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SENDETERMIN Di, 7.2.2017 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Grippewelle Wie schütze ich mich vor Ansteckung?

Über 9.000 Erkrankte - eine heftige Grippewelle überrollt den Südwesten. Wie Sie sich schützen können, erklärt unser Gesundheitsexperte Dr. Lothar Zimmermann.

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Eine Grippe ist eine wirklich schwere Erkrankung, die bei Abwehrgeschwächten oder chronisch Kranken lebensgefährlich werden kann. In diesem Winter sind deutschlandweit bereits 85 Personen an der Grippe gestorben (Stand: 6.2.17). Die Grippe ist nicht zu verwechseln mit einem grippalen Infekt. Grippaler Infekt ist eine irreführende Bezeichnung, denn er steht nicht für Grippe, sondern eine Erkrankung mit grippeähnlichen Symptomen, die aber bei weitem nicht so dramatisch sind, wie die einer Grippe.

Die Virusgrippe nennt der Arzt Influenza. Sie beginnt plötzlich und wird durch Tröpfchen übertragen. Man steckt sich bei bereits Erkrankten an oder bei Menschen, die sich schon angesteckt haben, bei denen aber die Grippe noch nicht ausgebrochen ist. Denn das Virus braucht ein bis drei Tage, um sich im Körper so zu vermehren, dass die typischen Symptome auftreten.

Grippe oder doch nur ein grippaler Infekt?

Jeder kann das einfach erkennen.

  • Nur bei einer echten Grippe wird man so schlagartig krank.
  • Man bekommt Fieber über 38,5 Grad, Schweißausbrüche und Schüttelfrost.
  • Der Kopf zerspringt fast, Licht und Geräusche quälen.
  • Man fühlt sich total geschwächt, an Essen ist nicht zu denken.
  • Und: Alles tut weh, ist druckempfindlich und die Gelenke schmerzen.

Kommt das alles zusammen, handelt es sich ziemlich sicher um eine Virusgrippe. Und diese auch Influenza genannte Erkrankung darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen - für abwehrgeschwächte oder chronisch kranke Menschen kann sie lebensgefährlich werden.

Grippe beginnt plötzlich und wird durch Tröpfchen übertragen. Man steckt sich bei bereits Erkrankten an oder bei Menschen, die sich schon angesteckt haben, bei denen aber die Grippe noch nicht ausgebrochen ist. Das Virus braucht ein bis drei Tage, um sich im Körper so zu vermehren, dass die typischen Symptome auftreten.

Das Virus befällt die Schleimhäute von Mund, Nase, Rachen und Lunge. Es kommt zu Reizhusten, Kopf- und Muskelschmerzen, Schweißausbruch und Halsschmerzen. Das Fieber steigt über 38,5°C. Man fühlt sich mindestens 2 Wochen elend. Die Krankheit verläuft schwer. Der Körper ist während einer Grippe stark geschwächt, die Abwehr arbeitet auf Hochtouren, aber gerade jetzt haben es weitere Erreger leicht, den Körper zu befallen. Besonders gefürchtet sind dann Bakterien, die zu schlimmen Lungenentzündungen führen.

Wer sollte sich impfen lassen und wer besser nicht?

Wer eine chronische Erkrankung von Herz, Nieren oder Lunge hat, sollte sich in jedem Fall impfen lassen. Jeder Diabetiker sollte sich impfen lassen. Denn schon durch leichte Infekte kommen bei Zuckerkranken Stoffwechsel und Kreislauf durcheinander. Auch wenn das Immunsystem geschwächt ist, kann und sollte man impfen. Wer gesund ist, muss abwägen.

Generell gilt: Personen, die im Alltag und Beruf viel mit Menschen zusammen kommen, sind stärker gefährdet sich anzustecken. Dazu gehören besonders Menschen, die im Krankenhaus arbeiten, aber auch zum Beispiel Berufspendler, die öffentliche Verkehrsmittel benutzen.

Da die Impfung gut vertragen wird, sollte man sich im Zweifel für eine entscheiden.
Ausnahme: Da der Impfstoff Hühnereiweiß enthält, ist bei Eiweißallergien besondere Vorsicht erforderlich. Manchmal muss dann auch von einer Impfung abgeraten werden.

Lohnt es sich jetzt noch zu impfen?

Für chronisch Kranke, Diabetiker oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem lohnt sich auf jeden Fall auch jetzt noch eine Impfung, denn für sie kann eine Grippe-Erkrankung lebensgefährlich werden. Zumal nicht auszuschließen ist, dass die Grippewelle uns noch eine Weile im Griff hat. Bis der Impfstoff wirkt, dauert es ca. 10 – 14 Tage. Aber auch wenn man sich den Grippevirus vorher einfängt, verläuft die Erkrankung mit Impfung schwächer. Das gilt natürlich auch für gesunde und fitte Menschen. Diese würden die Grippe allerdings auch ohne Impfung überstehen.

Was tun, wenn einen die Grippe erwischt hat?

Nicht jeder Grippe-Patient muss ins Krankenhaus, das Aufsuchen des Hausarztes ist aber zu empfehlen. Und man kann auch selbst Einiges tun, um die Symptome einer Grippe zu lindern und die Heilung zu unterstützen:

  • Wichtig ist vor allem, sich körperlich ausreichend zu schonen. Bettruhe ist daher angeraten.
  • Nehmen Sie viel Flüssigkeit zu sich, vor allem bei hohem Fieber oder wenn Sie stark schwitzen. Gut geeignet sind Wasser und Kräutertee.
  • Wadenwickel können helfen, Fieber zu senken.
  • Hohes Fieber lässt sich auch durch die Einnahme von fiebersenkenden Medikamenten wie beispielsweise Paracetamol senken.
  • Bevor man stärkere Medikamente einnimmt, also beispielsweise den Neuraminidase-Hemmer Tamiflu, sollte man auf jeden Fall seinen Hausarzt aufsuchen. Denn diese Medikamente können nicht nur starke Nebenwirkungen hervorrufen, sondern sind in ihrer Wirkung auch umstritten.
  • Auch Antibiotika sollte man nicht ohne eine Verordnung eines Arztes einnehmen. Denn Antibiotika zeigt bei Grippe keine Wirkung, da es nur gegen Bakterien wirkt. Es kommt daher sinnvollerweise nur zur Behandlung in Frage, wenn man sich zusätzlich noch eine bakterielle Infektion eingefangen hat. Und generell gilt: Um Resistenzen zu vermeiden, sollte Antibiotika nur eingesetzt werden, wenn es unumgänglich ist.

Wie schützt man sich vor einer Ansteckung?

Hände waschen ist das A und O: Waschen Sie sich in Zeiten, in denen viele Vieren und Bakterien unterwegs sind, ruhig noch häufiger als sonst die Hände – und zwar mit Seife und gründlich.

Händeschütteln vermeiden: Den Händedruck zur Begrüßung zu verweigern, ist völlig in Ordnung. Sorgt das für Irritationen, kann man sein Verhalten kurz kommentierten. Lässt es sich nicht vermeiden, sollte man sich danach die Hände waschen und sich bis dahin nicht ins Gesicht fassen, denn die Krankheitserreger werden vor allem über die Schleimhäute in Mund und Nase übertragen.

Abstand halten: Und auch wenn es vielleicht schwerfällt, auch in der Karnevalszeit sollte man zu anderen Menschen etwas Abstand halten und lieber auf das "Küsschen rechts und Küsschen links" verzichten.

Für frische Luft sorgen: Ein Grund für die Schwächung des Immunsystems im Winter ist der Mangel an Bewegung an der frischen Luft. Gehen Sie daher täglich nach draußen. Richtig bekleidet, ist das auch bei Regen und Kälte empfehlenswert.
Und: Regelmäßiges Lüften sorgt für eine geringere Virenkonzentration in der Zimmerluft. Denn krank wird man erst, wenn zu viele Viren in den Körper gelangen, die das Immunsystem nicht mehr bekämpfen kann. Deshalb lohnt es sich, in Abständen von etwa zwei bis drei Stunden für fünf Minuten Stoßzulüften.

Richtig niesen: Hartnäckig hält sich die Empfehlung, beim Niesen die Hand vor den Mund zu halten, doch von der Hand verteilt man die Viren schnell in seinem Umfeld. Besser ist es, in die Ellenbeuge zu niesen, da diese nicht ständig in Kontakt mit Gegenständen oder Menschen ist.

Sammelstätten sauber halten: Computertastaturen, Telefonhörer und auch Türklinken sind häufig Sammelstätten für diverse Keime. Reinigen Sie sie daher regelmäßig, beispielsweise mit etwas Essigreiniger.

Was Sie sonst noch tun können, damit Sie sich nicht alles einfangen, erfahren Sie in unserer Bildergalerie:

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Immunsystem

So stärken Sie Ihre Abwehrkräfte

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Ausgewogene Ernährung
Unser Abwehrsystem braucht Nährstoffe, um zu funktionieren. Wie genau alles zusammenhängt, daran wird noch fleißig geforscht. Erwiesen ist aber, dass eine ausgewogene Mischkost einen stärkenden Effekt auf das Immunsystem hat. Mit dieser Nahrung werden dem Körper Zink, Kupfer und Eisen, sowie Vitamin A, C, D und E zugeführt.
Und damit Bakterien, Pilze und Viren aus der Nahrung nicht in den Körper gelangen, werden im Darm unzählige Immunzellen aktiv. Was dem Darm gut tut - zum Beispiel Ballaststoffe - wirkt sich deshalb positiv auf die Abwehrkräfte aus.

Ausgewogene Ernährung
Unser Abwehrsystem braucht Nährstoffe, um zu funktionieren. Wie genau alles zusammenhängt, daran wird noch fleißig geforscht. Erwiesen ist aber, dass eine ausgewogene Mischkost einen stärkenden Effekt auf das Immunsystem hat. Mit dieser Nahrung werden dem Körper Zink, Kupfer und Eisen, sowie Vitamin A, C, D und E zugeführt.
Und damit Bakterien, Pilze und Viren aus der Nahrung nicht in den Körper gelangen, werden im Darm unzählige Immunzellen aktiv. Was dem Darm gut tut - zum Beispiel Ballaststoffe - wirkt sich deshalb positiv auf die Abwehrkräfte aus.

Zusätzlich Vitamin C nehmen?
Christiane Manthey von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg beschäftigt sich seit Jahren mit der Wirkung von Vitaminen und sieht Nahrungsergänzungsmittel kritisch: Wer zum Beispiel eine ausreichende Vitamin-C-Aufnahme von 100mg pro Tag hat - dessen natürlicher Bedarf also gedeckt ist - kann sich nicht durch die Einnahme von noch mehr Vitamin C vor einer Erkältung schützen. Wer zu viel Vitamin C zu sich nimmt, kann sogar eine Schwächung des Immunsystems herbeiführen. Ab 1 Gramm - also 1000 Milligramm - drohen Nierensteine und gegebenenfalls auch Durchfälle, so die Expertin.

Krafttraining und Ausdauersport
Bewegung stärkt die Abwehrkräfte. Nur: Sport ist nicht gleich Sport! Um das Immunsystem zu stärken, eignen sich Krafttraining und Ausdauersport wie beispielsweise Joggen, Schwimmen oder Radfahren. Immunologen gehen davon aus, dass mit jedem Training das Immunsystem ein bisschen gereizt und dadurch stimuliert wird.

Frische Luft
Und egal ob Schnee, Regen oder Wind - gut eingepackt sollten Sie mindestens 30 Minuten pro Tag an die frische Luft gehen. Sei es, indem Sie zügig zur Arbeit gehen oder eben Sport machen. So wird die Durchblutung der Lunge gefördert und frische Luft stärkt die Abwehrmechanismen unserer Schleimhäute. Das ist besonders wichtig, da die Schleimhäute im Winter unter der trockenen Heizungsluft leiden. Außerdem kurbelt jeder noch so kleine Sonnenstrahl unter anderem auf natürliche Weise die Vitamin-D-Produktion des Körpers an.

Wärmeregulierung des Körpers verbessern
Wer regelmäßig in die Sauna geht oder Kaltwasserbäder nimmt, kurbelt seine Durchblutung an und bekommt so auch eine bessere sogenannte Thermoregulation. Das heißt, dem Körper fällt es leichter, sich im Sommer abzukühlen und im Winter die Körpertemperatur zu halten.

Stress reduzieren
Es gibt immer mal Phasen, in denen der Alltag stressig ist und sich daran auch vermeintlich wenig ändern lässt. Wichtig ist aber, gerade in diesen Zeiten für Ausgleich zu sorgen und sich bewusst Auszeiten zu nehmen. Mit einem entspannten Bad oder einem guten Buch ist da schon viel gewonnen. Denn: Bei dauerhaftem Stress schüttet der Körper vermehrt Kortisol aus und das unterdrückt das Immunsystem.

Ausreichend und entspannt schlafen
Zu den wichtigen Erholungsphasen für Ihren Körper gehört auch die Schlafenszeit. Das funktioniert aber nur, wenn Sie auch entspannt und tief schlafen. Der Boden im Büro ist dafür ein denkbar ungeeigneter Platz.

Wer diese Tipps beherzigt und dann noch berücksichtigt, dass sich jeder von uns rund zehnmal pro Stunde mit der Hand durchs Gesicht fährt, ...

... und sich deshalb öfter mal gründlich mit Seife die Hände wäscht, hat gute Chancen, dass sich nicht jeder Virus in seinem Körper breit macht.


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