von Bernd Seidl
Sendung vom Sonntag, 7.11.2010 | 10.30 Uhr | SWR Fernsehen
Die Überlinger Tafel wird von der Caritas getragen. Allerdings findet man sie nicht in der Touristenmeile, nicht am Seeufer und nicht zwischen Boutiquen und Hotels. Am Rand der Altstadt liegt der Laden mit kleinem Café. Dort putzen jeden Mittwoch fleißige Hände Salat und Gemüse, sortieren faule Tomaten oder Bananen aus.
Wie in einem kleinen Dorfladen sieht es hier aus: rechts die Gemüsetheke, links Milch und Joghurt, am Eingang Brot und Brötchen. Wer hier einkauft, ist sozial benachteiligt. Die Caritas prüft dies und gibt dann einen Berechtigungsschein aus. Um 25 Prozent ist 2009 die Zahl derer gewachsen, die einen solchen Schein bekommen haben. Für rund 300 ältere Menschen, Alleinerziehende und Hartz-IV-Empfänger ist der kleine Laden inzwischen mittwochs und donnerstags ein wichtiger Treffpunkt geworden.
Was habt ihr heute übrig?" Der Mann mit der Mütze holt Brot vom Vortag und Milch, die nur noch wenige Tage haltbar ist. Diese Lebensmittel landeten früher in der Tonne. Heute holt Gerd Müller sie jeden Mittwoch mit seinem Transporter ab. Am frühen Morgen geht er auf Tour und sammelt die Spenden für die "Tafel" ein. Der 81-jährige ist einer von 50 ehrenamtlichen Mitarbeitern der gemeinnützigen Initiative.
Gerd Müller kümmert sich um die Gäste, kennt fast jeden persönlich. Er weiß um ihr Schicksal, kennt die Geschichten, die sie erzählen. Früher war er Leiter einer Waldorfschule. Jetzt im Ruhestand engagiert sich der Rentner, wie 50 andere ehrenamtliche Mitarbeiter, für die Tafel.
Auch die pensionierte Bankmanagerin Brigitte Caspar gehört zu den Aktiven. Sie nutzt ihr Know- How für Öffentlichkeitsarbeit und Organisation. Ihr neuestes Projekt: Sie organisiert einen Kochkurs für Kinder der Gäste der Überlinger Tafel. Die Kinder kaufen zusammen ein, planen und kalkulieren, bereiten an jedem Seminartag ein kleines Menü zu und kochen am Ende des Kurses für die Eltern. Auch das gehört zum Konzept: die Überlinger Tafel will nicht nur ein Laden sein, sondern auch Lebenshilfe bieten.
Letzte Änderung am: 14.10.2010, 13.04 Uhr