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Tourismus-Trends Erdogan, Trump und die Folgen fürs Reisegeschäft

Der Touristikmarkt reagiert von jeher auch empfindlich auf politische Krisen. Wie wirkt sich die aktuelle Lage in der Türkei und den Vereinigten Staaten auf den Tourismus aus?

Eine deutsche und eine türkische Flagge am Stand der Türkei auf der Reisemesse ITB

Der Tourismus ist für die Türkei nach wie vor ein wichtiger Devisenbringer.

Mit riesigen Plakaten wirbt die Türkei schon in den Eingangsbereichen der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin für türkisfarbenes Meer und weiße Strände. Das staatliche Tourismusministerium präsentiert die Sonnenseite des Landes. Doch im letzten Jahr ist der Umsatz der türkischen Tourismusbranche massiv eingebrochen.

Erneut deutlich weniger Buchungen für Türkei-Reisen

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu auf der Reisemesse ITB in Berlin

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu wirbt auf der ITB für sein Land.

Seit Beginn der Serie von Terroranschlägen in der Türkei im Juni 2015 kommen immer weniger Touristen in das Land. Die immer angespanntere politische Situation sorgt dafür, dass sich der negative Trend auch 2017 fortsetzt. Im Januar lagen die Buchungen für die kommende Sommersaison in den Reisebüros nochmal 58 Prozent unter den schon schwachen Zahlen des Vorjahres.

Aus diesem Grund scheuen sich die hiesigen Reiseveranstalter, mit türkischen Anbietern langfristig Verträge abzuschließen. "Das Geschäft der Reiseveranstalter hat sich durch Anschläge, Naturkatastrophen und politische Verwerfungen stark verändert", meint hierzu Thorsten Schäfer vom deutschen Reiseverband. "Es ist nicht mehr so leicht, Kontingente im Voraus langfristig einzukaufen bzw. genau einzuschätzen, wie viele Menschen wann zu welchem Ziel reisen wollen. Daher ist es inzwischen üblich, dass die Reiseveranstalter zunächst eher kleine Mengen an Kontingenten kaufen, und wenn die Nachfrage steigt, kaufen sie Kontingente hinzu." Das Gleiche gilt auch für Fluggesellschaften. Sie steuern ihre Maschinen nun relativ kurzfristig zu anderen Reisezielen.

USA-Reisen ebenfalls rückläufig – aber schon vor Trump

Flaggen mit dem Logo der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) und verschiedener Länder in Berlin am 07.03.2017

Die Internationale Tourismus-Börse (ITB) in Berlin ist die weltgrößte Reisemesse.

Derzeit werden auch die USA nicht mehr so oft von deutschen Urlaubern angeflogen. Thorsten Schäfer, der seit 20 Jahren im Touristikgeschäft ist, führt dies allerdings nicht zwingend auf eine Abneigung gegen den neuen Präsidenten zurück. Er glaubt vielmehr, dass die Deutschen eher ein hoher Dollarkurs abschreckt. Dafür spricht, dass schon lange vor Trumps Wahlsieg amerikanische Ziele rückläufig waren.

Laut Schäfer könne man beobachten, dass dieser Rückgang in den letzten Wochen und Monaten nicht gestoppt wurde, sondern sich weiter verfestigt habe. Ob das ausschließlich mit dem sogenannten "Trump-Effekt" zu tun habe, könne man mit einem eindeutigen "Jein" beantworten: "Man fragt die Menschen ja nicht, warum sie irgendwohin reisen. Stornierungen gibt es immer wieder. Aber wir sehen bei USA-Reisen jetzt nicht einen außergewöhnlich hohen Stornierungsstand."

Einige Regionen erholen sich wieder

Ein Fuß steht auf einem 50 Euro Schein auf dem Strand

Urlaub soll für die meisten möglichst günstig und zugleich sicher sein.

Gefragt bei deutschen Urlaubern sind dagegen weiterhin Griechenland, Kroatien und Bulgarien. Die Flüchtlingsproblematik auf einigen griechischen Inseln hatte offensichtlich kaum Folgen für das Reisegeschäft. Und auch Ägypten steht wieder auf der Urlaubsliste der Deutschen.

Der Tourismus in das nordafrikanische Land zeigt seit ein paar Monaten wieder sehr starke Aufwärtstendenzen. Die Buchungen bis Ende Januar 2017 sind gegenüber dem Vorjahr um rund 90 Prozent gestiegen. Von den alten Rekordmarken ist Ägypten aber noch weit entfernt.

Petra Thiele, SWR Wirtschaftsredaktion | Online: Stefan Heinz

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