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0:17 min

Fernsehen im SWR

Kindersandalen Giftige Chemikalien

aus der Sendung vom Donnerstag, 7.7.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen

Leder gilt als edles Material für Schuhe, doch Lederschuhe können tickende Zeitbomben sein. Oft enthalten sie Stoffe, auf die Menschen allergisch reagieren. In manchen Fällen können sie sogar Krebs auslösen. MARKTCHECK hat diese Stoffe in Kinderschuhen entdeckt.

Sandale am Fuß

Zahlreiche Eltern vertrauen beim Schuhkauf für ihre Kinder auf Leder statt auf Plastik, schließlich ist Leder ein Naturprodukt. Aber es kann auch giftige Stoffe enthalten, so genannte Chrom VI-Verbindungen. Mehr als eine halbe Million Menschen in Deutschland reagieren darauf allergisch, immer häufiger auch Kinder. Das Gift kann sogar Krebs auslösen. Seit 2010 ist es verboten. Unser Test zeigt jedoch, dass das in der Praxis anders aussieht.

Kindersandalen im Labortest

Für unseren Test kaufen wir zehn Paar Ledersandalen in der Preisklasse bis 35 Euro. Die lassen wir in der Schuhstadt Pirmasens vom renommierten Prüf- und Forschungsinstitut PFI untersuchen. Das Ergebnis unserer Untersuchung ist erschreckend: Von 10 Schuhen sind drei mit Chrom VI belastet. Sie haben den gesetzlichen Grenzwert von 3 mg / kg überschritten. Diese Schuhe dürfen nicht verkauft werden.

Zweimal waren die Giftwerte doppelt so hoch wie erlaubt - bei den Sandalen von Siemes und C&A. Beim Bama-Schuh, einem Markenprodukt von Reno, hat das Labor noch mehr gemessen: Fast zehn mal mehr Chrom VI als es der Grenzwert zulässt.

Das Gift entsteht oft in Asien. Bei der Gerbung von Leder werden Chromsalze verwendet. Wenn nicht sorgfältig gearbeitet wird, kann das schädliche Chrom VI entstehen. Vor allem wenn nicht die neueste Technik zum Einsatz kommt und Schuhe billig produziert werden sollen, droht die Gefahr.

Insbesondere beim Futterleder ist die Gesundheit gefährdet, weil die Haut direkt in Kontakt mit dem giftigen Material kommen kann.

Gefahr bei Plastikschuhen

Aber wie steht es mit Schuhen, die nicht aus Leder sind? Wir beauftragen erneut das Labor. Diesmal lassen wir Kinderschuhe aus Kunststoff untersuchen. Die enthalten allerdings oft so genannte PAK (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe). Sie sind in Weichmacherölen enthalten und sollen Gummi oder Kunststoff griffig machen oder werden beim Färben verwendet. Bei einigen dieser Stoffe ist bewiesen, dass sie krebserregend sind.

Momentan gibt es noch keine gesetzlichen Grenzwerte. Die EU plant jedoch die Umsetzung. In Deutschland haben sich die Behörden daher bislang für einen Grenzwert von 0,2 Milligramm pro Kilogramm ausgesprochen.

Das Labor ist bei allen fünf Paar Schuhen fündig geworden. Der Schuh von Siemes enthielt sogar zwei besonders gefährliche Verbindungen, höher konzentriert als die empfohlenen 0,2 Milligramm pro Kilogramm.

Alternativen für Kinder

Eine Möglichkeit sind pflanzlich gegerbte Lederschuhe. Darauf sollte man beim Kauf achten. Außerdem sollte man die Geruchsprobe machen. Riechen Schuhe intensiv nach Teer und Mottenkugeln, sind höchstwahrscheinlich PAKs im Kunststoff. Ein Siegel, an dem man das erkennen kann, gibt es derzeit leider nicht.

Socken können jedoch schützen, wenn sie trocken sind. Nasse Socken sollten sofort gewechselt werden, weil Chrom VI wasserlöslich ist.

Testergebnisse im Detail

Wenn Sie nachschauen möchten, ob ihr Kind vielleicht einen der negativ getesteten Schuhe trägt, können Sie das komplette Testergebnis in unserer Übersicht nachverfolgen.

Nr.GeschäftSchuhErgebnis
1AldiImpidimpiChrom VI: nicht nachweisbar
2Shoe Town WerdichDock 18Chrom VI: nicht nachweisbar
3KarstadtSuperfitChrom VI: nicht nachweisbar
4DeichmannBärenschuheChrom VI: nicht nachweisbar
5C&APalominoChrom VI: Futterleder: 6,2
6KiKPlastiksandalen blauPAK: 2 Stellen (Obermaterial, Knopf), 0,9 Pyren
7DeichmannSandalen rosaPAK: 3 Stellen (Futtermaterial, Obermaterial und Decksohlenmaterial):
0,5 Naphthalin;
0,4 Phenanthren, 0,2 Pyren
8KaufhofManguunPAK: 2 Stellen (Futtermaterial und Decksohlenmaterial):
0,3 Naphthalin;
0,4 Phenanthren, 0,8 Pyren
9RenoSpicyPAK: 3 Stellen (Futtermaterial, Obermaterial und Decksohlenmaterial):
0,5 Naphthalin;
0,5 Phenanthren,
0,4 Anthracen
4,3 Pyren
10RenoBamaChrom VI:
Oberleder weiß: 5,8
Futterleder: 29
Decksolenleder: 26
Oberleder pink Ferse: 13
11GörtzPrimigiChrom VI: nicht nachweisbar
12RolandPepino by RicostaChrom VI: nicht nachweisbar
13ZaraBraune SandalenChrom VI: nicht nachweisbar
14SiemesSkipper Chrom VI:
Oberleder: 5,3
Futterleder: n.n.
Decksolenmaterial: 3,7
15SiemesLeone KidsPAK: 2 Stellen (Futtermaterial und Decksohlenmaterial):
1,2 Naphthalin;
1,2 Phenanthren,
0,6 Anthracen
1,6 Pyren
0,5 Chrysen
1,2 Benzo(a)anthracen

Fazit:

Chrom VI: In 3 von 10 Schuhen

PAK: In 5 von 5 Schuhen PAK


Kindersandalen

MARKTCHECK,  7.7.2011 | 4:26 min

Letzte Änderung am: 07.07.2011, 21.00 Uhr

Unsere geplanten Themen:
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MARKTCHECK-Reporter Axel Sonneborn
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