MARKTCHECK fragt Möller
aus der Sendung vom Donnerstag, 7.7.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Wer sich ein schickes Smartphone zulegt, sollte zur Sicherheit eine Internetflatrate buchen. Viele Telefone nämlich nehmen ungefragt Verbindung mit dem Netz auf. Das kann teuer werden. Unser MARKTCHECK Rechtsexperte Karl-Dieter Möller gibt Tipps, wie man sich gegen hohe Rechnungen wehren kann.

Wenn eine "Schockrechnung" durch mobile Internetverbindungen ins Haus geflattert ist, kommt es zunächst darauf an, wo man das Telefon gekauft hat. Wurde das Handy zusammen mit einem Mobilfunkvertrag bei einem Händler gekauft, hätte dieser beim Kauf auf die Kostenfallen mit dem Internet auf dem Telefon hinweisen müssen. Sollte eine solche Aufklärung nicht stattgefunden haben, ist das ein Mangel, gegen den man gerichtlich vorgehen kann.
Anders sieht es jedoch aus, wenn man das Mobiltelefon unabhängig von seinem Vertrag in einem Laden oder im Internet erstanden hat. Dann kann man sich nicht darauf berufen, dass man nicht über die entstehenden Kosten gewarnt wurde. In so einem Fall lohnt sich der Blick in die Betriebsanleitung.
Ansonsten kann es richtig teuer werden. Die meisten Anbieter trennen die Verbindung bei Summen von 1.000,- Euro und höher. Das gilt jedoch nur für mobile Internetverbindungen im Inland.
Viele Gerichte sind der Meinung, dass diese Beträge viel zu hoch sind, aber der Bundesgerichtshof hat in dieser Sache noch nicht geurteilt. Es gibt daher noch keine verbindliche Regelung, ab wann die Verbindung getrennt werden sollte.
Im Ausland gibt es andere Reglungen. Außerhalb der EU kann es richtig teuer werden. Dort gibt es keine Obergrenzen. Wer jedoch innerhalb der EU mit seinem Handy ins Internet geht, muss sich keine Sorgen machen. Sollten die Kosten 59,50 Euro übersteigen, wird die Verbindung automatisch getrennt. Dafür sorgt eine Richtlinie der EU, ein so genannter Kosten-Airbag für Datenroaming. Der gilt jedoch nur für Datenverbindungen. Telefonate und SMS sind durch ihn nicht gedeckelt.
Ärgerlich teuer kann auch der Aufenthalt in grenznahen Gebieten sein. Das Mobiltelefon sucht sich automatisch das stärkste Netz. So kann es vorkommen, dass es sich mit dem ausländischen Anbieter verbindet, obwohl man im Inland ist. Wer dann telefoniert oder angerufen wird, muss die höheren Kosten in Kauf nehmen. Da ist sich die Rechtsprechung einig. Auch wer etwa im Grenzgebiet zur Schweiz wohnt, muss aufpassen in welchem Netz sich sein Handy aufhält, denn die Schweiz ist nicht Mitglied der EU.
Man kann das Handy jedoch so einstellen, dass es sich gar nicht ungefragt ins ausländische Netz einwählt. Außerdem ist es möglich, Datenverbindunen im Ausland zu deaktivieren. Wie das funktioniert, lesen Sie hier.
Ganz aktuell haben die Mobilfunkanbieter ihre Preise auf Druck der EU für die Urlaubszeit senken müssen. Telefonieren und SMS versenden ist dadurch erheblich günstiger geworden. In der Regel werden diese Tarife automatisch für ihren Vertrag übernommen. Im Zweifel sollten Sie sich jedoch vor einer Reise bei ihrem Anbieter danach erkundigen. Viele Anbieter haben auch spezielle Tarife für das Ausland im Programm - auch für das mobile Internet im Urlaub.
Wenn Sie noch mehr sparen wollen, kann es sich lohnen vor Ort im Ausland eine Prepaid-Karte zu kaufen. Damit kann man im Ausland viel günstiger Telefonieren und SMS verschicken und auf der Karte auch aus Deutschland mit entsprechenden Call-by-Call Nummern sehr kostengünstig angerufen werden. In dem Fall muss der Angerufene keine Roaminggebühren bei eingehenden Gesprächen zahlen.
Letzte Änderung am: 07.07.2011, 21.00 Uhr