Mit Tippelbrüdern unterwegs
Sendung am Freitag, 15.6. | 18.15 Uhr | SWR Fernsehen in Baden-Württemberg

Nicht nur die allseits bekannten Zimmerleute zieht es auf die Straße. Auf die Wanderschaft gehen Gesellen aller Handwerksberufe vom Schneider bis zum Käser. Der Filmautor Cornelius Klee hat mit seinem SWR-Team zwei von ihnen ein Stück des Weges begleitet. Malte Simon und Christian Mörkens sind Mitglieder der "Gesellschaft der Rechtschaffenen Fremden Maurer- und Steinhauergesellen", einem sogenannten "Schacht". So nennen sich die Vereinigungen der Zünfte. Sie haben strenge Regeln: Die Wanderer müssen mindestens drei Jahre und einen Tag unterwegs sein und dürfen sich ihrem Heimatort nur bis auf 50 Kilometer nähern. Sie müssen ledig, kinderlos und ohne Vorstrafen sein. Ein Mobiltelefon ist verboten, öffentliche Verkehrsmittel sind verpönt.
"Einen kleinen Spleen muss man schon haben, um das zu machen", sagen die beiden Steinmetze. Aber auch, dass das die beste Entscheidung ihres Lebens war. Seit einem halben Jahr sind sie gemeinsam unterwegs "auf Tippelei" heißt das im Gesellenjargon. Die Straße heißt "Mathilda", der Handwerksmeister "Krauter" und die Arbeitskleidung "Schniegelkluft". Begriffe, die sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt haben. Der "Krauter" zum Beispiel entstand, weil es früher fast nur Sauerkraut beim Meister gab. Einiges, wie "Kies" für Geld oder das "Schlitzohr" für einen nicht ganz so ehrbaren Vertreter seiner Zunft, ist in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Die wandernden Gesellen bilden eine verschworene Gemeinschaft, die sich gegenseitig unterstützen und bei der Suche nach Schlaf- und Arbeitsplätzen helfen.
Das SWR-Team hat Malte und Christian dabei durch die Pfalz begleitet: beim Arbeiten in Stetten, beim "Sightseeing" in Worms und beim Feiern in Neustadt an der Weinstraße. "Auf der Walz zu sein" - das wird dabei deutlich - ist mehr als Arbeiten und Reisen. Auch mehr als das bloße Kennenlernen neuer Techniken und Kulturen. Es ist ein Lebensgefühl, ein Moment grenzenloser Freiheit und eine Erfahrung, die junge Menschen für immer prägen kann.
Letzte Änderung am: 14.11.2011, 11.19 Uhr