aus der Sendung vom Donnerstag, 9.2. | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Jahrelang haben die Elektronikketten Saturn und Media-Markt auf ihre Märkte vor Ort gesetzt. Nun stellen sie sich der Konkurrenz im Internet. MARKTCHECK prüft: Wie günstig ist der neue Online-Shop, passt der Service und wie groß ist das Angebot?

Ob Media-Markt wirklich die besten Preise anbietet, untersuchen wir gemeinsam mit einem Preisvergleichsportal, das täglich die Daten und Preise fast aller Internet-Händler auswertet. Die Konkurrenz im Netz ist groß und es wird immer mehr Umsatz gemacht. Kleine und große Anbieter kämpfen um Marktanteile.
Bei immerhin 40 überprüften Geräten aus unterschiedlichen Bereichen der Elektronik kann der Media-Markt-Onlineshop preislich nicht mithalten. Er ist bei keinem der Artikel am günstigsten. Zum Beispiel gibt es ein Motorola-Smartphone bei einem anderen Anbieter für nur 215,- Euro, statt für knapp 227,- Euro.
Für einen Fernseher von LG verlangt Media-Markt online rund 534,- Euro. Das gleiche Modell gibt es bei einem bekannten Buch- und Elektronikversender für nur 499,- Euro.
Jede Woche lockt Media-Markt mit den so genannten Topangeboten. Der Preis-Check bei 40 dieser Artikel bringt kaum ein besseres Ergebnis. Nur bei zwei Geräten ist Media-Markt günstiger als die Wettbewerber. Der Buch- und Elektronikversender liegt in diesem Vergleich immerhin zwölf Mal vorn.
Ein Ergebnis, das auch die Expertin des Preisvergleichsportals verwundert. Sie hätte bei den extra beworbenen Angeboten günstigere Preise erwartet.
Auf Nachfrage erklärt Media-Markt, dass die Preise im Internet einer großen Dynamik unterlägen und sich schnell änderten. Man könne nicht immer überall der Billigste sein.
Den Experten des Preisvergleichsportals fiel bei ihrer Untersuchung des Media-Markt Online-Shops auf, dass die Benutzerfreundlichkeit und die Funktionalität der Seite verbesserungswürdig sind. Das beginne bei Produktbezeichnungen, die vom Herkömmlichen abweichen und setze sich bei teilweise schwierigen Kategorisierungen fort. Außerdem bringe die Produktsuche ungenaue Ergebnisse. Für den Kaufinteressenten sei es so schwierig, Preise zu vergleichen und sich eine Übersicht zu verschaffen.
Die Angebotspalette ist ebenfalls noch sehr überschaubar, mit nur 2.500 Artikeln im Netz. andere Anbieter liegen bei weit über 30.000 Produkten bis hin zum riesigen Angebot des Großversands.
Der Online-Shop von Media-Markt ist spät dran im Netz. Saturn, ebenfalls zum Metro-Konzern gehörend, startete bereits im Jahr 2011 seinen Online-Shop. Ein reiner Online-Händler, Redcoon, gehört ebenfalls bereits zum Konzern.
Für den Handelsexperten, der auch Media-Markt berät, ist der Auftritt spät, aber nicht zu spät. Er müsse dann aber mit einer anderen Intensität an den Markt herangetragen werden, so der Experte.
Der Experte erklärt auch ein hausgemachtes Problem des späten Online-Starts. Innerhalb des Konzerns mussten erst Widerstände überwunden werden. So hätten auch die selbständigen Geschäftsführer der Media-Märkte überzeugt werden müssen, dass ein zentraler Online-Shop mit ihrem Geschäftsmodell vereinbar sei.
Viele befürchten Absatzeinbrüche. Deshalb dauerte die Umsetzung des Online-Shops zwei Jahre.
Die Filialleiter sollen deshalb eingebunden werden. Die Kunden können im Internet kaufen und dann in der Filiale abholen, ein so genanntes Multi-Channel-Konzept. Dafür müssen die Preise im Netz und in den Filialen aber identisch sein. Dennoch sind in einer Stuttgarter Filiale Unterschiede zum Online-Preis feststellbar.
Ein Philips-Fernseher ist im Laden beispielsweise rund 50,- Euro teurer als im Netz.
Obwohl Media-Markt sich in der Werbung weiter als Preisbrecher gibt, bleibt auch für den Handelsexperten fraglich, ob der Preis allein den Unterschied machen könne. Viele Experten bezweifeln, dass Media-Markt so neue Kunden gewinnen kann. Deren Strategie muss weiter lauten: Preise und Service vergleichen.
Letzte Änderung am: 09.02.2012, 21.00 Uhr