nocum?

Abschaffung des Urheberrechts, WLAN für alle und Sex mit Tieren. Auch für alle. Gut, im Vergleich zu dem seit Jahren und Jahrzehnten immer gleichen CDU-CSU-SPD-FDP-Grünen-Geschwätz "Wir müssen näher an den Menschen sein. Wir brauchen Wachstum, Wachstum, Wachstum. Kinder sind unsere Zukunft. Und die anderen Parteien sind sowieso alle doof." mal 'ne echte Alternative.

Doof sind die anderen aber auch alle - hat zumindest bereits erwähnter Piratenkapitän Schlömer in seiner Abschlussrede des Parteitags im oberpfälzischen Neumarkt festgestellt. Die CDU/CSU versinke in Vetternwirtschaft, die FDP habe kein Profil, die SPD nicht mal Internetanschluss und die Grünen seien gegen Basisdemokratie. Die Piraten nicht - deshalb haben sie auch einen Antrag auf eine "Ständige Online Mitgliederversammlung" abgelehnt, mit der es den Parteimitgliedern möglich gewesen wäre, zu jeder Zeit per PC, Tablet oder Smartphone den Kurs der Partei zu korrigieren, die Segel in den Wind zu setzen oder den Notanker zu werfen.

Was waren nochmal eure selbst zugeschriebenen Kernkompetenzen? Zukunftsweisende Nutzung des Internets und Basisdemokratie? Guckt mal in den Google-Kalender: Am 22. September ist Bundestagswahl. Schiffbruch Ahoi!

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