aus der Sendung vom Donnerstag, 29.9.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Tür zu, Schlüssel drin, ein Schlüsseldienst muss her. Das kann jedem mal passieren. Das Problem: Schlüsseldienste haben einen schlechten Ruf als Abzocker in der Not. Jetzt gibt es ein neues Angebot: einen Schlüssel-Schutzbrief. Als Mitglied ist die Türöffnung kostenlos. Hält das Angebot wirklich, was es verspricht? Und sind die Schlüsseldienste im Branchenbuch tatsächlich so teuer wie ihr Ruf? MARKTCHECK hat es für Sie ausprobiert und gibt einfache Tipps, wie Sie im Notfall nicht auch noch reinfallen.

Eine Haustür, meine Haustür. Einfach zugezogen. Aber ist sie auch einfach zu öffnen? Das wird uns gleich der Sachverständige Ottmar Schneider vom TÜV Rheinland zeigen. Im Handumdrehen hat er die Tür geöffnet.
Fünf Schlüsseldienste in Stuttgart wollen wir testen. Drei davon werden von überregional tätigen Zentralen geschickt. Werden die Handwerker die Tür schnell und ohne Beschädigung öffnen, liefern sie also gute Arbeit ab? Geben sie eine telefonische Preisauskunft? Und ist die Rechnung angemessen?
Ganz neu: Ein Schutzbrief, wie beim Auto. Nie wieder Wucherpreise, verspricht AFL-24. Im Notfall will der Club einen Schlüsseldienst schicken ohne Extrakosten. Die seien bereits über den Mitgliedsbeitrag abgedeckt.
Vier weitere Schlüsseldienste suchen wir aus dem Branchenbuch.
Der erste: Speedy ist laut Anzeige in mehreren Stadtteilen vertreten. Da wird es ja wohl nicht lange dauern, bis ein Monteur kommt. Maximal 45 Minuten, verspricht man. Doch die Wartezeit beträgt anderthalb Stunden. Seinem Namen Speedy macht er keine Ehre. Auf die Frage nach den Kosten hieß es am Telefon, das könne der Monteur erst vor Ort feststellen. Ottmar Schneider gibt den Tipp, die Wahl eines anderen Schlüsseldienstes anzukündigen, wenn kein Preis genannt wird.
Endlich ist der Monteur da. Wir filmen mit versteckter Kamera. Erneut fragen wir nach dem Preis. Plötzlich gibt es einen Pauschalpreis von 159,- Euro. Das hätte die Zentrale doch auch am Telefon sagen können. Aber womöglich befürchtet man, dass die Kunden dann einen weniger teuren Schlüsseldienst auswählen. Nur wenige Minuten hat es gedauert. Gute Arbeit. Aber 159,- Euro sind viel Geld und die Wartezeit war zu lang.
Der zweite Schlüsseldienst ist schon nach einer halben Stunde da. Wie angekündigt. Um die 80,- Euro werde es kosten, hieß es am Telefon. Auch er öffnet die Tür schnell. Und er verlangt tatsächlich nur 82,- Euro, rund halb so viel wie sein Vorgänger. Schnell, gut und preisgünstig dazu.
Nummer drei hat eine ganzseitige Anzeige im Branchenbuch: Die Deutsche Schlüsseldienst-Zentrale. Ein Verweis auf die Polizei klingt seriös. Aber: Am Telefon gibt es keine Preis-Auskunft. Nicht gerade vertrauenerweckend. 20 Minuten später ist der Monteur da. Der Preis: 153,- Euro, dazu 36,- Euro für An- und Abfahrt, insgesamt 189,- Euro. Keine Minute, dann ist die Tür offen. Der schnellste bislang, aber auch der teuerste. Er kostet mehr als doppelt so viel wie sein Vorgänger. Der Monteur rechtfertigt sich vor laufender Kamera für den hohen Preis: Wir haben 24-Stunden-Service rund um die Uhr, das ganze Jahr lang, auch feiertags, wir sind immer zu erreichen.
Recherchen ergeben: Der Inhaber der Deutschen-Schlüsseldienst-Zentrale ist im Zusammenhang mit überhöhten Rechnungen schon mehrfach aufgefallen.

Beim Nächsten gibt es vorab die Preisauskunft: Zur Pauschale von 38,- Euro kämen pro angefangene 15 Minuten 33,- Euro hinzu. Wenig kalkulierbar, was da am Ende wohl auf der Rechnung steht?
Eine halbe Stunde später: Der Monteur legt los. Auch er benötigt nur wenige Minuten. Er verlangt einen Zuschlag, weil es nach 16.00 Uhr ist. Unterm Strich kostet es 171,- Euro und ist damit das zweitteuerste Angebot.
Zum Schluss der Schutzbrief. Hier muss man nichts extra zahlen. Er kostet bereits 35,- Euro pro Jahr, bei zwei Jahren Mindestlaufzeit. Nach einer halben Stunde ist zwar der Monteur da. Aber ihm fehlen einige Werkzeuge. Er verschwindet bald wieder. Als er zurück ist, kommt ein Werkzeug nach dem anderen zum Einsatz. Doch die Tür bleibt zu. Bis er schließlich, beinahe zwei Stunden nach dem ersten Anruf, aufgibt. Seinen Vorschlag, ein Fenster aufzuhebeln, lehnen wir ab. Auch seine Idee, einige Ziegel abzudecken und übers Dach einzusteigen. Als einziger hat er die Tür nicht aufbekommen. Und die Haustür ist ziemlich verkratzt.
Fazit: Der Schutzbrief war bei dieser Stichprobe ein Reinfall.
Bei drei weiteren Schlüsseldiensten gab es am Telefon keine oder keine klare Preisauskunft. Auch diese Unternehmen sind gleich durchgefallen. Bleibt nur einer, der am Telefon eine klare Preisansage gemacht hat. Er hatte die Tür schnell offen und hat im Vergleich zum teuersten weniger als die Hälfte gekostet.
Es lohnt sich also, gleich am Telefon die Preise zu vergleichen. Gerade im Notfall.
Letzte Änderung am: 29.09.2011, 21.00 Uhr