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SENDETERMIN Di, 8.3.2016 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Preischeck Warum Frauen oft mehr bezahlen müssen

MARKTCHECK klärt auf

Zwei Parfüms derselben Marke - mal für IHN, mal für SIE. Zwei identische Nassrasierer - mal in rosa, mal in blau. Das Produkt ist gleich, der Preis aber nicht im geringsten. Ob für Hygieneartikel, Klamotten oder Dienstleistungen, oft müssen Frauen viel mehr bezahlen als Männer. Allein eine andere Farbe reicht manchmal für den Preisaufschlag. MARKTCHECK zeigt, warum Frauen bei bestimmten Produkten bereit sind tiefer in die Tasche zu greifen und wie Hersteller und Handel das ausnutzen.

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Im Juli 2015 hat MARKTCHECK bereits aufgedeckt, dass viele Beauty-Produkte für Frauen deutlich mehr kosten, als vergleichbare Produkte für Männer. Jetzt wollen wir wissen: Hat sich an den unfairen Preisen etwas geändert? Und wie sieht es eigentlich bei Technikprodukten oder im Baumarkt aus?

Zahlungsbereitschaft von Frauen wird ausgenutzt

Wir gehen erneut auf Shoppingtour und kaufen in denselben Geschäften ein. Wieder sind es die gleichen Produkte vom letzten Test: Rasierer und Parfüm von verschiedenen Marken. Optisch haben sich die Produkte nicht verändert, preislich leider auch nicht: noch immer sind die Produkte für Frauen teurer!
Der rosa Rasierer von Wilkinson kostet 10 Prozent mehr als das identische Produkt für den Mann. Und der Woman-Rasierer von Isana schlägt sogar mit 30 Prozent mehr zu buche. Und auch beim Parfüm sind die Frauenprodukte teurer. 30 ml für den Mann kosten 9,99€. Die Frau soll für die halbe Menge 14,99€, bezahlen - obwohl gleichwertige Inhaltsstoffe enthalten sind, wie Experten bestätigen. Ein Aufschlag von über 200 Prozent.


Experte Andreas Kaapke gibt einen O-Ton.

Experte Andreas Kaapke

Den Stuttgarter Marketingexperten Andreas Kaapke von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg überrascht das nicht. Hinter den höheren Preisen für Frauen stecke eine Strategie der Unternehmen: "Dort wird einfach die Preisbereitschaft der unterschiedlichen Zielgruppen, in dem Fall Frauen, ausgenutzt. Kosmetik, Beauty ist ein wichtiger Lebensbereich für Frauen, da weiß man, da sind die sehr preisbereit, und dann wird das gut ausgenutzt."

Pinke Technikprodukte kosten bis zu 19 Prozent mehr

Sieht es mit Produkten in typischen Männerbereichen anders aus? Wir machen uns auf die Suche und nehmen einige Technik-Produkte unter die Lupe.
Die Kopfhörer Beats Solo 2 in schwarz kosten bei Saturn im Online-Shop 139 Euro. Das gleiche Produkt in pink hingegen kostet 155,99 Euro. Weder beim Design noch bei den technischen Daten können wir Unterschiede entdecken.
Wieso kosten die identischen Kopfhörer in einer anderen Farbe rund elf Prozent mehr? Wir fragen beim Händler Saturn nach und erfahren, an der pinken Farbe liegt es nicht: "Wir prüfen […] kontinuierlich bei maßgeblichen online- und offline-Wettbewerbern, ob unsere Preise bezogen auf das Preis-Leistungsverhältnis wettbewerbsfähig sind – und passen sie gegebenenfalls an."

Zwei identische Tablett-Hüllen in unterschiedlichen Farben und zu unterschiedlichen Preisen.

Die Tablett-Hülle in pink kostet 19 Prozent mehr als das identische Modell in schwarz.

Ein weiteres Beispiel: elektrische Zahnbürsten. Wieder gibt es ein pinkes Modell – und wieder ist dieses Produkt teurer: Es kostet 10 Euro mehr als das gleiche Modell in schwarz. Das sind über 16 Prozent mehr. Wir vergleichen die technischen Daten, können aber keinen Unterschied finden.
Und auch bei einer Tablett-Hülle kostet die Frauen-Variante ganze 19 Prozent mehr: Das Modell in pink kostet 44 Euro, das Modell in schwarz nur 37 Euro.
Marketingprofessor Andreas Kaapke erklärt uns: "Das Unternehmen muss Gewinn machen am Ende des Tages und da wird genau geschaut, wo kann ich einen Preis verlangen, der dann auch gezahlt wird. Frauen sind da eine dankbare Zielgruppe."

Selbst im Baumarkt zahlen Frauen kräftig drauf

In der Werkzeugtasche für Frauen sind nur sieben Werbezugteile enthalten. Sie wurden nebeneinander auf einen Tisch gelegt.

Die Werkzeugtasche „women’s week“ kostet 36 Euro.

Aber irgendwo wird doch auch mal der Mann mehr zahlen müssen. Vielleicht in einer Männerdomäne wie dem Baumarkt?
Die Werkzeugtasche "woman's week" der Marke Wisent kostet im Baumarkt knapp 36 Euro. Die Standard-Werkzeugtasche der gleichen Marke kostet hingegen 11 Euro mehr. Diesmal muss also der Mann tiefer in die Tasche greifen. Allerdings nur auf den ersten Blick: In der Standard-Tasche befinden sich 56 Werkzeugteile, in der Frauen-Tasche nur sieben.

Aber vielleicht steckt in der Frauentasche bessere Qualität? Sandra Wolf ist Obermeisterin der Mechaniker-Innung Rems-Murr und kennt sich mit Werkzeug aus. Zusammen mit ihrem Kollegen Karl-Heinz Röhrle nimmt sie die Werkezugsets genau unter die Lupe. Sie findet heraus: "Das Frauenwerkzeug ist überhaupt nicht hochwertiger und der Preisaufschlag ist auch nicht gerechtfertigt. Man merkt einfach, von der Verarbeitung her, dass da gar kein Unterschied besteht, das ist alles sehr billig gemacht und bringt also einer Frau bei weitem nichts gegenüber einer normalen Tasche."

Die Werkzeugtasche "woman's week" hat also die gleiche Qualität, es sind aber viel weniger Teile enthalten. Bauhaus begründet den Preis mit der Herstellung der Frauen-Werkzeugtasche: "Diese wird in einer kleineren Charge und mit dem Aufdruck "woman´s week" gefertigt. […] Dagegen handelt es sich bei dem 56 teiligen Set um ein gängiges Produkt, das aufgrund der Umschlagshäufigkeit und dem direkten Einkauf beim asiatischen Produzenten deutlich günstiger eingekauft werden kann."

Expertin Sandra Wolf gibt einen O-Ton zu Werkzeug-Test Frauen- und Standardprodukt

Expertin Sandra Wolf

Aber auch bei einem Akkuschrauber im Internet entdecken wir, dass Frauen mehr bezahlen müssen. Für die rosa Variante zahlt man satte 161 Euro mehr, ein Aufschlag von 117 Prozent. Sandra Wolf und Karl-Heinz Röhrle stellen auch hier keine Qualitätsunterschiede fest: "Das ist eigentlich genau die gleiche Technik, nur hat es eine andere Farbe, und dafür viel mehr Geld bezahlen ist eigentlich nicht gerechtfertigt."

Damit konfrontieren wir den Online-Händler. Der pinke Schrauber sei ein Sondermodell, heißt es. Sind weiblich gestylte Heimwerker-Artikel tatsächlich so sehr nachgefragt - oder steckt eine ganz andere Masche dahinter? Wir fragen Prof. Andreas Kaapke: "Wenn eine Frau in den Baumarkt geht, hat sie über die wenigsten Produkte wirklich eine Ahnung, was es kostet. Und der Baumarkt nutzt das, auch hier wieder das Thema Preisbereitschaft. Er weiß, dass dann die Frau das zu zahlen bereit ist und warum sollte er dann den Preis künstlich nach unten setzen?"

Teurere Produkte für Frauen – ob Beauty, Technik oder im Baumarkt. Die Unternehmen kassieren bei der weiblichen Kundschaft einfach ab. Da bleibt wohl nur: ab und zu mal das Männerprodukt kaufen.

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