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Stammheim-ProzessScharfe Einlasskontrollen und Bespitzelung

Für den Stammheim-Prozess wurde auf dem Gefängnisgelände ein 12 Millionen Mark (6,1 Millionen Euro) teurer, fensterloser und gepanzerter Hochsicherheitstrakt errichtet. Die Einlasskontrollen auch für die Journalisten waren mitunter über alle Maßen streng. So erging es auch Ulf Stuberger – trotz Akkreditierung für den Prozess und mehrfacher Sicherheitsüberprüfung.

"Wie ein Schwerverbrecher" musste er sich mit gespreizten Beinen in einer engen Durchsuchungszelle mit den Händen an die Wand gelehnt ausstrecken und wurde abgetastet. Schuhe und Strümpfe musste er ebenfalls ausziehen, erzählt er. Seine Ausweise seien in einer verdeckten Kammer fotokopiert worden und erst einmal einbehalten worden.

Intimste Körperkontrollen

Ein englischer Kollege musste am ersten Prozesstag einen Verband öffnen und die Wunde offenlegen, ob unter dem Pflaster des Verbandes auch nichts versteckt war. Eine Kollegin musste aus diesem Grund sogar ihre Monatsbinde abnehmen. Es sei an Stellen abgetastet worden, "wo Sie das überhaupt nicht gerne haben", sagt Stuberger. Es habe eine Phase gegeben, in der auch "körperlich durchsucht" wurde – er vergleicht das Prozedere mit einer Prostatauntersuchung beim Urologen.

Im Gerichtssaal war nur ein einziger Kugelschreiber und ein Schreibblock erlaubt. Und doch resümiert der Berichterstatter, dass es keine absolute Sicherheit gegeben hatte, "denn nach einer Weile wurden die Maßnahmen natürlich etwas lockerer." Von einigen Beamten habe er das eine oder andere erfahren, aus dem er entnehmen konnte, dass die Sicherheit bei weitem nicht so groß gewesen sei wie nach außen hin getan wurde. "Man hat es ja später auch festgestellt: Es konnten Waffen eingeschmuggelt werden. Es konnten Fotos im Gerichtssaal gemacht werden, die an eine Illustrierte weitergegeben wurden."

Telefonüberwachung von Journalisten

Der Sicherheitsapparat hatte an Stuberger plötzlich noch ein größeres Interesse – und hörte heimlich Telefonate von ihm ab – und nicht nur von ihm, wie er sagt. Der Grund, so der Journalist: Zum einen sein Kontakt zu den Vertrauensanwälten der RAF, um auch von dort Informationen für seine Recherchen zu bekommen. Zum anderen hätten in der damaligen Zeit schon einige Artikel über die "übereifrige Reaktion des Staates in der Verfolgung der RAF" ausgereicht, um in den Verdacht des Symphatisantentums zu geraten.

Stubergers Name auf einer RAF-Liste

Eines Abends kam für den Journaisten der große Umschwung: Der Staat war plötzlich besorgt um ihn, das Bundeskriminalamt rief ihn an und teilte ihm mit: 'Verlassen Sie die Wohnung nicht mehr. Wir haben Dokumente gefunden; Sie stehen auf einer Abschussliste ...Die Polizei Karlsruhe wird sich bei Ihnen melden".

Er war offenbar von einem RAF-Mitglied auf eine Liste gesetzt worden, weil man ihm unterstellt hatte, er habe von Generalbundesanwalt Siegfried Buback den Auftrag bekommen, die "Ermordung" der Ulrike Meinhof publizistisch vorzubereiten. Kurz bevor Meinhof sich umbrachte, hatte Stuberger ein Feature geschrieben, in dem er seinen Eindruck äußerte, dass sie möglicherweise selbstmordgefährdet ist. Er sei ein "Staatsschutz-Journalist" und habe vom amerikanischen Geheimdienst CIA eine Ausbildung erhalten.

Tag und Nacht Personenschutz

Anderthalb Jahre lang lebte Stuberger in der höchsten Gefährdungsstufe und erhielt Tag und Nacht durchgehenden Personen- und Objektschutz. War er tatsächlich gefährdet? "In der Zeit war ich natürlich geschockt und hab das auch geglaubt zunächst; und im Rückblick glaube ich: Ja, es gab einige Anlässe, die mich darauf schließen lassen, dass es wirklich so gewesen ist." Und weiter erzählt er von einem Vorfall, als er keinen Begleitschutz dabei hatte: Auf einer Fahrt auf der Autobahn nach Bruchsal habe ein Auto bei Tempo 150 km/h versucht ihn von der Straße abzudrängen. Auch bei zwei anderen Zwischenfällen sei nie nachgewiesen worden, ob es nun Mordpläne waren oder nicht.

Die Konsequenz, die der Journalist nach der aufreibenden Zeit zog: "Das hat dann auch dazu geführt, dass ich für viele Jahre mit Terrorismus nichts mehr am Hut haben wollte und auch meinen Beruf aufgegeben habe."

Letzte Änderung am: 24.04.2007, 10.30 Uhr

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