aus der Sendung vom Donnerstag, 13.10.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Wer im Supermarkt Preise vergleichen will, der wird gefordert. Unterschiedliche Packungsgrößen und minimale Gewichtsunterschiede machen überschlägige Preisvergleiche fast unmöglich. Ganz unübersichtlich wird es, wenn ein Produkt in verschiedenen Größen zum gleichen Preis angeboten wird. MARKTCHECK deckt auf!
Zwei Mars-Riegel sehen auf den ersten Blick gleich aus. Doch etwas stimmt nicht. Tatsächlich: Der eine Riegel ist einzeln im Supermarkt zu kaufen. Er wiegt 51 Gramm. Der andere Mars-Riegel stammt aus einer Sechser-Packung. Darin wiegen die Riegel nur 45 Gramm. Sechs Riegel, die jeweils sechs Gramm weniger wiegen als das Einzelexemplar. Doch was steckt hinter diesen Unterschieden?
Ein Produkt, das in zwei Größen angeboten wird, das gibt es öfter. Wir haben zahlreiche Beispiele gefunden. Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg kennt diese Masche. Bei ihm gibt es viele Beschwerden. Die Kunden sind irritiert.
Beispiel Merci petits, die Sorte "Chocolate Collection": Bei Real gibt es die Tüte mit 175 Gramm, bei Aldi mit 200g und schließlich bei Rewe mit 125g. Warum so viele Größen?
Hersteller Storck schreibt uns: "Mit den unterschiedlichen Packungsgrößen sprechen wir unterschiedliche Verbraucherkreise an." So argumentieren die meisten Hersteller.
Beispiel M&Ms, die Sorte "Choco": Es gibt sie in drei verschiedenen Größen (190 Gramm, 285 Gramm und 335 Gramm). Doch das war nur eine Sorte - die anderen haben noch weitere Größen - und natürlich auch viele verschiedene Preise.
Ein Preisvergleich ist nicht mehr möglich, denn Käufer können sich allenfalls den Preis merken, aber nicht auch noch die Füllmenge dazu.
Bei Mars bleibt zwar ein Schoko-Riegel in der Sechser-Packung günstiger als ein Einzelriegel, doch warum wiegt er weniger, wollen wir wissen.
Mars antwortet: "Die Grammatur der ... Riegel wurde 2008 im Multipack reduziert. Im Gegenzug dazu wurde die Stückzahl jeweils um einen Riegel erhöht. Das bedeutet, dass aus dem ... Fünfer-Pack jeweils ein Sechser-Pack wurde, die Gesamtgrammatur aber bestehen blieb."
Im Klartext: Das Gesamtgewicht bleibt also gleich, aus fünf werden sechs Riegel und die schrumpfen dann eben - ganz einfach.
Verbraucherschützer vermuten eine Verschleierungstaktik, um Rohstoffkosten zu sparen und den Verbraucher über ein Sechserpack einen Preisvorteil vorzuspiegeln, der größer wirkt, als er tatsächlich ist.
Beispiel Haribo: Bei Rewe hat eine Goldbärentüte 200 Gramm. Beim Discounter finden wir die Tüten mit 300 Gramm - beide kosten 0,89 Euro. Damit ist die Tüte aus dem Supermarkt 50 Prozent teurer.
Dahinter steckt, dass vor allem die Supermärkte gegenüber den Discountern nicht als teurer wahrgenommen werden wollen. Und so bieten viele Hersteller unterschiedliche Packungsgrößen an, erklärt Armin Valet von der Verbraucherzentrale.
Wir haben noch weitere Beispiele gesammelt.
Beispiel Milky Way: Bei Rewe enthält die Tüte 13 Stück, bei Netto 15. Beide kosten 1,99 Euro. Damit ist die Milky Way-Tüte bei Rewe 15 Prozent teurer.
Beispiel Coca Cola: Die Rewe-Flasche enthält 1 Liter, bei Lidl gibt es 1,25 Liter. Beide kosten 0,99 Euro. Die Rewe Cola ist also 25 Prozent teurer. Bei Getränken wird es zunehmend unübersichtlich.
Beispiel Volvic: Die Flaschen sind obendrein noch schwer zu unterscheiden. Sie enthalten 1,5 Liter bei Rewe und 1,75 Liter bei Netto. Der Preis ist fast gleich. Das Wasser bei Rewe ist aber 20 Prozent teurer.
Hersteller Danone Waters meint, die anderen wollen das so: "Hierbei kommen wir den Wünschen von Handel und Konsumenten entgegen und bieten für jeden Trinkanlass die richtige Größe."
Ob Kunden das wirklich wollen, bezweifeln Verbraucherschützer. Sie vermuten eher, dass Händler und Hersteller zusammenwirken, um Verbraucher zu verwirren.
Letzte Änderung am: 02.09.2011, 23.31 Uhr