aus der Sendung vom Donnerstag, 9.6.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Schon im Winter könnte es eng werden im Südwesten. Denn der Strom aus erneuerbarer Energie in Norddeutschland muss in den Süden fließen. Doch die Leitungsnetze sind noch nicht ausgebaut. Strom-Blackouts drohen, meinen Experten.

Im Südwesten sitzen zahlreiche Firmen, die besonders auf Energie angewiesen sind: etwa in der Chemie- und Automobilindustrie. Gleichzeitig werden die meisten Atomkraftwerke im Süden vom Netz genommen. Das kann für manche Unternehmen zu einem ernsthaften Problem werden. So berichtet der Geschäftsführer einer Papierfabrik, dass bereits ein Stromausfall von einer Millisekunde die komplette Produktion lahmlegen würde. Erst fünf bis acht Stunden später liefen die Maschinen wieder voll weiter, sagt er. Normalerweise laufen sie 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag.

Die Stromanbieter sprechen jetzt von Stromknappheit und Netzausfällen. Schon im Winter könnte es eng werden. An windigen Tagen wird im Norden viel Strom erzeugt, der durch die Leitungen bis tief in den Süden fließen muss. Die Stromschwankungen sind bei erneuerbaren Energien stark, je nach Wetterlage. Atomkraft ist einfacher zu regeln. Seit die sieben Meiler vom Netz sind, haben die Mitarbeiter in der Leitzentrale der EnBW Transportnetze deutlich mehr zu tun. An bedeckten Tagen, wo wenig Wind weht, kommt etwa 10 Prozent unseres Stroms aus erneuerbaren Energien. Ist das Wetter sonniger und windiger, kann es bis zu ein Drittel sein.
Dazu kommt, dass von den geplanten 850 Kilometer langen neuen Leitungen nur knapp 90 fertiggestellt sind. Die Energiebetreiber befürchten, dass es deswegen zukünftig zu Engpässen in der Versorgung kommen kann. Ein Grund für den langsamen Ausbau seien zahlreiche Einsprüche von Anwohnern, die sich gegen die neuen Leitungen wehren.
Professor Christian von Hirschhausen von der Technischen Universität Berlin hält einen Blackout für Panikmache. In seiner Untersuchung hat er festgestellt, dass es keine Engpässe gibt. Er denkt, dass nur die Netzbetreiber über die notwendigen Daten für die Ausbauplanung verfügen. Der Staat und die interessierte Öffentlichkeit bleiben außen vor.
Durch den Netzausbau rechnen Experten damit, dass der Strompreis für den Endverbraucher bei einem Vier-Personen-Haushalt um 15,- bis 30,- Euro pro Monat teurer wird. Doch ist der Umbau abgeschlossen, könnten die Preise sogar wieder sinken. Das wäre für Verbraucher und für Unternehmer eine gute Nachricht.
Letzte Änderung am: 09.06.2011, 21.00 Uhr