aus der Sendung vom Donnerstag, 17.11.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Vier Paar Schuhe kauft jeder Deutsche durchschnittlich pro Jahr. Wenig erstaunlich dabei, Frauen greifen sechs Mal zu und Männer nur zwei Mal. Dennoch sollte immer die Qualität stimmen und ein Winterstiefel müsste die Füße warm und trocken halten. MARKTCHECK hat Damenstiefel unter die Lupe genommen.

Nicht jeder Winterstiefel hält, was er verspricht. Das musste auch eine MARKTCHECK-Zuschauerin feststellen, die sich Damenstiefel mit extra warmem Innenfutter kaufte. Der Markenschuh der Firma Rieker war bereits bei etwas Nieselregen und Feuchtigkeit so durchnässt, dass die Trägerin nach kurzer Zeit nasse Füße bekam.
Die Besitzerin beschwert sich beim Hersteller, denn der Schuh ist für sie nutzlos. Doch das Unternehmen weigert sich, den Stiefel umzutauschen. Eine Feuchtigkeitsbeständigkeit sei aus technischer Sicht nicht zu erzielen, erklärt man. Bei dem Paar könne der Nässeschutz nur durch Behandlung der Sohlennaht mit Lederfett oder -wachs verbessert werden.
MARKTCHECK macht deshalb eine Stichprobe, ob es da nicht bessere Schuhe gibt und kauft Schuhe von vier großen Herstellern: Rieker, Deichmann, Gabor und Ara.
In Mainzer Schuhfachgeschäften kaufen zwei Testerinnen je zwei Paar gefütterte Stiefeletten zum Preis von maximal 100,- Euro.
Nach zwei Stunden Einkaufstour haben sie je ein Paar von Deichmann und Rieker für jeweils 50,- Euro und von Gabor und Ara für jeweils 100,- Euro.

Im Prüf- und Forschungsinstitut in Pirmasens müssen die Stiefel zusätzlich beweisen, was sie aushalten können, beispielsweise ob sie wasserdicht sind. In einem Simulator wird das Gehen nachgestellt. Wasser wird bis einen Zentimeter über den Sohlenrand eingelassen, ähnlich einem Gang durch Schneematsch.
Für die Bezeichnung "wasserdicht" gibt es keine klare Regelung, erklärt die Projektleiterin des Instituts Liselotte Vijselaar. Ein akkreditiertes Prüfverfahren wird schon seit Jahrzehnten eingesetzt und wurde zusammen mit der Bundeswehr entwickelt. 180 Minuten, also drei Stunden, werden Schuhe im Gehsimulator überprüft, mit dem gleichen Verfahren wie die Kampfstiefel der Bundeswehr.
Für die Testerinnen kommt es auch auf den Komfort der Schuhe an. So gefallen die Schuhe von Gabor besonders, da sie sehr bequem, flauschiger und wärmer sind. Auch die Schuhe von Ara sind sehr bequem und haben eine gute Passform. Die Stiefel von Deichmann sind dagegen sehr locker und weit.

Wie die Schuhe bei Feuchtigkeit bestehen, probieren die beiden Testerinnen bei einem Spaziergang am Rheinstrand. Die teuren Modelle sind zuerst dran.
Die Füße in den Gabor-Stiefel bleiben dabei ganz trocken, obwohl die Trägerin damit sogar direkt durchs Wasser läuft.
In die Ara-Stiefel läuft dagegen Wasser durch die Nähte und die Trägerin bekommt nasse Füße.
Bei den günstigen Modellen bleiben die Füße nur in den Stiefeln von Rieker trocken. In den Stiefeln von Deichmann saugt sich sogar das Fell voll Wasser.
Bei minus 24 Grad Celsius in einem Kühlhaus und extra warmer Kleidung für oben müssen die Stiefel zeigen, wie warm sie die Füße ihrer Trägerinnen wirklich halten können. Nach neun Minuten flieht die Testerin mit den Ara-Stiefeln aus der Kälte, da ihre Fersen und Ballen eiskalt sind. Nur drei Minuten später folgen die Gabor-Stiefel.
Nach dem Aufwärmen geht es mit den günstigeren Stiefeln wieder in die Kälte. Diesmal halten beide etwa zehn Minuten durch. Sieger in dieser Kategorie damit der Gabor-Stiefel für 100,- Euro.
Bei der Dichtigkeitsprüfung im Labor kann der Stiefel von Gabor am meisten überzeugen, denn er bleibt immerhin 17 Minuten trocken, wie auch am Rhein.
Am schlechtesten schneidet in diesem Test der Stiefel von Deichmann ab, der schon nach elf Minuten feucht wird.
Gute Schuhe erkennt man beispielsweise an:
Gerade verlaufenden Nähten |
Keine Klebstoffrückstände auf Obermaterial und Laufsohle |
Bei Winterschuhen keine Nähte an den Sohlen, da dort sonst Wasser eindringen kann. |
Reißverschlüsse müssen leichtgängig sein. |
Innen dürfen keine Stellen sein, die Druck auf den Fuß ausüben könnten. |
Die Fersenhöhe sollte durch Aneinanderhalten verglichen werden, damit beide Absätze gleich hoch sind. |
Schuhe kauft man am besten nachmittags, da die Füße dann größer sind durch Anschwellen über den Tag. |
Immer beide Schuhe anprobieren, da jeder Mensch unterschiedlich große Füße hat. |
Ob ein Schuh wasserdicht ist, kann man nicht durch einen Blick erkennen. Die Hersteller geben das verwendete Gewebe extra an, meist mit dem Zusatz "tex". |
Gummisohlen isolieren besser gegen Kälte als Ledersohlen. |
Letzte Änderung am: 17.11.2011, 21.00 Uhr