aus der Sendung vom Donnerstag, 21.7.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Sieben Koffer haben wir ins Rennen geschickt. Fünf davon auf zwei Rollen und aus Stoff, zwei mit vier Rädchen und einer Schale aus Kunststoff. Gekostet haben sie zwischen 15,- und 100,- Euro. Wie lange halten Verschlüsse, Rollen, Griffe und Gestänge der Gepäckstücke? Der TÜV Rheinland hat es für uns herausgefunden.

| Die getesteten Koffer im Überblick | |
|---|---|
| Tedi | 15,- Euro |
| Artland Travel | 20,- Euro |
| GDS-Travel | 39,- Euro |
| Virgilis & Co Lederwaren | 49,95 Euro |
| Lufthansa für Tchibo | 59,90 Euro |
| Vega Defender | 89,95 Euro |
| Stratic | 99,95 Euro |

Die Tests sehen vor, dass die Koffer mit ihrer Größe entsprechenden Gewichten bepackt werden. Dann geht es aufs Laufband. Die Teleskopstangen werden an einem Greifarm festgeschraubt. Schwellen und Kanten auf dem Band simulieren Bordsteinkanten und Kopfsteinpflaster. Die eingestellte Geschwindigkeit entspricht flottem Gehen - und zwar dreieinhalb Kilometer lang, also keine Marathon-Strecke. Trotzdem überstehen drei der Koffer das Gerumpel nicht. Mal bricht der Schiebegriff, mal die Rollen.
Beim Hebetest geht es darum, ob und wie lange die Tragegriffe halten. Einer fällt durch. Der Artland für 20,- Euro verliert nach seinem Gestänge jetzt auch noch den Griff. Außerdem werden die Koffer in der großen Trommel herumgewirbelt, ähnlich wie das auch im Fliegerbauch passieren kann. Hier bekommen die beiden größeren Koffer (von Artland und Tedi) für 15,- und 20,- Euro Probleme: die Reisverschlüsse platzen auf. Für die großen ist die Trommel aber auch eine stärkere Belastung als für die kleineren, leichteren Modelle im Test.
Die Koffer bekommen eine Dusche, ein Liter Wasser pro Minute nieselt auf sie nieder. Das entspricht einem ordentlichen Schauer und das drei Mal zehn Minuten lang. Das kann auf dem Rollfeld oder am Bahnsteig öfter mal vorkommen. Das Ergebnis: ein höherer Preis schützt offenbar nicht vor eindringender Feuchtigkeit. Gerade die billigsten Koffer im Test blieben innen trocken, während die teureren Modelle bis zu einem Schnapsgläschen voll Wasser sammelten. Aber tropfnass wird die Wäsche in diesen Koffern auch nicht. Also kein Grund zur Beanstandung.
Schon vor den Tests fiel der zweitteuerste Koffer (von Vega) für rund 90,- Euro negativ auf, weil das Gestänge ziemlich hakelig war. Der Koffer von Virgilis ("US Sport America") machte auf dem Laufband schlapp. Das gilt auch für den Koffer für 15,- Euro von Tedi. Der hielt auch den Trommeltest nicht durch. Und der 20-Euro-Koffer von Artland bestand Hebe-, Laufband- und Trommeltest nicht.

Das bedeutet: vier der sieben getesteten Koffer fiel bei den mechanischen Test durch. Dabei wurden nur Mindestanforderungen wie sie in Alltagssituationen vor kommen überprüft, also keine extreme Leistungen oder Belastungen verlangt.
Ein Koffer für rund 40,- Euro (von GDS Travel) fiel uns aber auch aus anderen Gründen unangenehm auf: Ein beißender Geruch, der von dem Trolley ausging und der nach dem Tragen an den Händen "klebte". Wir baten den TÜV daher um einen Test im Chemielabor. Stecken vielleicht Giftstoffe in dem Gepäckstück? Ein Schnelltest bestätigte den Verdacht: Ja, der Haltegriff ist mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, kurz PAK, belastet. Sie stehen im Verdacht, beim Menschen Krebs auszulösen. Im Tierversuch wurde das bereits nachgewiesen.
Weitergehende Untersuchungen beim TÜV bringen das 500fache des aktuellen Richtwerts an PAK im Griff des Trolleys ans Licht. Insbesondere ein Stoff, Benzoapyren, war in sehr hohen Konzentrationen nachweisbar. Das Gemeine an den PAK ist, dass sie über die Haut in den Körper gelangen können. Mit diesem Griff ist eine Gesundheitsgefährdung nicht ausgeschlossen, so Ralf Diekmann vom TÜV Rheinland.
Gesetzliche Grenzwerte für PAKs gibt es noch nicht, obwohl Verbraucherschützer und auch einige Behörden diese schon lange fordern. Bei dem Testkoffer wurden sogar die freiwilligen Richtwerte, die Industrie und Handel sich selbst gesetzt haben, weit überschritten.
Es hatten nicht nur die Hälfte der Koffer teils erhebliche mechanische Probleme, was alleine schon nicht tolerierbar wäre, erschreckend waren jedoch die sehr hohen Konzentrationen an PAK im Koffer von GDS-Travel. In unserer Stichprobe fielen die günstigeren Modelle durch.
Keinerlei Beanstandungen gab es nur bei zwei Koffern. Einer davon ist das Modell von Stratic für rund 100,- Euro. Genauso gut schlug sich der 40,- Euro günstigere Lufthansa-Koffer, der bei Tchibo verkauft wird.
Autorin: Armgard Müller-Adams
Letzte Änderung am: 21.07.2011, 21.00 Uhr