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Paketdienste im Test Wie heile kommen die Päckchen an?

aus der Sendung vom Donnerstag, 8.12.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen

In der Vorweihnachtszeit werden wieder zahlreiche Pakete mit Geschenken an Verwandte und Bekannte verschickt. Oft ist der Inhalt empfindlich. Deshalb muss man ihn gut verpacken. Aber die Paketdienste sollen damit auch nicht rücksichtslos umgehen. MARKTCHECK hat vier Anbieter auf die Probe gestellt: Welches Paket kommt am schnellsten, am günstigsten und am sichersten an?

Inhalt der Testpakete auf einem Tisch

Das kommt alles in die Pakete

20 Testpakete werden mit rheinhessischem Wein, Schoppengläsern, Bretzeln, Plätzchen und Weihnachtskugeln gepackt. Dabei wird auf möglichst bruchsichere Verpackung geachtet, das heißt Luftpolsterfolie und viel Zeitungspapier auch für die Zwischenräume. Außerdem sind die Pakete mit so genannten Shock-Watches präpariert. Das sind "unbestechliche" Messstäbe, die sich rot verfärben, wenn die Pakete aus mehr als 80 Zentimetern Höhe runterfallen. Wie gut transportieren die Anbieter DPD, das Post-Tochterunternehmen DHL, GLS und Hermes die fünf ihnen anvertrauten Pakete?

MARKTCHECK verschickt sie vom rheinhessichen Weinort Saulheim aus an fünf Adressen in Deutschland. An Freunde und Verwandte und an die Transport Control International in Hamburg. Die Firma spezialisiert auf Transportkontrollen. Sie hat uns die Messstäbe sowie vier so genannte Shock-Logs zur Verfügung gestellt. Das sind Geräte, die Erschütterungen während des Transportes genau aufzeichnen.

Preisvergleich

Übers Internet suchen wir die Adressen der Paketshops und die Preise raus. Die Kosten richten sich nach Paketgröße. Am günstigsten ist Hermes mit 6,30 Euro, DPD verlangt 6,50 Euro und beim Postanbieter DHL kostet es ebenso wie bei GLS 6,90 Euro. Beide sind also 60 Cent teurer als der günstigste Anbieter, das gibt schon mal einen Minuspunkt.

Geschwindigkeit

Im Umkreis von zwei Kilometern werden wir bei allen Anbietern unsere Pakete los. Für jedes Paket bekommen wir eine Nummer. Damit können wir über das Internet verfolgen, wo sich die Pakete gerade befinden. Am nächsten Tag sind bereits vier Stück angeliefert - alle von DHL.

Nach drei Werktagen ist Annahmeschluss, wir rufen unsere Paketempfänger an: Die Pakete, die wir über Hermes, GLS und DPD verschickt haben, waren nach zwei Werktagen da. Das ist ein Tag später als der Schnellste - für jeden also ein einen Minuspunkt. Bei DHL sind vier Pakete nach einem Tag angekommen, aber eins fehlt immer noch. Wir stellen online einen kostenfreien Nachforschungsantrag, doch das fehlende Paket kommt erst zwei Wochen später zurück. Die Hälfte des Inhalts fehlt, stattdessen bekommen wir die Ansage, dass einiges unterwegs zu Bruch gegangen sei, da wir nicht gut gepackt hätten.

Zustand der Sendungen

Wir fahren zu Familie und Freunden, an die wir die Pakete geschickt haben und kontrollieren den Inhalt: Das Ergebnis ist an allen vier Orten zum Teil echt ernüchternd. Fast immer gibt es mindestens einen Bruch. Die "grausame" Zwischenbilanz bei den ersten 15 Paketen: In acht Paketen gab es Plätzchenbruch und Totalschaden bei den Bretzeln, außerdem fanden wir sechs zermatschte Weihnachtsmänner und drei Packungen kaputte Kugeln vor.

Und zwei Mal - bei DPD und GLS - hat sich der "Shock-Watch" verfärbt. Das heißt, die Pakete wurden geworfen oder waren einer Belastung ausgesetzt, die einem Fall aus gut 80 Zentimetern Höhe entspricht.

Wie das passieren konnte, fragen wir Niels Wildner, einen Experten für die Kontrolle von bruchsicheren Transporten in Hamburg. Wir zeigen ihm die Ergebnisse der Pakete, die wir an Privathaushalte versandt haben. Auffällig ist: Pakete die wir in Orte wie Trier verschickt haben, wesentlich geringere Schäden zeigen, als solche, die in die Ballungsräume wie Frankfurt oder Stuttgart gegangen sind. Für Nils Wildner lässt sich daraus schließen, dass Zeitdruck und Sendungsvolumen dazu führen, dass die Pakete in die unterschiedlichen Regionen, auch unterschiedlich behandelt werden. Das sollte zwar nicht so sein, doch seiner Meinung nach kann man von vorneherein damit rechnen, dass in Ballungsgebieten die Pakete doch anders behandelt werden, als in etwas strukturschwächeren Gegenden.

Der Computer bringt alles ans Licht

Alle vier Pakete, die MARKTCHECK zum Test nach Hamburg zur Firma Transport Control International geschickt hat, wurden mit den Spezialgeräten präpariert, den so genannten Shock-Logs. Diese Geräte zeichnen mit Datum und Uhrzeit jede Belastung genau auf, der die Pakete ausgesetzt waren. Die Analyse am PC zeigt, dass das Paket von Hermes, aber vor allem das von GLS, extrem grob behandelt wurde. Für Nils Wildner belegt die Detailanalyse der hohen Ausschläge bei GLS, dass es eine eine Vielzahl von heftigen Stößen gegeben haben muss - und zwar vom Anfang des Transportes bis zum Ende. Beim heftigsten Stoß geht er sogar davon aus, dass eine Fallhöhe von 1,50 bis zwei Meter vorhanden gewesen sein muss. Das lässt den Schluss zu, so der Experte, dass das Paket wirklich geworfen wurde.

Bei DPD und DHL hingegen ist der Transport viel ruhiger verlaufen. Der angesetzte Belastungsgrenzwert wurde nur bei DPD einmal knapp überschritten.

Fazit

MARKTCHECK gewichtet die unterschiedlichen Preise, die Transportdauer und die Bruchschäden. Für einen leichten Bruch gibt es ein Minus. Für einen Totalschaden das Dreifache.

Kein Dienst hat weniger als zehn Minuspunkte. Platz eins bleibt somit leer. Mit dreizehn Minuspunkten kommt Hermes auf Platz zwei. Platz drei geht an DPD. Auf Platz vier kommt DHL, der Grund dafür ist der Totalschaden bei einem Paket. Und mit über zwanzig Minuspunkten landet GLS auf dem letzten Platz.

Wir bitten GLS um eine Stellungnahme zu dem Testergebnis. Ein Interview will man uns nicht geben, schickt aber eine schriftliche Erklärung zu den Test-Schäden. Hier ein Zitat daraus: "Deshalb sind Pakete oder Güter, die in irgendeiner Weise einer besonders sorgsamen Behandlung bedürfen (...) laut AGB sogar vom Transport ausgeschlossen – so zum Beispiel Weinflaschen und Gläser."

Das heißt also: Wir sollten in Zukunft unsere Pakete lieber über andere verschicken - ein guter Tipp. Wenn möglich, geben wir künftig aber unsere Pakete einfach persönlich ab - vielleicht der beste Paketservice.


Paketdienste im Test

MARKTCHECK,  8.12.2011 | 7:50 min

Letzte Änderung am: 07.12.2011, 12.59 Uhr

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MARKTCHECK-Reporter Axel Sonneborn
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