Der Gerichtspsychiater vom Sonntag, 28.11.2010 | 10.30 Uhr | SWR Fernsehen
Ein Mann tötet einen guten Bekannten mit 232 Messerstichen, und wirkt völlig ungerührt. Eine Frau injiziert ihrem Kind Haushaltsreiniger, um dafür bewundert zu werden, wie rührend sie sich um das kranke Kind kümmert. Das sind nur zwei der Fälle, mit denen Peter Winckler als Gerichtspsychiater konfrontiert ist.

Seine Aufgabe ist zu untersuchen, ob der Beschuldigte während der Tat bei Verstand war. Wincklers Einschätzung kann dazu führen, dass der eine Täter für vermindert schuldfähig erklärt wird und nach wenigen Jahren freikommt, hingegen ein anderer zu lebenslänglich mit Sicherungsverwahrung verurteilt wird.
Der knapp 50-jährige Psychiater hat bei nahezu 500 Gerichtsverfahren Gutachten zur Schuldfähigkeit des Angeklagten erstellt. In kürzester Zeit muss Peter Winckler dazu das Vertrauen der Beschuldigten gewinnen.
Die Gefahr dabei: zuviel Nähe. Plötzlich kann hinter einem vermeintlichen Monster der Mensch auftauchen, für den der Gutachter vielleicht sogar Mitleid empfindet. Aber auch das Gegenteil kann passieren und der Gerichtspsychiater entwickelt zunehmend Abscheu gegen den Täter.
Auf der anderen Seite könnte eine zu große Distanz zu einer Fehleinschätzung führen, mit der Folge, dass ein Mörder vorzeitig freikommt und wieder tötet. Oder, auf der anderen Seite, dass ein Mensch ohne Schuld andauernd im Gefängnis sitzt.
Den Einfluss des Gerichtspsychiaters auf die Urteile beschreibt der frühere Richter Wolfgang Pross, der als Vorsitzender einer Schwurgerichtskammer viele Mordverfahren geleitet hat. Eine andere Sicht auf die Rolle des psychiatrischen Gutachters beschreiben die Eltern eines Opfers, des brutal und sinnlos ermordeten Yvan Schneider.
Ein Film von Irene Klünder.
Letzte Änderung am: 19.11.2010, 10.37 Uhr