aus der Sendung vom Donnerstag, 15.12.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Rund 28 Millionen Weihnachtsbäume werden Jahr für Jahr in Deutschland verkauft - aber welcher ist der richtige? Ökologisch unbedenklich und schön zugleich soll das Schmuckstück sein. Aber woran erkennt man das? MARKTCHECK will's wissen.

Heiligabend ohne Weihnachtsbaum ist für viele undenkbar. Ein Baum gehört einfach zum Fest. Seit einiger Zeit geht laut Holzverband der Trend sogar zum Zweitbaum. Der eine wird etwa vier Wochen vor dem Fest gekauft und steht im Garten oder auf dem Balkon. Den eigentlichen Weihnachtsbaum kaufen viele dann erst etwa zwei Wochen vor Heiligabend. Kein Wunder, dass die Zahl der verkauften Bäume fast jedes Jahr zunimmt. Rund 28 Millionen Bäume werden es dieses Jahr sein, schätzen Experten. Aber Baum ist nicht gleich Baum. Neben der Art und dem Aussehen sollten auch ökologische Aspekte eine Rolle spielen.

Hochsaison für Weihnachtsbaumzüchter. In der Adventszeit hat Helmut Kohl - nur ein Namensvetter - richtig viel zu tun. Dabei ist es für ihn nur ein Nebenerwerb, ein Hobby. In der Nähe von Trier züchtet er seine Bäume auf einer Fläche von rund 50.000 Quadratmetern - etwas mehr als fünf Fußballfelder. Klingt erst einmal viel, ist aber wenig im Vergleich zu den großen deutschen Weihnachtsbaumplantagen. Da sind Anbauflächen von mehreren Millionen Quadratmetern keine Seltenheit. Und die liefern die meisten Weihnachtsbäume für deutsche Wohnzimmer. Zusätzlich wird noch importiert - vor allem aus Dänemark. Alles zusammen rund 28 Millionen Bäume - größtenteils gezüchtet in sogenannten Sonderkulturen.
Eine umstrittene Anbaumethode, weiß auch Ökologie-Professor Kai Tobias von der Technischen Universität Kaiserslautern. Er beschäftigt sich seit Jahren mit umweltfreundlicher Landschaftsplanung. Damit die Bäume schnell wachsen, werden bei diesen Plantagen Düngestoffe und Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Das lohnt sich: Mit Dünger und anderen Hilfsmitteln ist eine Durschnittstanne nach etwa acht Jahren groß genug. Bei Helmut Kohls Biotannen dauert es zwei Jahre länger. Dennoch: ein umweltverträglicher Anbau ist ihm wichtig. Und dafür hat er sich sogar Verstärkung geholt. Seine Shropshire-Schafe fressen Unkraut, gehen aber nicht an seine Tannenbäume. Das erspart Mähen und Spritzen.

Das ist noch nicht alles. Auf einer weiteren Versuchsfläche hat er vor Jahren viele verschiedene Sorten gepflanzt. Er will herausfinden, welche Art die widerstandsfähigste ist. Je robuster desto besser. Ziel ist ein Baum, der sehr spät austreibt, um die Spätfrostgefahr zu verringern. Dann müssen in der Zukunft keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Der Baum ist stabil und wird nicht krank.
Eine gute Perspektive, denn das Geschäft mit den Tannen boomt. 700 Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaftet die Branche in Deutschland. Dabei spielt für viele Produzenten der Umweltschutz keine Rolle. Sie karren billige Bäume aus dem fernen Dänemark zu uns. Das hat eine denkbar schlechte Öko-Bilanz. Zwar hat der Baum CO2 gebunden, aber durch den Transport entstehen wieder große Mengen. Deshalb sollte man der Umwelt zuliebe heimische Bäume aus der Region kaufen. Und wer nicht das Glück hat, seinen Tannenbaumzüchter persönlich zu kennen, sollte auf Siegel achten, die wie Naturland-, Bio oder FSC garantieren, dass keine Pestizide benutzt werden - so wie das auch unser Öko-Tannenbaumzüchter Helmut Kohl garantieren kann.
Selbst fällen
Im Wald kann man seinen eigenen Baum fällen. Das ist allerdings nur mit Genehmigung des Försters erlaubt. Viele Forstämter bieten in der Weihnachtszeit besondere Tannenbaum-Aktionen. So kann man ganz sicher sein, dass die Tanne frisch ist. Die unteren Äste sind weich und etwas klebrig. Außerdem ist der Stamm noch richtig fest. Als Weihnachtsbaum eignen sich Fichten, Blaufichten und Nordmannstannen.
Christbaum im Topf
Einen Weihnachtsbaum im Topf zu kaufen, um ihn auszupflanzen, ist meist nicht erfolgreich. Die Bäume sind meist durch das Aufstellen im warmen Raum ausgetrocknet und auch die Wurzelballen sind selten geeignet. Durch die Zimmertemperatur wird die Winterruhe des Baumes unterbrochen. Pflanzt man ihn bei kalten Temperaturen aus, erfriert der Baum. Eine Chance hat man allenfalls im Frühjahr.
Letzte Änderung am: 15.12.2011, 21.00 Uhr