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Inkasso-Briefe Lassen Sie sich nicht einschüchtern!

Wer eine Rechnung nicht bezahlt, erhält früher oder später meist Post von einem Inkasso-Büro. Nicht selten auch dann, wenn die Forderung unberechtigt ist oder eine Reklamation läuft.

Ab wann darf ein Unternehmen überhaupt ein Inkassobüro beauftragen?

Beauftragt das Unternehmen ein Inkassobüro, bevor der Verbraucher in Verzug ist, muss es die Kosten selbst tragen. Mit dem Verzug, können die Kosten dem Kunden in Rechnung gestellt werden.

Bei einer berechtigten Forderung gilt: Zahlen Sie so schnell wie möglich, um weitere Kosten zu vermeiden.

Haben Sie Reklamationen und ist die Rechnung nicht Ordnung, sollten Sie schriftlich widersprechen. Reagiert das Unternehmen mit weiteren Mahnungen, ist es sinnvoll, sich bei einer Verbraucherzentrale oder einem Rechtsanwalt beraten zu lassen. Das gilt auch bei Forderungen, von denen Sie glauben, dass sie gar nicht existieren.

Aber es gibt auch Fälle, wo ein Inkasso-Unternehmen eigentlich nicht beauftragt werden darf:

  • Der Kunde verweigert ausdrücklich die Zahlung, er bestreitet den Vertrag, oder dass er die Leistung überhaupt erhalten hat. Dann müsste verzichtet oder direkt zu Gericht gegangen werden. Reklamationen oder teilweises Bestreiten der Rechnung reichen allerdings nicht. Es muss der gesamten Forderung widersprochen werden.
  • Der Kunde ist zahlungsunfähig.

In diesen Fällen sollte das Unternehmen den Mahnbescheid wählen, um die Kosten zu verringern. Es hat die Pflicht, Schäden möglichst gering zu halten (Schadensminderungspflicht).

Ein Mahnbescheid kostet das Unternehmen zunächst 32 Euro, zuzüglich Rechtsanwaltsgebühren, bei Summen bis 1.000 Euro insgesamt um 100 Euro.

In der Praxis werden Kunden oft mit der Inkasso-Drohung eingeschüchtert. Spätestens, wenn sich ein Inkasso-Unternehmen meldet, zahlen viele - sogar, wenn sie gar nichts schulden oder im Recht sind. Bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz läuft eine "Aktion gegen Inkasso-Abzocker". Sie sammelt Beschwerden über Inkasso-Forderungen (bis 31. August 2015).

Übrigens: Das Inkassobüro oder ein Unternehmen darf Ihnen nicht mit einem Schufa-Eintrag drohen. Es muss darauf hinweisen, dass Sie einen Eintrag allein durch Widersprechen verhindern können (BGH, Urteil vom 19. März 2015, Az. I ZR 157/13).

Grafik. Mahnung und Paragrafen

Mahnung: Was ist rechtens?

Vorsicht: Mahnbescheid!

Bei Mahnungen müssen Sie nicht reagieren, wenn Sie beispielsweise gar keinen Vertrag geschlossen haben. Kommt aber ein Mahnbescheid, ist wichtig, dass Sie gegebenenfalls widersprechen. Das Gericht prüft nämlich gar nicht, ob eine Forderung berechtigt ist. Ohne Ihren Widerspruch wirkt der Mahnbescheid wie ein Urteil und es droht der Gerichtsvollzieher.

Wenn Sie dem Mahnbescheid widersprechen, mündet der Streit in ein Gerichtsverfahren. Dort wird der Fall dann vom Richter untersucht. Im Zweifel sollten Sie vorher prüfen, wie Ihre Chancen im Prozess stehen und ob sie genügend Beweise haben.

Vermeiden Sie Fallstricke!

Auch wenn jemand im Recht ist, können Versäumnisse dazu führen, dass Forderungen doch durchsetzbar werden und der Kunde den Schaden tragen muss.

  • Prüfen Sie, dass Sie entscheidende Vertragsunterlagen tatsächlich vorlegen können. Bei Kündigungen sollte ein Einschreibebeleg (Einschreiben mit Rückschein) vorliegen.
  • Sorgen Sie für Beweise, dass Sie der Forderung beim Unternehmen widersprochen haben. Verschicken Sie Briefe per Einschreiben mit Rückschein und lassen Sie einen Zeugen zuschauen. Gegenüber dem Inkasso-Büro müssen Sie keine Erklärungen abgeben. Es ist aber sinnvoll, die Forderung zu bestreiten, da seriöse Inkasso-Firmen dann ihre Bemühungen einstellen. Der Schuldner sollte gleichzeitig verlangen, dass das Inkasso-Büro eine Original-Vollmacht des Gläubigers schickt, beziehungsweise nachweist, dass die Forderung treuhänderisch abgetreten wurde.
  • Sie müssen dem Mahnbescheid  innerhalb von 14 Tagen nach Zustellung widersprechen. Widersprechen Sie allen Mahnbescheiden zur selben Forderung.
  • Droht nach Mahnungen ein Mahnbescheid und sind Sie länger abwesend zum Beispiel im Urlaub, sollten Sie einer Person Ihres Vertrauens eine Vollmacht für den Widerspruch erteilen, sonst verstreicht die Widerspruchsfrist.

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