aus der Sendung vom Donnerstag, 3.11.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Wer sich auf das Abenteuer Hausbau einlässt, sollte sich gut vorbereiten. Selbst ein schlüsselfertiges Haus erspart nicht immer Ärger und sogar vorsichtige Bauherren erleben haarsträubende Mängel und Verzögerungen.

Eigentlich wollen Martina und Mark K. schon lange in der eigenen Küche kochen, doch sie müssen sich mit einer provisorischen Kochplatte und ohne Wasseranschluss bei den Eltern unterm Dach auf 30 Quadratmetern behelfen. Ihr neues, eigenes Haus wird einfach nicht fertig.
Die Bauzeit für das eigene Haus sollte nur sechs Monate betragen, versprach die Firma IBGHaus, einer der größten Anbieter von Massivhäusern bundesweit. Der Kaufpreis liegt bei immerhin 240.000,- Euro.
Baubeginn ist im Mai 2010. Doch es geht kaum voran. Immer wieder fehlen Maurer. Als das Paar Ende 2010 einziehen will, ist noch nicht einmal das Dach fertig.
Dafür kämpfen sie mit immer neuen Bauleitern. Inzwischen ist der achte am Werk und der Zeitverzug wird immer größer.
Zusätzlichen treten immer neue Mängel am Neubau auf, beispielsweise schlecht befestigte und herunter fallende Rollladenschienen, die Terrassentür lässt sich kaum schließen und über der Türzarge klafft ein Loch.
Nach fast anderthalb Jahren kann endlich die Abnahme erfolgen, mit noch immer 23 Mängeln. Trotzdem will das Paar jetzt endlich einziehen. Mark K. glaubt nicht daran, dass IBGHaus alle Mängel beseitigen wird und stellt sich auf einen langen und harten Kampf ein, bei dem er sich am Ende um vieles selbst kümmern muss.
Rechtsanwalt Peter Mauel vom Bauherren-Schutzbund e.V. kennt das Unternehmen und den Ärger vieler Bauherren mit der Baufirma. Er erklärt, dass die Probleme beispielsweise mit der Einhaltung der Bauzeiten nicht örtlich begrenzt sind, sondern über ganz Deutschland verteilt auftreten.
Martin N. ärgert sich ebenfalls schon länger mit dem Unternehmen herum. Noch wohnt er in Ilsfeld. Sein Haus im 40 Kilometer entfernten Öhringen soll schon seit einem halben Jahr fertig sein. So lange arbeitet seine Frau Judit bereits dort und ihr Sohn Adam geht in Öhringen zur Schule. Das heißt für die Familie jeden Tag 80 Kilometer pendeln.
1.300,- Euro fallen jeden Monat zusätzlich für Benzin und Miete an. Doch trotz mehrfacher Beschwerden tut sich monatelang so gut wie nichts auf der Baustelle ihres Hauses. Sogar der Bauleiter räumt zwischenzeitlich ein, dass ein Baufortschritt kaum erkennbar sei.
MARKTCHECK zeigt das Haus einem Bausachverständigen des Verbandes Privater Bauherren. Er findet mehrere Mängel. Im Dachgeschoss gibt es beispielsweise feuchte Stellen in der Dämmung durch Kondenswasser. Hier muss schnell gehandelt werden, sonst kann sich Schimmel bilden und alles muss herausgerissen werden, erklärt der Sachverständige.
Der Unternehmenssprecher von IBGHaus erklärt gegenüber MARKTCHECK, dass nicht alle Probleme innerhalb von 14 Tagen beseitigt werden können. Man kenne aber die Probleme und sei dabei, sie abzuarbeiten.
Viele Kunden haben der IBGHaus vertraut, weil sie mit einem Dekra-Siegel ausgezeichnet ist und offensiv damit wirbt. Als wir bei der Dekra nachfragen, heißt es, mit dem Siegel mache man keine Aussage zur Qualität von Produkten und Dienstleistungen. Man sei nicht in der Position, auf konkrete Maßnahmen, was Qualität oder Baufortschritt angeht, einzuwirken.
Für Bauherren ist das Siegel damit ohne Wert. Martin N. hat einen Rechtsanwalt genommen und will erreichen, dass IBGHaus zumindest seine Zusatzkosten trägt. Martina und Mark K. haben ebenfalls gehandelt und behalten 10.000,- Euro vom Kaufpreis ein bis alle Baumängel beseitigt sind.
Letzte Änderung am: 21.11.2011, 16.10 Uhr