Seite vorlesen:
Schnell mal E-Mails checken, ein Video im Internet ansehen oder den Freunden ein Foto schicken: Wer sein Smartphone in Deutschland mit dem passenden Flatrate-Tarif nutzt, für den ist das Alltag, nicht Luxus. Wer sein internetfähiges Handy allerdings auch auf Auslandsreisen nutzen will, sollte sich vorher genau über die Kosten informieren - sonst kann es empfindlich teuer werden.
Immer öfter ist das Handy mehr als ein Mobiltelefon, es ist ein kleiner Westentaschencomputer mit Internetanschluss, ein so genanntes Smartphone. Gerade hier lauern Kostenfallen, vor allem wenn das Gerät im Ausland ins Internet geht.
Der Urlauber wechselt das Land, das Handy das Mobilfunk-Netz: Es bucht sich im Ausland bei anderen Anbietern ein und nutzt deren Netze für Anrufe und Datenaustausch. Das nennt man Roaming bzw. Daten-Roaming - zu Deutsch: herumwandern, herumstreifen - und dafür entstehen die so genannten Roaming-Kosten. Diese Kosten variieren erheblich je nach Anbieter und Land.
Vorsicht ist in Grenznähe geboten. Wer zum Beispiel am Bodensee oder im Elsass Urlaub macht, dessen Handy wählt sich unter Umständen schon Kilometer vor der Grenze in das stärkere Auslandsnetz ein. Entsprechend telefonieren Sie zum Auslandstarif. Entweder behalten Sie das Display im Auge oder Sie schalten den automatischen Netzwechsel aus.
Ein Smartphone wählt sich meistens ganz automatisch ins Internet ein, ohne dass der Nutzer das merkt. Sei es, um Wetter- und Geodaten der entsprechenden Apps zu aktualisieren oder zum Abrufen von E-Mails. Wer darüber die Kontrolle behalten will, hat zwei Möglichkeiten. Zum einen können Sie den Datenaustausch deaktivieren. Zum anderen können Sie sich anzeigen lassen, wann das Smartphone eine Internet-Verbindung aufbaut. Einrichten lässt sich beides - je nach Gerätetyp - meist im Menü für Internet-Einstellungen.
Die Sperr-Option, eine EU-Regelung von 2010, soll Reisende mit Smartphone schützen: Sobald Gebühren von knapp 60 Euro fürs Surfen aufgelaufen sind, stoppt der Anbieter zunächst den Datenstrom. Der Kunde wird im Vorfeld per SMS benachrichtigt, kann dann nur noch telefonieren und Kurznachrichten versenden, bis er das vorgegebene Limit verändert oder aufhebt.
Auch für Handy-Telefonate und SMS gibt es Preis-Obergrenzen innerhalb der EU. Seit dem 1. Juli gelten folgende Preise: Wer angerufen wird, zahlt maximal 13 Cent, vorher waren es 17 Cent. Wer nach Deutschland telefoniert, maximal 41 Cent, vorher kostete das 46 Cent. SMS-Kurznachrichten kosten innerhalb der EU 13 Cent, der Empfang ist kostenlos. Wenn Sie aus den EU-Ländern länger nach Deutschland telefonieren wollen, dann lassen Sie sich besser zurückrufen. Das kommt Sie günstiger.
| Handy-Kosten innerhalb der EU (inkl. Mehrwertsteuer) seit 1. Juli 2011: |
| eingehende Anrufe: 13 Cent |
| abgehende Gespräche: 41 Cent |
| SMS Versand: 13 Cent |
| SMS Empfang: Kostenlos |
| Automatisches Preislimit Datenverbindungen pro Monat: 59,90 Euro |
Wer innerhalb der EU Urlaub macht und wenig telefoniert, der ist mit dem standardisierten EU-Tarif, den das Handy automatisch übernimmt, was die Kosten betrifft auf der sicheren Seite. Wenn Sie günstig im Internet surfen wollen, dann informieren Sie sich bei Ihrem Anbieter, ob es für Ihr Urlaubsziel ein Reise-Paket gibt. Dieses können Sie vor Reiseantritt zu Ihrem Tarif dazu buchen.
Beim Urlaub in einem Ferienparadies außerhalb der EU drohen allerdings nach wie vor horrende Handy-Kosten. Auch spezielle Auslandstarife des eigenen Anbieters können hier noch relativ teuer sein. Eine Lösung: die Guthabenkarte bzw. Prepaid-Karte vor Ort kaufen. Doch Vorsicht beim Datenaustausch: Es kann sein, dass Dienste wie MMS oder Datenverbrauch erst zeitverzögert abgerechnet werden und es für Sie nicht ersichtlich ist, dass das Guthaben schon aufgebraucht ist. D.h. die Kosten laufen weiter, obwohl die Prepaid-Karte schon leer ist.
Am besten schalten Sie Ihre Mailbox vor der Reise ab. Das Abhören gilt auch im EU-Ausland immer als Auslandsgespräch. Doppelt zahlt, wer in einem Nicht-EU-Ausland Urlaub macht: Hier werden Kosten für ein eingehendes und ein ausgehendes Gespräch berechnet.
Die EU-Verordnung regelt zwar die Preisgrenzen für SMS, Anrufe und Datendienste. Nicht aber für den Versand und Empfang von Fotonachrichten, den MMS. Die Preisunterschiede schwanken hier zwischen 49 Cent und 19,80 Euro. Daher gilt: Entweder den Dienst nicht nutzen oder sich vorher beim Anbieter über die möglichen Kosten informieren.
Autorin: Anne Leppert
Quelle: SWR.de - Ratgeber
Letzte Änderung am: 07.07.2011, 16.01 Uhr