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SENDETERMIN Di, 14.3.2017 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Versandapotheken im Test Ist die Online-Apotheke besser als die vor Ort?

Marktcheck macht de Test

Sie heißen DocMorris, SANICARE oder Shop-Apotheke: Mehr als 40 Prozent aller Bundesbürger kaufen Medikamente und andere Apotheken-Produkte mittlerweile in solchen Versandapotheken ein. Über 3.000 Apotheken in Deutschland haben eine Erlaubnis für Versandhandel, etwa 150 von ihnen betreiben den Arzneimittelversand schwerpunktmäßig. Denn Arzneimittel per Mausklick sind gefragt. Aber wie unterscheiden sich die Versandapotheken bei Preis, Beratung und Service? Und wie schneiden sie im Vergleich mit der klassischen Apotheke vor Ort ab? MARKTCHECK macht den Test.

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Wer im Internet Medikamente kaufen will, muss sich zunächst vergewissern, dass der Anbieter seriös ist und nicht beispielsweise Fälschungen verkauft. Das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) hat eine Liste mit allen in Deutschland registrierten Apotheken.

Die registrierten Online-Apotheken haben außerdem auf ihren Seiten ein Siegel mit einem weißen Kreuz auf grünem Hintergrund. Wenn man darauf klickt, kommt man zur Seite des DIMDI – dort sollte man aber dennoch überprüfen, ob die Apotheke dort wirklich gelistet ist, denn einfach auf die Seite verlinken kann praktisch jeder. Auch alle europäischen Apotheken haben das gleiche Siegel, jeweils mit ihrer Nationalflagge. Es verlinkt dann auf die jeweilige staatliche Zulassungsbehörde.

Untersuchen wollen wir die fünf umsatzstärksten Versand-Apotheken:

  • DocMorris
  • SANICARE
  • Medikamente-per-Klick
  • Shop-Apotheke
  • APONEO

Test 1: Bestellung

Bei allen fünf Versandapotheken bestellen wir zehn gängige, rezeptfreie Produkte – von Heilsalbe über Schmerzmittel bis zu Nasentropfen. Der Bestellvorgang ist überall unkompliziert. Wer jedoch im Internet bestellt, muss Versandkosten zahlen. Ab wann diese wegfallen, ist unterschiedlich.

  • Bei Medikamente-per-Klick muss man für mindestens zehn Euro einkaufen, damit kostenlos geliefert wird.
  • Die anderen drei Versender liegen mit 20 Euro im Mittelfeld.
  • Bei APONEO ist die Bestellung erst ab 29 Euro versandkostenfrei

Aber wenn in der Lieferung mindestens ein rezeptpflichtiges Medikament ist, entfallen bei allen getesteten Apotheken die Versandkosten. Um das Rezept im Original einzusenden, kann man sich entweder einen Freiumschlag von den Seiten der Apotheken herunterladen und selbst ausdrucken. Als Alternative bieten die Versender an, das Porto zu erstatten.

DocMorris und die Shop-Apotheke zahlen ihren Kunden außerdem einen Bonus von etwa zwei Euro pro bestelltem rezeptpflichtigen Medikament. Das hängt damit zusammen, dass diese Firmen ihren Sitz im Ausland haben. In Deutschland sind Anbieter bei verschreibungspflichtigen Medikamenten an festgesetzte Preise gebunden. Der Europäische Gerichtshof hat die Preisbindung für Versandapotheken mit Sitz im Ausland jedoch im Oktober 2016 gekippt (Rechtssache C-148/15). Die Richter sahen darin eine nicht gerechtfertigte Beschränkung des freien Warenverkehrs. Ausländische Anbieter können ihre Kunden so mit einem Bonus belohnen.

Test 2: Beratung

Bei allen Online-Apotheken kann man die Beipackzettel der Medikamente abrufen. Die Shop-Apotheke bietet deutlich mehr Informationen: Hier gibt es zu jedem Arzneimittel ein Beratungs-Video, was über Neben- und Wechselwirkungen und die Einnahme aufklärt.

Aber was ist mit der persönlichen Beratung? Wir machen den Hotline-Check.

Erreichbar sind Versandapotheken zu ähnlichen Zeiten wie niedergelassene Apotheken. Eine Ausnahme bildet SANICARE, hier kann man unter der Woche bis 22 Uhr anrufen.

Wir möchten uns zu Johanniskraut-Produkten beraten lassen. Christoph Gulde vom Landesapotheker-Verband erklärt, wie eine gute Beratung aussehen sollte:

Christoph Gulde vom Landesapotheker-Verband:
"Grundsätzlich ist ein Johanniskraut-Präparat kein einfaches Mittel in der Selbstmedikation. Es hat sehr viele Neben- und Wechselwirkungen, zum Beispiel  mit der Pille, aber auch mit  Cholesterinsenkern und mit blutverdünnenden Mitteln. Deshalb sollte ein Apotheker auf jeden Fall ganz klar abfragen, welche Arzneimittel ansonsten genommen werden."

  • Bei Medikamente-per-Klick empfiehlt die Beraterin an der Hotline sofort ein Johanniskraut-Präparat. Ob andere Medikamente eingenommen werden, fragt sie nicht. Erst auf Nachfrage sagt sie, es könnte zu Wechselwirkungen mit der Pille kommen. Mit Cholesterinsenkern vertrage sich das Präparat aber gut, behauptet sie – und ist damit glatt durchgefallen.
  • Die anderen vier Online-Anbieter schneiden besser ab: Die telefonischen Beratungen erkundigen sich, ob noch andere Medikamente eingenommen werden und raten, Johanniskraut erst nach Rücksprache mit dem Arzt zu nehmen.
  • Zum Vergleich wollen wir wissen, wie die Beratung bei niedergelassenen Apotheken ausfällt. Das Ergebnis ist überraschend: Drei von fünf zufällig ausgewählten Apotheken verkaufen die Johanniskraut-Präparate ohne Nachfrage. Nur zwei haben gut beraten.

Als nächstes testen wir, inwieweit die Online-Apotheken uns warnen, falls wir Medikamente zusammen kaufen, die sich negativ beeinflussen. Aspirin Complex und Otriven werden bei Erkältungen von Kunden häufig zusammen gekauft. Apotheker Christoph Gulde erklärt, warum das keine gute Idee ist:

Christoph Gulde vom Landesapotheker-Verband:
"Als Apotheker müsste ich Ihnen sagen, dass die zwei nicht zusammen passen, weil sie sich in ihrer Wirkung verstärken, nämlich den Blutdruck erhöhen. Bei uns würde es,  wenn wir das eingeben, auch auffallen. Wir würden einen roten Knopf sehen, da würde drauf stehen, dass es vorsichtshalber kontraindiziert ist. Das heißt an der Stelle müsste man spätestens fragen, für wen das ist, ob es für die gleiche Person ist und ob es zur gleichen Zeit genommen werden soll"

Die Shop-Apotheke weist in einem Video auf die Risiken hin, die im Zusammenspiel mit anderen Medikamenten entstehen können.  Auf den Seiten der anderen Internet-Apotheken finden sich zunächst keine Warnungen. Als jedoch die Pakete mit den bestellten Medikamenten von SANICARE und DocMorris ankommen, liegt dort je ein Info-Blatt bei, das ausdrücklich vor Blutdruckanstieg warnt.

In den Apotheken vor Ort bekommen wir dreimal "Aspirin Complex" und "Otriven" zusammen verkauft. Nur zweimal weisen die Apotheker auf die Wechselwirkungen hin und verkaufen "Otriven" nicht.

Test 3: Preise

Können die niedergelassenen Apotheken hier mithalten? Schließlich können bei rezeptfreien Arzneimitteln alle Apotheken die Preise selbst bestimmen.  Die Unterschiede sind am Test-Tag trotzdem groß:

  • Bei Medikamente-per-Klick kostet der Warenkorb 32,43 Euro.
  • Am teuersten ist der Warenkorb bei SANICARE mit 43,65 Euro – gut 30 Prozent mehr.
  • Bei den drei anderen Versendern liegt der Preis etwa bei 39 Euro.
  • Die niedergelassenen Apotheken können hier nicht mithalten: 53,12 Euro kosten die zehn Produkte im Korb hier im Durchschnitt.

Test 4: Geschwindigkeit

Die Stichprobe bestätigt, was die Online-Apotheken versprechen: Innerhalb von zwei Tagen werden alle fünf Pakete geliefert. Die Bestellungen sind außerdem vollständig.

Und damit steht unser Test-Ergebnis fest:

  • Preis-Sieger unserer Stichprobe ist Medikamente-Per-Klick. Wer keine Beratung braucht, der kann hier richtig Geld sparen.
  • Unser Beratungs-Sieger ist die Shop-Apotheke. Hier bekommt man gute Beratung zu fairen Preisen. Fast ebenso gut ist DocMorris.

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