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Meinung 5.11.2012 Finanzminister trifft auf Notenbankchef

Hans Gerzlich über die finanzpolitischen Aufräumarbeiten nach dem G20-Treffen

G20-Gipfel. Wieder einmal treffen sich die Finanzminister der 20 Länder, die sich für die 20 wichtigsten und führenden in Wirtschafts- und Finanzfragen halten. Klar, deshalb sind auch so Schwergewichte wie Indonesien, Australien und Mexiko dabei, die in Finanzfragen als absolutes Entwicklungsland einzustufende Schweiz aber zum Beispiel nicht. Wer hat 's erfunden?

Na, die G20 – die "Größenwahnsinnigen 20"... setzen sich also wenige Wochen nach dem ebenfalls völlig ergebnislosen IWF-Gipfel in Tokio mal wieder zu einem gemütlichen Kaffeekränzen zusammen und beraten über... Na? Kommen Sie drauf? Richtig: Die Schuldenkrise.

Der Abgesandte von Schuldenkönig USA bleibt übrigens zu Hause.

US-Finanzminister Timothy Geithner - wie nebenbei gesagt auch EZB-Chef Mario Draghi - reisen erst gar nicht nach Mexiko-Stadt. Entweder fürchten sie Montezumas Rache oder Sie wollen sich vorder verbalen La-Ola-Welle in Form der üblichen Gesundbetereien drücken.

Denn wahrscheinlicher als eine konventionelle Diarrhö ist doch der übliche Sprechdurchfall der Gipfelteilnehmer zu erwarten: Die Gespräche verliefen in angenehmer und vertrauensvoller Atmosphäre, wir werden die Krise meistern, wir müssen sparen, sparen, sparen... die Renten sind sicher, niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten.

Abschlusskommuniqués von G20-Treffen hören sich immer so an wie Parolen aus dem Dritte-Welt-Laden, sind aber so viel Wert wie ein Ehrenwort von Uwe Barschel.

Dass sich durch die Finanzwelt eine Schneise der Verwüstung zieht, wissen wir nicht erst seit Wirbelsturm Sandy, der an der New Yorker Wall Street mal für etwas frischen Wind gesorgt und einen Sachschaden von geschätzten 20 Milliarden verursacht hat. Ja und? Das haben die Lehman Brothers, West LB und Hypo Real Estate an einem Nachmittag hingekriegt - und zwar jeder für sich!

Barack Obama hat in vier Amtsjahren über fünf Billionen Dollar neue Schulden gemacht. Das sind 5.000 Milliarden - davon könnte man die nächsten fünf Jahre jede Woche so 'nen Hurrikan Sandy bezahlen!

Vielleicht ist beim nächsten G20-Gipfel ja dann auch schon Mitt Romney dabei, der gerne schon mal Syrien für Irans Zugang zum Meer hält, sich 'ganze Ordner voller Frauen' bringen lässt und die Hälfte seiner eigenen Bevölkerung als Sozialschmarotzer abstempelt. Dann wird so ein Gipfel der "Gierigen 20" zwar immer noch kein einziges Problem lösen, wir haben aber endlich seit George Bush Junior mal wieder richtig was zu lachen.

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