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SENDETERMIN Di, 9.6.2015 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Konservierungsmittel Machen sie Duschgels & Cremes gefährlich?

MARKTCHECK deckt auf

Sie schützen vor Keimbefall und werden deshalb als Konservierungsmittel in Shampoos, Duschgels oder Kosmetika eingesetzt - Parabene. Während viele die Zusammensetzung für unbedenklich halten, sehen manche Experten darin auch eine hormonwirksame Substanz, die gesundheitliche Risiken in sich birgt, bis hin zur Krebsgefahr. Alles nur aufgebauscht? Ein MARKTCHECK -Selbstversuch mit parabenhaltigen Produkten zeigt deutlich erhöhte Werte bei den Testerinnen. Wie reagieren die Hersteller? Was kann der Verbraucher tun?

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Parabene werden in vielen Produkten als Konservierungsmittel eingesetzt; sie sollen vor Keimbefall schützen. Es gibt sie in unterschiedlichen Varianten mit unterschiedlichen Namen.

Gesundheitsgefahren durch Parabene

Doch seit Jahren verdichten sich die Hinweise, dass Parabene in gewissen Mengen schädlich sein können, weil sie in den Hormonhaushalt eingreifen.

Ann-Katrin Sporkmann, Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND)

Ann-Katrin Sporkmann, Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND)

Ann-Katrin Sporkmann, Bund für Umwelt und Naturschutz:
"Hormonell wirksame Chemikalien, können sich in Ihrer Wirkung addieren. Wir nehmen täglich ja nicht nur ein Produkt zu uns, das wäre dann vielleicht noch händelbar, sondern mehrere Produkte. Und diese unterschiedlichen Stoffe addieren sich in ihrer Summe."

Parabene im Körper nachweisbar

Das könne zu gesundheitlichen Risiken führen, wie etwa Hoden- oder Brustkrebs, Hodenhochstand bei Babys oder verfrühte Pubertät, meint der BUND und fordert deshalb ein Verbot von Parabenen in Körperpflegeprodukten.
Studien, z.B. aus Norwegen weisen nach, dass sich Parabene aus Körperpflegeprodukten etwa im Blut und im Urin finden. Je mehr parabenhaltige Produkte verwendet werden, umso so höher der Parabenanstieg im Körper, so die Erkenntnis.

Das klingt unglaublich. Nimmt der Körper wirklich beim täglichen Gebrauch von z.B. Duschgel und Bodylotion die Stoffe auf?

Selbstversuch

Klaus Runow, Umweltmediziner

Klaus Runow, Umweltmediziner

Bei deutschen Testlaboren ist die Untersuchung auf Parabene kein Standard. Deswegen besuchen wir Klaus Runow, er ist Umweltmediziner und ist darauf spezialisiert, Umweltgifte im Körper nachzuweisen. Parabene lässt er im Urin untersuchen.

Für unseren Selbstversuch kaufen unsere Mitarbeiterinnen erst einmal Körperpflegeprodukte. Das Kriterium: Parabene müssen drin sein. Für uns interessant sind die Vorher- und die Nachher-Werte im Körper. Deswegen heißt es erst einmal: Pipi machen und Urin sammeln.

Danach werden zwei Tage lang - beim Duschen, Haare waschen, der gesamten Körperpflege und beim Styling - nur parabenhaltige Produkte benutzt. Nach zwei Tagen heißt es dann wieder: Pinkeln. Zur Auswertung werden die Proben an ein Labor in die USA geschickt.

Verbot durch die EU-Kommission

Das Thema Parabene ist umstritten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin (BfR) hat eine Bewertung zu Parabenen vorgelegt, allerdings bereits 2011. Manche Parabene werden dort kritischer betrachtet manche weniger. Doch inzwischen sind von der EU-Kommission manche Parabene sogar verboten. Doch ein Interview will uns das BfR nicht geben.

Körperliche Belastung mit Parabenen signifikant verändert

Zurück zu Umweltmediziner Klaus Runow. Unsere Testergebnisse aus dem Labor sind mittlerweile da.

Klaus Runow, Umweltmediziner:
"Das ist ja schon ganz beachtlich, da wollen wir mal sehen, was da so in ihrem Körper angekommen ist, von den Stoffen, die wir auf die Haut aufgetragen haben. Und das ist doch ganz aufschlussreich. Die Ergebnisse sind in Form einer Raute ausgedruckt hier. Das sind die schwarzen kleinen Rauten, und wir sehen die sind im grünen Bereich. Und nachdem sie die Kosmetika eingesetzt haben, da sehen wir deutlich, dass die Rauten sich hoch bewegt haben in den orangen und auch in den roten Bereich hinein. Aus dem Grund rate ich dazu erst mal die Produkte nicht mehr einzusetzen, also Expositionstopp. Und dann würde ich Ihnen raten, natürlich ihre Entgiftungsvorgänge zu fördern, dass der Körper diesen Müll, so möchte ich es mal bezeichnen, schnell wieder aus dem Körper eliminiert."

Handelt es sich tatsächlich um eine Gesundheitsgefährdung? Die Messergebnisse zumindest überraschen.

Für Klaus Runow gehören Parabene in die Gruppe der hormonwirksamen Substanzen. Sie stören bei der Frau den Monatszyklus und die Fruchtbarkeit auch bei Männern, die Spermien-Qualität nimmt ab, so der Experte. Für ihn steht fest, dass die Verwendung parabenhaltiger Körperpflegeprodukte Einfluss auf den Hormonhaushalt hat. Du er stuft die
Dosierung, die wir in unserem Selbstversuch erreicht haben, als bedenklich ein. Die körperliche Belastung mit Parabenen hat sich signifikant verändert.

Hersteller sehen keine Gefahr

Sollte man mit dem Einsatz von Konservierungsmittel, die ins Hormonsystem eingreifen, dann nicht vorsichtiger umgehen? Wir fragen Hersteller. Diejenigen, die antworten, wollen von einer Paraben-Gefahr nichts wissen - antworten stattdessen pauschal:

"Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es ... keinen Grund für einen Verzicht auf die von uns eingesetzten Parabentypen in den Produktkategorien ..."

"Die geringe Menge Parabene, die unser Körper aufnimmt, wird zügig abgebaut. Sie lagern sich also nicht ab und wirken sich nicht negativ auf das Hormonsystem aus."

Englische Studien aber belegen Paraben-Ablagerungen im Brustgewebe. Doch sowohl einzelne Hersteller als auch der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel betrachten dies als umstrittene Einzelposition.

Auf Produkte mit Parabenen verzichten?

Alles nur eine aufgebauschte Gefahr also? Der mündige Verbraucher muss wohl selbst eine Lösung finden. Zum Beispiel verstärkt darauf achten, Produkte zu kaufen, die keine Parabene enthalten. Mittlerweile gibt es einige Unternehmen, die bewusst darauf verzichten und klassische Naturkosmetik enthält grundsätzlich keine Parabene.

Produktinformationen mit Barcode-Scannern entschlüsseln

Bei der Auswahl helfen können auch Apps wie z.B. „Toxfox“, „Codecheck“ oder "barcoo". Mit diesen kann man etwa Shampoo oder Duschgel scannen und direkt auf Parabene überprüfen lassen. Denn wer vorm Einkaufsregal steht, verzweifelt oft, ob der vielen Produkte und der in Minischrift verfassten Infos zu den Inhaltstoffen. Die sogenannten Barcode-Scanner für Smartphones können da für einen besseren und schnelleren Überblick sorgen. Die Computer-Fachzeitschrift Chip hat die drei Barcode-Scanner bewertet:

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