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Kleidung im Mittelalter Braun ist die Alltagsfarbe

Wer sich wie kleidete, das war im Mittelalter mehr noch als heute vom sozialen Stand abhängig. Bestimmend war nicht nur, was sich der Mensch leisten konnte. Es gab auch klare Richtlinien darüber, was man nach dem jeweiligen Stand und Beruf anziehen durfte.

Nach mittelalterlichen Quellen sollte der Bauer sich nur in Schwarz oder Grau einkleiden und die Schuhe sollten aus Rindsleder sein. Als Stoffe der niederen Stände waren Leinen, Hanf und Nessel oder Schafwolle vorgesehen. Es gab allerdings auch Vorschriften, die sich gegen den Prunk des Adels richteten. An vielen Höfen Europas wurden die Garnituren aus edlen Stoffen, wie Gold- und Silberpelz sowie Hermelin und Nutria für die höfische Damen und Herren begrenzt.

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2:08 min | Mi, 9.9.2015 | 13:45 Uhr | Geschichtsdokumentationen | 3sat

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Selbstversuch: Lena kommt unter die Haube

Lena Ganschow schlüpft auf ihrer Zeitreise durchs Mittelalter in das Gewand einer bürgerlichen Dame. Auch sie hatte sich, dem Stand entsprechend, an eine Kleiderordnung zu halten. Vor allem sollte diese sittsam sein.

Neue Mode: eng anliegend und körperbetont

Das sackähnliche Gewand aus dem frühen Mittelalter hatte bald ausgedient. Frauen und Männer aus der Mittel- und Oberschicht trugen eng anliegende Kleidung. Während des Mittelalters kam die Schnürung der Kleidung in Mode. Gebunden wurde meist an der Taille. Der Schnitt war eine französische Erfindung und wurde im Mittelalter in der höfischen Gesellschaft getragen. Er ermöglichte die Verengung des Oberteils bis zur Taille. Die Körperformen wurden nun betont, das prägte besonders die Frauenkleidung. Die bürgerliche Frau behalf sich mit Schnürungen.

Auch Männer trugen Kleidung mit Erotik

Im Alltag trugen Männer Hemd und Hose und einen Mantel. Eine Eigenart der Männermode am Hofe waren die aufgeschlitzten Kleidungsstücke. Sie waren schon im 11. Jahrhundert bekannt und wurden im späteren Mittelalter zu einem weit verbreiteten Modestil. In Texten des Mittelalters wird von geschlitzten Hosen aus rotem Scharlach berichtet, durch die man die Beine sehen kann. Die zur Schau gestellte Männerbeine wurde in den Schriften kommentiert und gewürdigt.

Die Farbe der Walnuss

Die gängigste Farbe der Bekleidung im Mittelalter war braun. Das hing damit zusammen, dass die Braunfärbung der Stoffe am einfachsten war. In der grünen äußeren Schale der Walnuss ist ein Farbstoff in einer hohen Konzentration. Mit der Farbe der Walnuss konnte man die Wolle auch kalt färben. Die Walnussfärbung war die einfachste und günstigstes Methode, um Wolle zu färben. Für das Färben wurden vor allem Pflanzenteile verwendet. Der Oberschicht war das Färben von Stoffen mit auffälligen und kostspieligen Farben wie rot und violett vorbehalten. Dazu dienten auch Farbstoffe, die aus Tieren gewonnen wurden. Das waren unter anderem die tierischen Kermesbeeren der Schildlaus und Purpurfarbstoff der Purpurschnecke.

Stoffe aus Wolle und Leinen

Wollschur im Mittelalter

Bauern bei der Wollschur

Die alltägliche Oberbekleidung wurde aus Wolle gefertigt. Die Bauernfamilie stellte im Mittelalter ihre Kleidung selbst her. Dies war auf dem Land ein wesentlicher Teil der Arbeit. Die Produktion von Leinen wurde von den Bauern geleistet und war sehr langwierig. Leinenstoffe gehörten zu den Abgaben, die der Bauer an seinen Lehnsherren leisten musste. Das Leinen wurde aus den harten Fasern des Flachs gewonnen. Nach der Ernte mussten zunächst die Stängel von den Samenkapseln getrennt werden. Der so entstandene Bast wurde in heißem Wasser mehrerer Tage gekocht. Nach dem Trocknen wurden die Fasern weiter gebrochen, um die holzigen Teile zu entfernen. Zuletzt zog man den Flachs durch einen Eisenkamm, um ihn in seine Fasern zu zerlegen. Der so gewonnene Reinflachs wurde zu Garn gesponnen und zu Tuch verarbeitet.

Edle Stoffe- ein Luxusgut

Handweberin

Weberin Sylvia Wiechmann

Aus mittelalterlichen Quellen lässt sich ableiten, dass die orientalischen Seidenstoffe am höchsten geschätzt wurden. In vielen Schriftstücken ist auch die genaue Herkunftsbezeichnung dokumentiert. Am häufigsten wird Arabien genannt, ferner Persien, Syrien, Marokko, Libyen und einzelne Städte wie Alexandria, Bagdad oder das spanische Almeria. Die Seide war besonders beliebt, wenn sie mit Gold und Silber durchstickt wurde. Das waren die sogenannten Brokatstoffe.

Konstanz als Zentrum einer globalen Wirtschaft

Mittelalterliche Weberfresken

Der Tuchhandel globalisiert das Mittelalter

Der Handel mit Stoffen wurde in den Städten Süddeutschlands zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor. In Konstanz wurden Wollstoffe aus Oberschwaben, aber auch feinstes Leinen aus Flandern verkauft. An die wohlhabenden Kunden verkauften die Konstanzer Tuchhändler wertvolle Stoffe wie Brokat, Barchent und Samt.

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