aus der Sendung vom Donnerstag, 1.12.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Die bekannten kleinen Teelichter haben eine große Konkurrenz bekommen: Maxi-Teelichter. Die großen Teelichter gibt es zum Beispiel in Drogeriemärkten und Einrichtungshäusern. Brennen sie wirklich, wie versprochen, länger? Und was geben die Maxi-Lichter beim Verbrennen an die Luft ab? In einer Stichprobe haben wir fünf verschiedene Maxi-Lichter unter die Lupe genommen, die als Eigenmarken verkauft werden.
• Ikea - 0,17 Euro pro Stück
• Schlecker - 0,25 Euro pro Stück
• DM - 0,25 Euro pro Stück
• Butlers - 0,33 Euro pro Stück
• Depot - 0,50 Euro pro Stück
Zum Vergleich: Die kleinen Teelichter kosten pro Stück zwei bis sechs Cent. Die Maxi-Lichte sind also viel teurer, brennen aber im Schnitt nur zweieinhalb Mal länger. Wir wollten wissen, ob sie dennoch ihr Geld wert sind.

Deshalb haben wir sie in ein Dekra-Labor gebracht. Die Experten untersuchen, ob die Maxi-Lichter unserer Stichprobe den Anforderungen des RAL-Kerzengütesiegels entsprechen. Dieses wird vom "Deutschen Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung" vergeben. Es legt Mindeststandards fest, die das Aussehen, das Brennverhalten und die Inhaltsstoffe betreffen. Auf diese Gütekriterien haben sich die großen Kerzenhersteller Europas geeinigt. Eine gesetzliche Regelung für Maxi-Lichter gibt es nicht.
Mit bloßem Auge lassen sich bei keinem der Kandidaten Verunreinigungen oder andere Mängel feststellen. Aber das Maxi-Licht von Butlers fällt trotzdem schon vor den eigentlichen Tests negativ auf: Es fehlen geeignete Piktogramme als Sicherheitshinweise auf der Verpackung. Auf den Produkten sollten fünf Mindestkennzeichen abgebildet sein. Das ist neben dem allgemeinen Warnkennzeichen zum Beispiel ein Text oder ein Symbol, das anzeigt, dass Kerzen nicht unbeobachtet abgebrannt werden sollten, um den Verbraucher vor möglichen Gefahren zu warnen, erklärt Volker Albrecht, der Kerzenabbrand-Sachverständige bei der Dekra.
Butlers teilt auf Nachfrage mit, dass mittlerweile alle brennbaren Butlers-Artikel mit geeigneten Piktogrammen ausgewiesen seien - wir müssten da eine alte Verpackung erwischt haben.

Die Maxi-Lichter versprechen je nach Hersteller zwischen acht und zehn Stunden Brenndauer - alle halten ihr Versprechen oder überbieten es sogar. Trotzdem: Bei einigen Maxi-Lichten bleibt nach dem Erlöschen ziemlich viel Wachs übrig. Laut RAL-Prüfkriterien dürfen maximal zwölf Prozent der ursprünglichen Brennmasse übrig bleiben. Beim "Jumbo-Teelicht" von Depot bleiben aber 16,8 Prozent übrig. Das ist deutlich zu viel, findet Volker Albrecht. Verglichen mit dem besten Produkt, bei dem es 2,3 Prozent sind, ist das achtmal so viel. Bei den Maxi-Lichten von Schlecker blieben 4,6 Prozent, bei denen von Butlers 10 Prozent und bei denen von DM 10,9 Prozent übrig.
Unterschiede entstehen durch verschiedene Rohstoffe wie Paraffin, Stearin oder Palmfett und durch verschiedene Raffinationsarten des verwendeten Paraffins. Wenn hier nicht gut gearbeitet wird, können Schadstoffe im Wachs zurückbleiben. Das RAL-Gütesigel erlaubt maximal 20 Milligramm Schwefel pro Kilo Wachs.
Vier der getesteten Teelichter sind gut raffiniert. Sie bleiben mit weniger als fünf Milligramm Schwefel pro Kilo Wachs unter dem RAL-Richtwert. Das Maxi-Licht von Butlers hingegen übersteigt den Richtwert mit 299 Milligramm allerdings um das 15-fache. Das ist bedenklich, weil es wahrscheinlich ist, dass bei einer derart schlechten Verarbeitung des Wachses weitere Schadstoffe im Wachs sind, die das Labor nicht überprüft hat. Der Dekra-Experte Albrecht meint, dass dieser Wert absolut nicht akzeptabel ist und eigentlich eindeutig zeigt, dass hier in der Rohmaterialherstellung bereits mit gepanschtem Material gearbeitet wurde.
Butlers reagiert sofort auf unseren Test: Sie hätten die Maxi-Lichter unverzüglich aus dem Verkauf genommen.
Grundsätzlich gilt bei Teelichten und Kerzen: Wer gute Qualität haben will, kann beim Kauf auf das RAL-Gütesiegel achten. Kerzen, die das haben, erfüllen alle geforderten Kriterien.
Letzte Änderung am: 01.12.2011, 21.00 Uhr