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0:17 min

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Datenrettung im Test Wer reanimiert die Festplatte?

aus der Sendung vom Donnerstag, 20.10.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen

Welcher Computernutzer kennt das nicht: Der Rechner streikt und alle Daten sind futsch. Inzwischen gibt es Anbieter, die verlorene Daten suchen und wiederherstellen. MARKTCHECK hat drei professionelle Datenretter auf die Probe gestellt.

Bei Vanessa R. ist der größte Alptraum eines Computernutzers eingetreten. Ihre Festplatte hat den Geist aufgegeben: Alle Daten sind weg. Fotos, Videos, die Musiksammlung, Erinnerungen und wichtige Dokumente - nichts ist geblieben. An einem Tag läuft die Festplatte noch einwandfrei, am nächsten Tag geht nichts mehr. Plötzlich kann sie nicht mehr auf die gespeicherten Informationen zugreifen. So geht es vielen. Wer seine Daten nicht zusätzlich auf einer zweiten Platte oder anderweitig gespeichert hat, dem droht der endgültige Verlust.

Wie gut sind professionelle Datenretter?

Hoffnung machen professionelle Datenretter. Im Internet findet man die unterschiedlichsten Anbieter. Wir suchen drei aus, um sie in einer Stichprobe zu testen: Unsere Kandidaten sind ein billiger Online-Dienstleister, eine große Elektromarkt-Kette und eine Spezialfirma. Ein Computerfachmann präpariert drei fabrikneue Festplatten für uns. Sie werden formatiert und mit identischen Daten bespielt, um vergleichbare Voraussetzungen zu schaffen. Unsere Testdaten bestehen aus Urlaubsfotos, einer Diplomarbeit und Videos der letzten Skifreizeit.

Um die Festplatten zu zerstören, simulieren wir einen Blitzschlag. Die Elektronik ist hinüber, unsere Fotos, Texte und Videos können am PC nicht mehr gelesen werden. Jetzt schlägt die Stunde der Datenretter.

Unterschiedliche Preisansagen

Kandidat 1: Das erste Päckchen schicken wir an den Online-Anbieter "Datenklinik". Er garantiert auf seiner Webseite die billigsten Preise Deutschlands.

Kandidat 2: 199,- Euro soll das Ganze bei Saturn kosten. Wir gehen vorbei und geben die Festplatte ab. Dort erfahren wir, dass es deutlich teurer werden kann. Bei mechanischen Fehlern kostet die Rettung 899,- Euro. Für Mac-Festplatten sogar noch 400,- Euro mehr. Hinzukommen die Kosten der Datenträger fürs Speichern der Dateien.

Kandidat 3: Der dritte Datenretter ist die Firma Maintec. Sie bietet für 107,- Euro eine Analyse der Platte an. Für Privatpersonen soll die Rettung maximal 599,- Euro kosten.

 

Geheimnisvolle Datenrettung

Aber wie funktioniert eigentlich eine Datenrettung? Mit der kaputten Festplatte von Vanessa R. fahren wir zur Firma Convar nach Pirmasens. Hier wurden schon Daten aus dem zerstörten World Trade Center wiederhergestellt.

Als erstes analysieren die Techniker die defekten Festplatten. Leichte Fälle, also wenn die Daten nur gelöscht oder Festplatten formatiert wurden, kann man auch mit entsprechenden Tools selbst wiederherstellen. Die schwierigen Fälle sind Datenträger, die gestürzt sind und damit einen Oberflächenschaden haben. Das kann man dann nur noch im staubfreien Reinraum reparieren - wenn überhaupt. Um die beschädigten Stellen herum müssen die Informationen mühsam manuell ausgelesen werden. Bei der von uns präparierten Festplatte war das aber nicht nötig. Da reichte es, die Elektronik auszutauschen.

 

Profi-Datenretter mit durchwachsenen Ergebnissen

Bei unseren Testkandidaten hat als erstes die Datenklinik unsere Platte analysiert. Allein der Versuch einer Rettung soll 430,- Euro kosten, im Erfolgsfall würden weitere 360,- Euro fällig. Sehr zuversichtlich ist man aber nicht, zu 90 Prozent seien die Daten weg.

Als nächstes meldet sich Saturn. Alle unsere Daten konnten gerettet werden. Die Kosten betragen allerdings mehr als 900,- Euro.

Die Spezialisten von Maintec haben nach über vier Wochen immer noch nichts Konkretes gemeldet. Trotz mehrfacher Nachfrage. Als wir die mangelhafte Kommunikation kritisieren, stößt das auf Unverständnis: "Wir kommunizieren allen privaten Kunden sehr offen ... dass wir für die Bearbeitung kein Zeitfenster garantieren können und wollen."

 

Nur einer hat Daten gerettet

Fazit: In unserer Stichprobe konnte nur Saturn alle Daten wiederherstellen. Das dauerte knapp zwei Wochen und kostete insgesamt stolze 919,- Euro.

Der SWR-Computerexperte Andreas Reinhardt ist mit dem Angebot von Saturn zufrieden. Es gibt außerdem viele Orte, wo man seine Festplatte abgeben kann. Allerdings ist nicht genau ersichtlich, was es letztlich kosten wird.

Die Analyse der Datenklinik lag zwar bereits nach einer Woche vor, das Ergebnis war aber abschreckend. Im Erfolgsfall hätte die Rettung 799,- Euro gekostet. Die zehnprozentige Erfolgsquote war uns jedoch zu wenig. Und so günstig im Vergleich zu anderen Unternehmen ist das Angebot nicht, dass es die Werbung mit den billigsten Preisen Deutschlands rechtfertigt.

Von Maintec gibt es auch nach über vier Wochen nichts Neues. Als wir uns als Testbetreiber outen, schickt die Firma die Platte einfach unrepariert zurück. 

Vanessa R. hat ihre Festplatte wieder. Die Firma Convar hat sie ihr gratis repariert. Ihre wichtigen Erinnerungen sichert sie jetzt zusätzlich immer noch auf einer zweiten Platte.

Noch eine erfreuliche Nachricht für alle Apple-Nutzer: Saturn hat uns mitgeteilt, ab sofort seine Datenrettungspreise für Mac-Festplatten auf den Preis für PC-Platten zu senken.


So bewahren Sie Ihre Daten sicher auf

Je mehr Kopien man von Daten hat, desto sicherer ist es, dass sie nicht verloren gehen. Von wichtigen Dateien sollte man mindestens zwei Kopien auf verschiedenen Datenträgern anlegen.

  • Regelmäßiges Festplatten-Backup: Am besten ist ein regelmäßiges Backup auf einer externen Festplatte. Gute Qualität ist wichtig. Besonders sicher: Sogenannte RAID-Festplatten verteilen die Daten dabei in einem Gehäuse auf mehrere Festplatten, was das Risiko für einen Datenverlust weiter senkt.
  • CD und DVD nur begrenzt sicher: Kleinere Datenmengen kann man auch auf CD oder DVD brennen.Aber Vorsicht: Die Datenträger haben eine begrenzte Lebensdauer. Außerdem gilt: Verwenden Sie Marken-Rohlinge, eine niedrige Brenngeschwindigkeit und lagern Sie die Scheiben kühl und trocken.
  • USB-Speichermedien: Kleinere Datenmengen können vorübergehend auf USB-Sticks und -Medien gespeichert werden.
  • Online-Backup: Inzwischen bieten zahlreiche Unternehmen auch die kostenlose Datensicherung auf ihren Servern übers Internet an. Größere Datenmengen sind bei den Cloud-Speichern jedoch meist kostenpflichtig. Außerdem sollte man sich möglicherweise mit der Frage der Verschlüsselung beschäftigen.
  • E-Mails: Einzelne Dateien lassen sich vorübergehend auch durch das Hochladen in eine E-Mail auf dem Provider-Server sichern. Achtung: Teilweise werden alte E-Mails routinemäßig gelöscht.
  • Backup aktualisieren: Wer Daten langfristig sicher aufbewahren will, muss bei den Speichermedien mit der Zeit gehen. Auch eine Festplatte kann schon in wenigen Jahren veralten.

Datenrettung im Test

MARKTCHECK,  20.10.2011 | 7:04 min

Letzte Änderung am: 18.10.2011, 15.22 Uhr

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MARKTCHECK-Reporter Axel Sonneborn
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