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Schlecker vor Gericht Die Ausmaße des Prozesses

Das Landgericht in Stuttgart hat den Prozess gegen den früheren Drogeriemarkt-König Anton Schlecker eröffnet. Auch seine Frau und seine beiden Kinder müssen sich vor Gericht verantworten.

Anton Schlecker vor Gericht in Stuttgart

Anton Schlecker vor Gericht in Stuttgart

Die Familie Schlecker hat sich bislang von den Medien ferngehalten. Nun steht sie - unfreiwillig - im Rampenlicht. Mehr als 20 Millionen Euro sollen der Ex-Drogerieketten-Chef und seine Angehörigen beiseite geschafft haben.

Fragen an Tobias Frey, SWR-Wirtschaftsredaktion

Was genau wird der Schlecker-Familie vorgeworfen?

Es ist eine ganze Reihe an Vorwürfen: Insolvenzverschleppung, Untreue, der Hauptvorwurf ist der des vorsätzlichen Bankrotts. Anton Schlecker soll kurz vor der Pleite seines Unternehmens Geld beiseite geschafft haben und das, obwohl er wusste, dass es mit dem Konzern bergab geht. Er wollte dadurch, so die Anklage, sein Vermögen vor den Gläubigern schützen. Laut Staatsanwaltschaft geht es um insgesamt 36 Fälle und um mehr als 20 Millionen Euro. Das Geld hat er wohl seiner Familie gegeben – er soll es zum Beispiel an seine Enkel und an seine Kinder verschenkt haben. Er hat offenbar einmal eine Million Euro für die Renovierung einer Wohnung beiseite geschafft. Er soll seinen Kindern außerdem Geld für Luxus-Urlaube gezahlt haben. Deshalb müssen sich eben auch seine Frau Christa und die beiden Kinder Meike und Lars vor Gericht verantworten. Außerdem soll er 2009 und 2010 den Zustand seines Unternehmens im Konzernabschluss falsch dargestellt haben und er soll auch vor dem Insolvenzgericht falsche Angaben gemacht haben.

Welche Strafe könnte dem Ex-Unternehmer drohen?

Anton Schlecker im Portrait

Anton Schlecker auf dem Weg zum Prozessauftakt im Landgericht Stuttgart

Auf Bankrott steht eine Strafe von bis zu fünf Jahren Haft oder eine Geldstrafe. Bei besonders schweren Fällen drohen bis zu zehn Jahre Haft. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft spricht von besonders schwerem Bankrott. Deshalb könnte auch die Höchststrafe von zehn Jahren verhängt werden. Knackpunkt ist aber die Frage, ab wann die Zahlungsunfähigkeit wirklich feststand, also ab wann das Unternehmen nicht mehr zu retten war. Denn erst ab diesem Zeitpunkt kann es überhaupt zu Bankrott-Straftaten kommen. Das ist allerdings nicht so ganz einfach herauszufinden und das muss im Prozess erst einmal geklärt werden. Das kann definitiv dauern. Aktuell hat das Gericht bis Oktober 26 Verhandlungstage angesetzt. Es können aber auch noch weitere hinzukommen.

Von Schlecker hat man lange nichts gehört. Was macht die Familie?

Die ehemalige Zentrale des Schlecker-Imperiums in Ehingen

Die ehemalige Schlecker-Zentrale

Anton Schlecker war schon immer ein Mensch, der sich nicht gerne in der Öffentlichkeit gezeigt hat. In seiner Heimatstadt Ehingen heißt es auch, man könne zwar über Anton Schlecker sprechen, aber nicht mit ihm. "Das Phantom von Ehingen", so wird er auch gerne genannt. Er wohnt weiter mit seiner Ehefrau weiter in seiner Villa, mitten in Ehingen bei Ulm. Das ist ein riesiges, fast vier Fußballfelder großes Areal mit mehreren Gebäuden. Das Grundstück ist aber mit hohen Mauern gut gesichert, sodass man von außen nie viel sehen kann. Angeblich soll er sich auch immer noch regelmäßig in der ehemaligen Schlecker-Zentrale aufhalten. Was er da macht, das weiß man nicht. Aber da wird auch seine Frau Christa öfter mal gesehen. Die hat nämlich dort in der obersten früheren Chefetage eine Immobilienverwaltung. Die beiden Kinder, Meike und Lars, die ja kurz vor der Pleite recht prominent in den Medien waren,  haben sich auch zurück gezogen. Meike lebt offenbar in London. Lars verbringt seine Zeit in Berlin und in der Nähe von Ehingen.

Online: Inga Vennemann

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