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Lieber wütend als traurig

Wie wird aus einer Journalistin der "Staatsfeind Nr. 1"? Alois Prinz will das in diesem Jahr präsente Thema des RAF-Terrorismus jungen Lesern nahe bringen. Für ein Jugendbuch durchleuchtete er das Leben von Ulrike Meinhof, der Mitbegründerin der Roten Armee Fraktion.

Cover des Buches "Lieber wütend als traurig"

Buch

Titel der Reihe:
Lieber wütend als traurig - Die Lebensgeschichte der Ulrike Meinhof
Autor:
Alois Prinz
Verlag:
Beltz & Gelberg
Produktion:
2007 (als Taschenbuch)
Genre:
Kinder- & Jugendbuch
Altersempfehlung:
ab 14 Jahre
Preis:
9,00 Euro
Bestellnummer:
978-3-407-74012-0

Alois Prinz hat vieles über diese rebellische Frau zusammengetragen. Er erzählt ihre Kindheit und Jugend, ihren beruflichen Werdegang von der politisch engagierten Studentin zur erfolgreichen Journalistin. Dabei kommen viele Zeitzeugen zu Wort. Im letzten Drittel des Buches schildert er Ulrike Meinhofs Leben als "Staatsfeind Nr.1": ihre Begegnung mit Andreas Baader und Gudrun Ensslin, ihr Leben im Untergrund, die Gründung der RAF und ihre letzten vier Lebensjahre in Haft.

Das politische Engagement der gläubigen Christin und Pazifistin Meinhof begann während der Zeit ihres Studiums, in der Adenauer-Ära, unter dem Eindruck der Wiederbewaffnung und der Diskussion um taktische Atomwaffen. "Wir glauben, dass der Mensch in jeder Situation, unter jedem System, in jedem Staat die Aufgabe hat, Mensch zu sein und seinem Mitmenschen zur Verwirklichung seines Menschseins zu helfen", schrieb sie 1958.

Buch auch für Erwachsene lesenswert

Indem er Ulrike Meinhofs Spur von der Kindheit im Dritten Reich bis zu ihrem Tod in Stammheim folgt, erzählt Prinz die spannende Geschichte der Bundesrepublik in den 60er und 70er Jahren. Dabei erklärt er die gesellschaftlichen und geschichtlichen Zusammenhänge genau und verständlich. Auch dies macht das Buch zu einem guten Einstieg für jugendliche Leser ins Thema.

Auf die Frage, warum Ulrike Meinhof, renommierte Journalistin und Mutter zweier Kinder, alle Brücken hinter sich abbrach und den Weg in den Terrorismus wählte, hat der Autor keine Antwort finden können. Auch die Umstände ihres Todes bleiben letztlich im Dunkeln. Aber gerade weil er sich ihr so vorsichtig und ohne zu urteilen nähert, ist Alois Prinz ein eindrückliches Portrait Ulrike Meinhofs gelungen, das auch für Erwachsene lesenswert ist.

Autorin: Katharina Reusch

Letzte Änderung am: 08.08.2007, 09.11 Uhr

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