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Kommentar zur Lohngerechtigkeit Mann - Frau Neues Gesetz ändert nicht das Geringste

Ein Gesetz, das das Thema "gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit" voranbringe, sei jetzt in Kraft, sagt Familienministerin Manuela Schwesig. Keineswegs, meint Marc Koch, SWR Wirtschaft.

Mann, Frau, Brüro

Werden Männer und Frauen gleich bezahlt?

Kommentar von Marc Koch, SWR Wirtschaft und Soziales

Das Bundeskabinett hat das Gesetz zur Lohngerechtigkeit verabschiedet. Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern müssen jetzt Auskunft darüber geben, wie sie ihre Mitarbeiter bezahlen, wie sie Frauen fördern und Diskriminierung bekämpfen.

Frauen dürfen künftig fragen, wie viel ihre Kollegen verdienen. Und im Gegenzug sitzt der Staat jetzt auch bei Gehaltsverhandlungen mit am Tisch: Für Fans von Dirigismus und Gleichmacherei ist das Gesetz zur Lohngerechtigkeit ein guter Deal. Für Gleichheit und Gerechtigkeit wird es allerdings nicht sorgen.

Sozialdemokratin im Wahlkampf

Manuela Schwesig, SPD, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Manuela Schwesig, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (SPD) lobt ihr Gesetz zur Lohngleichheit

Frauenministerin Manuela Schwesig hat es wieder einmal geschafft, mit einem Prestigeprojekt bei der Eigenwerbung zu punkten, indem sie ein durchaus existierendes Problem unzulässigerweise auf einen Schuldigen reduziert, auf den sie mit dem Finger zeigen kann: Die Personaler in den Unternehmen diskriminieren Frauen, weil sie ihnen für gleiche Arbeit weniger zahlen als Männern. So unterkomplex kann die Welt für eine Sozialdemokratin im Wahlkampfmodus sein.

Die Wirklichkeit ist leider etwas komplizierter: Niemand bestreitet, dass die Lohnkluft in Deutschland zwischen Frauen und Männern groß ist. Doch schon dann, wenn man genauer rechnet und wirklich gleiche Qualifikation, gleiche Tätigkeit und gleiche Arbeitszeit misst - und alles andere wäre unlauter - dann liegt die Differenz nur noch bei sieben Prozent. Und da gibt es wahrlich himmelschreiendere Ungerechtigkeiten in der Arbeitswelt dieses Landes, zum Beispiel, wenn man Branchen und nicht Menschen miteinander vergleicht. Trotzdem existiert die Lücke.

Bürokratiemonster führt nicht zu Frauenförderung oder Gerechtigkeit

Marc Koch

Marc Koch, SWR Wirtschaft und Soziales

Der springende Punkt ist, dass das neue Gesetz nicht das Geringste daran ändern wird. Stattdessen werden Unternehmen haarklein dokumentieren müssen, wen sie warum wie bezahlen. Und eine staatliche Antidiskriminierungsstelle wird sich Prüfverfahren und Zertifizierungen ausdenken. Auch hier gebiert der Schlaf der Vernunft Ungeheuer.

Deutlich sinnvoller wäre es, wenn Manuela Schwesig sich daran erinnern würde, dass sie nicht nur Ministerin für Frauen, sondern auch für Familie ist: Dann wäre es ihr vielleicht möglich, die wahren Gründe für die oft ungerecht unterschiedliche Bezahlung von Männern und Frauen zu finden. Denn ein Großteil der Lücke kommt ja daher, dass Frauen oft nur in Teilzeit arbeiten können oder wollen, weil sie sich auch noch um die Kinder kümmern. Oder weil sie in immer eher schlecht entlohnten sozialen Berufen tätig sind.

Schuld sind Teilzeit und schlecht bezahlte Jobs

Daran wird sich auch nichts ändern, wenn die Firma in Zukunft ihre Gehaltsbuchhaltung am Schwarzen Brett neben der Kantine aushängen muss. Gestaltende Politik, die es ernst meint mit der Rede von "guter Arbeit", sollte dafür sorgen, dass genau dafür die Bedingungen geschaffen werden. Wenn es mit dem neuen Gesetz wirklich um Gerechtigkeit gehen würde, dann wären nicht ausgerechnet die vielen Bäckereien, Restaurants, Supermärkte und Friseursalons, in denen Frauen für kleines Geld arbeiten, davon ausgenommen. Für alle anderen gilt: Fragen kostet nichts. Gerechtigkeit schon.

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