Ein grüner Teppich zwischen Stuttgarter Bahnhof und Schlossplatz steht am Freitag (25.6.) symbolisch für den Weg der Grünen in den baden-württembergischen Landtag, den sie im Januar 1980 antraten.
Ökologie und Pazifismus: Mit der Gründung der Grünen am 13. Januar 1980 in Karlsruhe brach eine neue Ära in der bundesdeutschen Parteiengeschichte ein. Die neue Partei verstand sich als "Anti-Parteien-Partei" und als "sozial, ökologisch, basisdemokratisch, gewaltfrei". Der Umweltschutz stand im Mittelpunkt. 1983 zogen die Grünen mit 5,6 Prozent der Zweitstimmen und 27 Abgeordneten in den Bundestag ein.
Stehend gedenken die Delegierten am 12. Januar 1980 in Karlsruhe des Studentenführers Rudi Dutschke, der als Delegierter am Parteitag teilnehmen wollte. Er starb an Heiligabend 1979 an den Folgen eines Attentats. Die Grünen-Partei wurde am Folgetag gegründet.
Kunst und Politik: Bei der Parteigründung war auch der Aktionskünstler Joseph Beuys dabei. Er gilt als einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Sein Markenzeichen war der Hut.
Alternativ und unkonventionell: Die Grünen forderten die etablierten Parteien heraus und protestierten 1983 auch mal lautstark im Bonner Bundestag gegen den NATO-Doppelbeschluss - bis dahin undenkbar.
Sichtbarer Protest: Grünen-Mitbegründerin Petra Kelly trägt im Juni 1983 ein Halstuch mit der Aufschrift "Jetzt ist die Zeit da für ein Nein ohne jedes Ja zu Massenvernichtungswaffen".
Grüne Protestkultur: Am Anfang der hessischen Grünen standen wütende Straßenproteste gegen die Stationierung von Pershing -II-Raketen, Kernkraftwerke, Atomraketen und die Startbahn West.
Mit Sonnenblumen zur Wahl: Die Partei hat sich in den 30 Jahren gewandelt, das Symbol der Grünen - die Sonnenblume - nicht.
Jung und kämpferisch: Grünen-Politiker Joschka Fischer im vierten Jahr nach der Parteigründung bei einer Debatte im Bundestag. Ebenfalls 1984 beschimpfte er im Zusammenhang mit der Flick-Affäre Bundesvizepräsident Richard Stücklen (CSU) und wurde wegen des Zwischenrufs "Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch" von der Sitzung ausgeschlossen.
Im Jahr darauf kam der Ober-Grüne in Turnschuhen und grobem Jackett zu seiner Vereidigung als Umweltminister der ersten rot-grünen Landesregierung in Hessen. Es hagelte Kritik an dem "Turnschuh-Minister".
Museumsreif: Die legendären Turnschuhe Joschka Fischers stehen heute im Deutschen Ledermuseum in Offenbach.
Die Grünen an der Macht: Pünktlich zur "Volljährigkeit" der Partei brachte die Bundestagswahl 1998 die erste Rot-Grüne Bundesregierung zustande. Die Ökosteuer, Homo-Ehe und die Reformen des Staatsangehörigkeitsrechts sowie der mittelfristige Atomausstieg gehören zu den Erfolgen der Partei.
Bis 2005 war Fischer Bundesaußenminister und Vize-Kanzler. Mit dem Regierungswechsel zog er sich aus der Politik zurück. Als Mitglied der linksextremen Gruppe "Revolutionärer Kampf" hatte er sich als "junger Wilder" Ende der 60er Jahre Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Die Wandlung vom Turnschuh-Minister zum Liebhaber teurer Designeranzüge gefiel nicht allen.
Die Grünen als Bürgerschreck: Delegierte strickten nicht nur auf Parteitagen und im Bundestag, sondern machten auch Wollpullis und Rauschebärte politik- und salonfähig.
Auch heute wird noch gestrickt wie hier bei der Bundesdelegiertenkonferenz 2009 in Rostock - oft sogar mit der heißen Nadel.
Protestpartei: Die Turnschuhe mögen im Museum stehen, die Forderungen von Bündnis 90/Die Grünen sind frisch. Programmatisch haben die Grünen seit ihrer Gründung einen Wandel von radikal ökologischen Positionen zu einer pragmatischeren inhaltlichen Ausrichtung vollzogen.
30 Jahre Protest-Partei: Für das Festhalten am Atomausstieg kämpfte die Partei 2009 bei der Bundesdelegiertenkonferenz in Rostock. Die Bundesvorsitzenden Cem Özdemir und Petra Roth schworen die Grünen auf scharfen Oppositionskurs gegen die neue schwarz-gelbe Regierung ein. Gegen die "Horrorpläne" der Regierung werde man nicht nur im Parlament kämpfen, kündigte Özdemir an. "Man wird uns häufiger auf der Straße sehen."