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SENDETERMIN Di, 14.3.2017 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Sekt versus Champagner Welche Prickel-Brause ist leckerer?

Zwischen vier und fünf Liter Sekt pro Kopf und Jahr trinkt im Schnitt jeder Deutsche. Ob Sekt oder Champagner: prickeln tun sie alle. Doch wie unterscheiden sie sich? Wie erkennt man, welche Qualität in der Flasche steckt? Und wie ist der Geschmack? Lohnt sich teurer Markenchampagner und Sekt oder kann die Konkurrenz aus dem Discounter locker mithalten? Marktcheck bittet zum großen Geschmacks-Check und klärt zudem über Unterschiede bei der Herstellung und den Bezeichnungen auf der Flasche auf.

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Wie unterscheiden sich Sekt und Champagner?

Der prägnanteste Unterschied zwischen Sekt und Champagner ist die Herkunft. Champagner darf nur aus der Champagne kommen, einer Provinz im Nordosten Frankreichs: Die Trauben müssen von dort kommen und auch der Produktionsprozess muss in der Champagne stattfinden. Sekt unterliegt nicht diesen strengen Regeln zur Herkunft. Die Rebsorte und der Gärungsprozess können beim Champagner und Sekt aber dieselben sein.

Wie wird Sekt und Champagner hergestellt?

Die Grundlage zur Sektherstellung ist Wein. Diesem wird eine Hefe-Zucker-Mischung beigesetzt, damit die Sektgärung stattfinden kann. Bei Winzersekt ist es vorgeschrieben, dass diese Gärung in der Flasche stattfindet. Handelt es sich um Massenware, findet die Herstellung häufig in großen Tanks statt, denn das ist günstiger und einfacher. Bereits nach einem Monat kann der Sekt in Flaschen abgefüllt werden. Der Rotkäppchen-Sekt liegt beispielsweise sechs Monate auf der Hefe, ein Winzersekt meist länger. Beispielsweise der Sekt von Volker Raumland aus dem rheinlandpfälzischen Flörsheim-Dalsheim, einer der Top Sektwinzer in Deutschland. Bei ihm reift der Sekt drei Jahre auf der Hefe. Desto länger der Sekt auf der Hefe reift, desto feiner das Prickeln und desto komplexer der Geschmack. Champagner muss ebenfalls per Flaschengärung hergestellt werden und liegt mindestens ein Jahr auf der Hefe. Teure Tropfen wie zum Beispiel der Moet & Chandon liegen rund zwei Jahre auf der Hefe.

Was ist der Unterschied zwischen halbtrocken, trocken und brut?

Ob Sekt und Champagner halbtrocken, trocken und brut sind, ist vom Zuckergehalt abhängig. Und da gibt es große Unterschiede: Eine 0,75 Liter Flasche mit der Bezeichnung „brut“ darf maximal drei Zuckerwürfel enthalten, ein trockener Sekt bis zu acht und in einem halbtrockenen Sekt dürfen sogar bis zu 12 Würfelzucker stecken

Rotkäppchen-Sekt schmeckt Verbrauchern am besten

Wir wollen herausfinden, was den Verbrauchern besser schmeckt: Sekt oder Champagner? Ist der edle Tropfen sein Geld wert? Getestet wird der Sekt von den Marktführern und von einem Winzer. Zudem Champagner vom Discounter Aldi und ein edler Markenchampagner:

  • Sekt von Rotkäppchen, trocken, für circa 4 Euro
  • Sekt "Premium Cava" von Freixenet, trocken, für circa 6 Euro
  • Champagner "Monsigny" von Aldi, brut, für circa 13 Euro
  • Winzersekt "Raumland" von Volker Raumland, brut, für circa 14 Euro
  • Champagner von Moêt & Chandon, brut, für circa 42 Euro

Bei einer Blindverkostung im Ludwigsburger Schloss wollen wir herausfinden, welcher Tropfen den Verbrauchern am besten schmeckt. Schön gekühlt servieren wir Sekt und Champagner.

Am Ende gibt es einen klaren Sieger: Von 65 Besuchern stimmten 26 für den Rotkäppchen Sekt. Dahinter Freixenet mit 13 Stimmen und der Aldi Champagner mit 10 Stimmen. Der Winzersekt und der teure Moet-Champagner konnten nicht überzeugen. Christina Hilker ist Wein Sommeliére und hat eine Vermutung, warum das so ist: "Der normale Endverbraucher ist vielleicht nicht an den Geschmack gewöhnt von anspruchsvollem Riesling Sekt oder von anspruchsvollem Champagner und entscheidet sich für ein Produkt, was ihm viel mehr zusagt."

Teurer Marken-Champagner fällt bei Blindverkostung der Experten durch

Nun wollen wir aber wissen, was Experten zu den edlen Tropfen sagen. Wir bitten Wein Sommelière Christina Hilker und Top Sektwinzer Volker Raumland zur Blindverkostung. Welcher wird ihnen am besten schmecken?

Der Sekt von Freixenet finden die beiden Experten nicht schlecht, allerdings finden sie ihn zu süß und ein wenig langweilig. Ähnlich beim Rotkäppchen-Sekt. Der günstige Champagner vom Discounter überzeugt die Experten schon eher - er habe eine gute Mischung aus Süße und Säure. Und auch das Aroma des teuren Winzer-Sektes bewertet Christina Hilker als ansprechend. Der teure Marken-Champagner fällt allerdings durch. Die Experten finden, dass Ausdruck und Komplexität fehle und dass der Champagner profan und langweilig sei.

Auch wenn die Geschmäcker der Experten und Laien etwas auseinander gehen: Für einen guten Sekt oder Champagner muss man nicht tief in die Tasche greifen.

Genießer-Tipps

Wenn Sekt und Champagner in den Handel kommen, sind sie in der Regel trinkreif. Sie sollten dann möglichst bald getrunken werden, denn sie verändern sich meist zum Nachteil, je älter Sekt und Champagner werden, sprich je länger die Entfernung der Hefe her ist. Beim Kauf sollten Sie daher Flaschen meiden, die schon länger stehen und auf denen sich bereits Staub abgesetzt hat. Gekaufte Flaschen sollten Sie nicht zu lange aufbewahren, ansonsten oxidiert der edle Tropfen. Am besten Sie kaufen nur so viel ein, wie Sie innerhalb weniger Monate aufbrauchen können.

Wenn Sie sich einen Schluck gönnen möchten, sollten Sie die Flasche Sekt oder Champagner zuvor auf sechs bis zwölf Grad Celsius herunter kühlen. Entfernen Sie beim Öffnen den Drahtbügel nicht komplett – auf diese Weise haben Sie mehr Griffigkeit. Fassen Sie die Flasche am Boden an und drehen Sie nicht den Korken, sondern die Flasche. Den Druck langsam entweichen lassen, damit es ploppt und nicht knallt. Ist auf dem Korken sehr wenig Druck, dann lagert die Flasche schon sehr lange.

Damit der Sekt oder Champagner im Glas anschließend schön perlt, nehmen sie keine Sektschalen, sondern hohe und enge Kelche. Halten Sie außerdem das Glas beim Einschenken schräg.

Generell ist es besser, die Sekt- oder Champagnerflasche komplett zu leeren, denn ist das Getränk einmal warm geworden, schmeckt es schal. Wenn Sie die angebrochene Flasche aufbewahren wollen, sollten Sie die Flasche kalt stellen und einen speziellen Sektverschluss nutzen. Ein Silberlöffel in die Flaschenöffnung zu stecken bringt erwiesenermaßen nichts.

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