Sendung vom Sonntag, 10.4.2011 | 10.30 Uhr | SWR Fernsehen
Die Fernsehjournalistin Dr. Irene Klünder erhielt für ihren Film "Die Witwe und der Mörder" den Katholischen Medienpreis 2011. In dieser SWR-Dokumentation geht die Filmautorin der Frage auf den Grund, wie die Opfer heute mit dem Leid leben, wie ein Täter mit seiner Schuld umgeht und welche Rolle Strafe und Anerkenntnis persönlicher Schuld für eine Versöhnung spielt. Die Preisverleihung findet am 31. Oktober 2011 in Bonn statt.
34 Menschen sind durch die RAF ermordet worden. Nur die Prominenten unter ihnen sind im öffentlichen Bewusstsein geblieben. Die Mehrheit der Opfer wird meist nur Begleitperson, Fahrer, Polizist, GI oder Hausfrau genannt.
Als ihr Mann, ein niederländischer Polizist, 1977 durch den RAF-Terroristen Knut Detlef Folkerts im holländischen Utrecht ermordet wird, bleibt Joke Kranenburg hochschwanger und mit einem 22 Monate alten Sohn zurück. Die Witwe musste ihre zwei Söhne allein groß ziehen. Weder von der Polizei, noch vom Staat bekam sie psychologische Unterstützung.
Der Täter wird in den Niederlanden zu 20 Jahren verurteilt, seine Strafe hat er aber bis heute nicht antreten müssen. Er lebt in Hamburg auf freiem Fuß. Joke Kranenburg gibt nicht auf und kämpft dafür, dass Folkerts doch noch ins Gefängnis kommt. Noch heute leidet sie unter dem Geschehenen.
Auch der Singener Polizist Wolfgang Seliger wurde zum Opfer der RAF, wurde von sieben Kugeln getroffen und hat überlebt. Heute kann er über sein Schicksal sprechen und hat es verarbeitet. Vergessen wird er die Todesangst dennoch nie.
Im Herbst 1978 werden nahe Dortmund drei RAF-Terroristen bei Schießübungen von der Polizei überrascht. Werner Lotze erschießt Polizeiwachtmeister Hans-Wilhelm Hansen und entkommt unerkannt. Ein Jahr später steigt Lotze aus der RAF aus. Nach der Wende wird er festgenommen und legt ein umfassendes Geständnis ab - seine Abrechnung mit der RAF und auch mit sich selbst ist unerbittlich. "Was wir da als revolutionäre Moral in Anspruch genommen haben, war nur Zynismus. Die Opfer waren für die RAF keine Menschen, sondern allein Funktionsträger."
Ein Film von Irene Klünder
Letzte Änderung am: 18.03.2011, 11.36 Uhr