Die Uhren am Turm des Alten Rathauses in Winnenden zeigen am ersten Jahrestag des Amoklaufs in Winnenden 9.33 Uhr an. Genau zu diesem Zeitpunkt vor einem Jahr begann das Gewaltverbrechen. Am 11. März 2010 läuteten um diese Zeit alle Kirchenglocken der Stadt.
Schüler, Angehörige und Lehrer bildeten eine Menschenkette an der Albertville-Realschule.
Mitschüler, Lehrer, Angehörige und Freunde der Getöteten hatten sich vor der offiziellen Gedenkfeier bewusst zurückgezogen, um in Stille unter Ausschluss der Öffentlichkeit der Opfer zu gedenken. Dem folgte eine emotionale, sehr würdevolle, offizielle Gedenkfeier.
Hauptredner bei der offiziellen Gedenkfeier war Bundespräsident Horst Köhler. Er hatte bereits im Vorjahr zu den Trauernden gesprochen und fand bei dichtem Schneetreiben und klirrender Kälte erneut Worte des Trostes. Er stellte aber auch klare Forderungen: eine weitere Verschärfung des Waffenrechts und neue Regeln für die Berichterstattung über Gewalttaten.
Die politischen Gäste der Gedenkfeier respektierten den Wunsch von Schülern, Lehrern und Angehörigen, ihnen den größten Raum der Veranstaltung zu lassen. So waren es die Schülerinnen und Schüler, die eindrucksvoll und bewegend an ihre ermordeten Freundinnen und Freunde, Lehrerinnen und die anderen Opfer erinnerten.
Ergreifende Momente, die den Atem stocken lassen. Die Menschen stehen eng beieinander, geben sich gegenseitig Halt und spenden sich Trost.
Für jedes Opfer des Amoklaufs wurde eine Steinplatte mit seinem Namen und eine rote Rose niedergelegt.
Astrid Hahn, Leiterin der Albertville-Realschule in Winnenden, fand Worte des Dankes und der Hoffnung. "Es wird ein langer Weg für unsere Schule werden. Ein Weg, der sicher nicht gerade verläuft. Er wird manchmal verschlungen sein. Er wird holprig sein. Er wird mühsam sein", so die Schulleiterin.
Bundespräsident Horst Köhler (l) und der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus (r, CDU) beschriften Gedenksteine mit ganz persönlichen Botschaften. Sie sollen mit anderen Steinen vor der Albertville-Realschule den "Weg in die Zukunft" weisen.
Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) legt seinen Stein neben die anderen.
Viele folgen der Aufforderung und hinterlassen eine persönliche Botschaft auf den weißen Steinen.
Und so nimmt der "Weg in die Zukunft" in Winnenden Gestalt an, voller Botschaften der Erinnerung und der Hoffnung.