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SENDETERMIN Di, 12.1.2016 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Lippenpflege Krebserregende Stoffe inklusive?

Für viele gehört er zur kalten Jahreszeit einfach dazu - der Lippenpflegestift. Und oft werden sie mehrmals täglich aufgetragen. Die Lippen werden dann abgeschleckt, die Stoffe gelangen in den Körper. Doch viele Pflegestifte enthalten Inhaltsstoffe wie Mineralöle, mit potenziell krebserregenden Substanzen. MARKTCHECK lässt Lippenpflegeprodukte von Labello, Carmex und Blistex im Labor überprüfen. Alle Produkte enthalten bedenkliche Verbindungen. Was also bleibt dem Kunden, der geschützte Lippen haben und dennoch auf Nummer sicher gehen will?

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Lippenpflegestifte der Marktführer Labello, Blistex und Carmex können bedenkliche Substanzen enthalten. Bei der Laboruntersuchung wurden aromatische Kohlenwasserstoffe aus Mineralöl (MOAH) und gesättigte Kohlenwasserstoffe aus Mineralöl (MOSH) gefunden. MOAH stehen im Verdacht, krebserregend und erbgutverändernd zu sein. MOSH können sich in den Organen ablagern.

Stoffe können über die Lippen in den Körper gelangen

Grafik: Giftstoffe reichern sich im Körper an

Giftstoffe reichern sich im Körper an

Die Ergebnisse seien beunruhigend, sagt Dr. Konrad Grob, einer der führenden europäischen Wissenschaftler im Bereich Mineralölforschung. Die Hersteller betonen, sie würden sich an die Gesetze halten. Die Aufnahme über die Haut sei unbedenklich, die Produkte seien sicher. Doch laut wissenschaftlichem Ausschuss für Verbrauchersicherheit der Europäischen Kommission gelangen die bedenklichen Inhaltsstoffe über die Lippen in den Körper.

Sind schon geringste Mengen MOAH und MOSH schädlich?

Bei einem durchschnittlichen Verbrauch nimmt man so pro Jahr eine Menge an Fettstift in den Körper auf, die vier kompletten Lippenpflegestiften entspricht. Richtlinien für Kosmetika, die nur auf die Haut aufgetragen werden, seien demnach für Lippenpflege nicht ausreichend, sagt der Experte Dr. Grob. Die Stifte müssten nach den gleichen Kriterien wie Lebensmittel behandelt werden.
Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit sollten die potenziell krebserregenden und erbgutverändernden MOAH in Lebensmitteln gar nicht vorhanden sein. Experte Dr. Konrad Grob warnt schon vor geringsten Mengen krebserregender Substanzen. Er hält das Ergebnis für nicht tolerabel.

MOSH können sich im Körper anreichern

Nach Meinung des Bundesinstituts für Risikobewertung ist zwar die Aufnahme von Mineralölen in Kosmetika über die Haut eher ohne Risiko. Aber die Substanzen sollten in Lebensmitteln vermieden werden, da sich MOSH im menschlichen Körper anreichern. Die festgestellten Mengen in den drei Lippenpflegestiften von Labello, Blistex und Carmex bewertet Dr. Konrad Grob als beunruhigend.

Sind Pflegestifte gut für die Lippen?

Verschiedene Lippenpflegestifte

Verschiedene Lippenpflegestifte

In der kalten Jahreszeit haben viele Menschen trockene Lippen. Pflegestifte sollen vor Kälte schützen und das Austrocknen verhindern. Wie sinnvoll sind die Produkte?
Sobald es draußen kälter wird, halten sich viele in Räumen mit trockener Heizungsluft auf. Dadurch trocknet auch die Haut aus. Besonders empfindlich ist die Haut der Lippen, weil sie weder Talg- noch Schweißdrüsen hat. "Durch die Witterung entstehen kleine Risse und dadurch kommt es zu einer Entfeuchtung der Lippen", erklärt Hautärztin Daniela Wiebels. Ein Lippenpflegestift kann das verhindern und raue, spröde Lippen wieder geschmeidig machen. Doch wie findet man den passenden Pflegestift?

Schutzfilm aus Fett

Wichtigster Bestandteil in allen Stiften ist Fett. Deklariert ist es zum Beispiel als "Palmitate", "Shea Butter" oder "Kokosnussöl". Der Effekt ist immer der gleiche. Wie ein Schutzfilm legt sich das Fett über die Lippen und verhindert so, dass die Haut austrocknet. Einige Stifte enthalten auch entzündungshemmende Wirkstoffe wie Bisabolol oder Panthenol. Sie sollen die Wundheilung bei spröden Lippen beschleunigen.

Cremes und Salben oft besser und günstiger

Allergiker sollten bei den Inhaltsstoffen darauf achten, dass bestimmte Duftstoffe, Emulgatoren oder ätherische Öle nicht enthalten sind. "Viele vertragen es, aber wenn es sich zu einer Allergie entwickelt, ist es ein Problem", erklärt Hautärztin Wiebels. Cremes und Salben seien oft die wirkungsvollere und günstigere Alternative zu Pflegestiften. Vaseline zum Beispiel habe den Vorteil, dass sie nur aus einer Zutat besteht: Fett. Das Allergierisiko liege praktisch bei null.

Auf die Dosierung kommt es an

Cremes und Pflegestifte sollte man nicht zu dick auftragen, sonst könnte der Schutzfilm die Durchfeuchtung der Lippen sogar blockieren. Dass man durch die Anwendung von Lippenpflegemittel abhängig werden kann, ist ein weitverbreitetes Vorurteil. Wer Lippenpflege benutzt, ändert jedoch oft seine Wahrnehmung: "Wir neigen dazu, einen sehr hohen Anspruch daran zu stellen, wie geschmeidig die Lippen sein sollen, und aus diesem Gefühl heraus fangen wir an die Lippen einzucremen, sobald sie etwas trockener werden", erklärt Hautärztin Wiebels.

Nicht zu oft mit der Zunge befeuchten

Viel wichtiger als die Pflege der Lippen: Man sollte sie nicht zu oft mit der Zunge befeuchten. Im Speichel ist ein Enzym, das Fette spaltet - die Lippen werden dadurch trockener. Genug Trinken und eine vitaminreiche Ernährung dagegen haben einen positiven Einfluss auf die Lippenhaut. Wer allerdings über mehrere Wochen an trockenen Lippen leidet, sollte zum Hautarzt gehen. Dann könnte es sein, dass eine Allergie oder eine andere Erkrankung die Ursache ist.

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