von Bernd Seidl
Ein roter Dopppeldecker macht Halt vor dem Bahnhof – nicht in London, sondern in Mannheim. Passanten bleiben stehen, schauen, diskutieren. „Gottlos glücklich“ steht in aufgeklebten Buchstaben auf der Busanzeige.
Ein kleines Team um den Publizisten und Humanisten Carsten Frerk tourt derzeit mit dem roten Doppeldecker durch Deutschland. Mit ihrer „Buskampagne“ machen Sie auf Ihre Weltanschauung deutlich: „Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott“. Sie verstehen sich nicht als Provokateure. „Wir sind auch keine Missionare“, sagt Carsten Frerk. Dennoch hat er ein Anliegen: Er will seine Werte vermitteln, will deutlich machen, dass er für seine Weltanschauung keine Religion braucht.
Als Frerk und sein Team in Mannheim ankommen, sind schon andere da. Auf ihrem weißen Bus prangt in großen Lettern: „...und wenn es ihn doch gibt?“ Eine christliche Gruppe hat die atheistische Bustour schlichtweg kopiert und verfolgt nun den roten Doppeldecker durch Deutschland. Sie verteilen Bibeln und Prospekte, mischen sich in die Gespräche ein. Ärgerlich für Carsten Frerk: „Ich finde das unhöflich und unredlich.“
Vorbild für die atheistische Bustour, die unter buskampagne.de verfolgt werden kann, ist eine Kampagne in Londoner Bussen. Deutsche Atheisten und Humanisten wollten auch in Deutschland Plakate in öffentlichen Bussen kleben. Doch viele Städte wollten eine entsprechende Werbekampagne in den Bussen nicht genehmigen. Nur in Essen bekam die Gruppe zunächst eine Zusage, die inzwischen aber aufgrund von Protesten wieder zurückgezogen wurde.
Und so fahren sie nun mit dem gemieteten Bus auch durch Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Am Nachmittag fährt der rote Doppeldecker weiter von Mannheim nach Heidelberg. Auch dort rollen Carsten Frerk und seine Mitarbeiter wieder einen roten Teppich aus, bauen eine Haltestelle auf und packen ihre Prospekte aus. Aber auch hier hat sich die christliche Konkurrenz schon auf dem Universitätsplatz postiert. „Die sind immer früher da“, bemerkt Carsten Frerk. Bald schon drängen sich Studenten und Passanten um den Info-Stand. Engagierte Christen diskutieren mit engagierten Atheisten.
Vier Stunden später wird wieder eingepackt. Carsten Frerk ist ganz zufrieden mit der Aufmerksamkeit, die der rote Doppeldecker erzeugt. Im mitfahrenden Wohnmobil aktualisiert er die Homepage, beantwortet E-Mails. Dann ist Feierabend, der rote Teppich wird wieder eingerollt. Morgen werden Carsten Frerk und seine Humanisten-Gruppe in einer anderen Stadt wieder weiter diskutieren: über Gott und die Welt.
Letzte Änderung am: 22.05.2009, 10.20 Uhr
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