aus der Sendung vom Donnerstag, 28.7.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Nicht nur altes Glas und Papier sind wertvolle Rohstoffe. Im Haushalts- und Verpackungsmüll stecken zum Teil sogar wahre Schätze. Besonders, wenn alte Handys, Fernseher und Computer ausgemustert werden. Darin sind neben Silber und Lithium sogar Gold und Platin enthalten. Inzwischen haben sich Firmen auf die Wiedergewinnung dieser Rohstoffe spezialisiert.

Noch immer wandern über 60 Prozent aller Elektronikgeräte in den Hausmüll und werden verbrannt oder gelangen auf dunklen Kanälen nach Afrika, wo sie unter schlimmsten Umweltbedingungen recycelt werden. Doch eigentlich gehört Elektroschrott in spezielle Sammelstellen.
Was für manche Müll ist, ist für andere ein großes Geschäft. Jeden Tag landen zwei bis drei Container Elektroschrott bei der Firma CR-Recycling in Bretten und werden zerlegt und aufbereitet.
Firmenchef Bernd Hasenmaier sieht sich nicht als herkömmlichen Schrotthändler, da die alten Elektrogeräte in seinem Unternehmen aufbereitet werden. Außerdem dürfen nur zertifizierte Unternehmen den Elektroschrott fachgerecht zerlegen. Fundiertes Wissen ist erforderlich, um an diesem wichtigen Markt für Rohstoffe mitwirken zu können.
Sogar mit Plastik kann das Unternehmen heute Geschäfte machen. Plastikrückwände von Fernsehgeräten gehen zu Ballen gepresst nach China, für 180,- Euro pro Tonne. Noch wenige Monate zuvor musste das Unternehmen für die Entsorgung von Plastik Geld bezahlen. Der Firmenchef hat die Rohstoffpreise auf den Weltmärkten immer im Blick.
Er erklärt, dass Fernsehgeräte zu rund 50 Prozent aus Glas bestehen. Für dessen Entsorgung muss er zahlen, da es keinen Absatz mehr gibt. In der enthaltenen Strahlereinheit findet sich Nickel, in den Ablenkspulen und Leiterplatten Kupfer. In Zeiten hoher Rohölpreise gibt es sogar für Kunststoff Geld, so der Entsorgungsfachmann. Allerdings hat das Unternehmen für die Demontage von Hand einen höheren Aufwand, da die Bildröhre nicht beschädigt und keine Schadstoffe freigesetzt werden sollen.

Da die Rohstoffrückgewinnung arbeitsintensiv ist, hat die Firma sechs Monate nach ihrer Gründung bereits über 30 Mitarbeiter. Kupferkabel, Platinen und Aluminiumgehäuse stapeln sich.
Bei einer neuen Anlieferung fällt den Mitarbeitern der hohe Anteil an Goldsteckern und vergoldeten Drähten auf. Diese Ladung lohnt sich, erwartet der Firmenchef. Wie viel Gold in diesen Geräten wirklich steckt, will er genau wissen, bevor er noch mehr davon annimmt. Er fährt deshalb mit einer Probe zum Edelmetall Service nach Rheinstetten bei Karlsruhe, ein hochgesicherter Betrieb. Hier lagern Millionenwerte. Gold, Silber und Schmuck werden hier schon seit Jahren an- und verkauft, seit einiger Zeit immer häufiger aber auch Elektronikschrott. Eine Tonne Elektroschrott enthält nicht selten bis zu 200 Gramm reines Gold, dazu Silber, Platin, Lithium und so genannte seltene Erden. Rohstoffe, die in einem Hochtechnologieland wie Deutschland begehrt sind und mit denen die Scheideanstalt deshalb gute Geschäfte macht.
Das Unternehmen in Rheinstetten kauft von Zerlegebetrieben wie CR-Recycling alle Wertstoffe, aus denen sich Metalle zurück gewinnen lassen. Sogar Kupferkabel lohnen sich durch den hohen Kupferpreis. Der Kabelschrott ist rund 2.000,- Euro pro Tonne wert. In Computerplatinen sind einige Teile vergoldet, in manchen Bauteilen ist Silber und ein wenig Palladium. Die besonders wertvollen Computerchips werden sogar getrennt aufgearbeitet.
Bei der Prüfung des Materials aus Bretten wird alles zusammen eingeschmolzen und zu einem Barren aus einer Legierung der verschiedensten Metalle gegossen. Unter dem Spektrometer zeigt sich die genaue Zusammensetzung. Aus den enthaltenen Metallen errechnet sich der Wert, von dem noch die Umarbeitungskosten der Scheideanstalt abgezogen werden. Für den Elektronikschrott-Aufbereiter ist es am Ende ein gutes Geschäft.
Letzte Änderung am: 28.07.2011, 21.00 Uhr