Der MARKTCHECK-Reporter
aus der Sendung vom Donnerstag, 9.6.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Mahnungen und Schreiben von Inkassofirmen erreichen nicht nur säumige Schuldner, sondern auch immer häufiger völlig überraschte Verbraucher, die auf irgendeine Abzock-Masche hereingefallen sind. MARKTCHECK mischt sich ein.

Irma M. aus Murrhardt im Schwäbischen Wald hat sich vor drei Jahren am Telefon zu einem Gewinnspiel-Abo überreden lassen. Drei Monate lang hat sie 49,- Euro gezahlt. Dann war Schluss. Doch nach fast drei Jahren bekommt sie plötzlich ein Schreiben von einer Inkasso-Firma. Jetzt soll sie über 250,- Euro zahlen, innerhalb von 14 Tagen, sonst droht die Firma in dem Schreiben mit Anwalt und gerichtlichen Konsequenzen.
Angeblich soll die Frau vor drei Jahren erneut telefonisch einen Vertrag abgeschlossen haben. Das Abo schlägt mit 150,- zu Buche. Außerdem fordert die Firma Focus – Gesellschaft für Forderungsmanagement Zinsen, Auslagen und Inkassogebühren. Angeblich könnten sie sogar beweisen, dass die Dame den Vertrag geschlossen hat. Sie hätten eine Auftragsbestätigung verschickt, die jedoch nie angekommen ist. Außerdem gäbe es einen Telefonmitschnitt und es hätte sogar einen Kontrollanruf gegeben. Alles gelogen, sagt die ältere Dame. Aber sie ist verunsichert, fürchtet eine gerichtliche Auseinandersetzung.
Info:
Inkassofirmen haben einen schlechten Ruf. Kein Wunder, denn sie sind gewerbliche Geldeintreiber - und es gibt jede Menge schwarzer Schafe unter ihnen. Die nutzen die Angst der älteren und die Unerfahrenheit der jüngeren Menschen gnadenlos aus. In amtlich wirkenden Schreiben drohen sie mit hohen Zusatzkosten und rechtlichen Konsequenzen und treiben so Menschen in die Enge.

Das Geschäft scheint sich zu lohnen. Wenn beispielsweise 100.000 solcher Schreiben pro Monat in ganz Deutschland verschickt werden, jeweils mit einer durchschnittlichen unberechtigten Forderungssumme von 100,- Euro und nur ein Viertel der Empfänger zahlt, dann entspricht das einem Jahresumsatz von 30 Millionen Euro. Ein guter Schnitt für ein Geschäft, das keine rechtliche Grundlage hat.
Im Fall der älteren Dame bleibt die Inkasso-Firma hart und erhöht gar die Forderung. Wieder droht man ihr mit Mehrkosten und einem gerichtlichen Mahnverfahren. Was kann man im Fall einer solchen unberechtigten Inkasso-Forderung tun?
Tipp:
Zunächst sollte man Ruhe bewahren und auf keinen Fall bezahlen. Denn amtliches Juristendeutsch und diese Drohungen sind nichts als heiße Luft, also kann man sie ruhig ignorieren. Um sicher zu gehen, kann man der Forderung schriftlich widersprechen, am besten per Einwurf-Einschreiben.
Unbedingt reagieren muss man, bei einem Mahnbescheid vom Gericht, egal ob die Forderung berechtigt ist oder nicht, innerhalb einer Frist von 14 Tagen.
Jetzt schaltet sich unser MARKTCHECK-Reporter Axel Sonneborn in den Fall ein. Mehrfach versucht er telefonisch, den Geschäftsführer zu erreichen - ohne Erfolg. Eine schriftliche Interviewanfrage wird ebenfalls abgelehnt. Die Firma Focus - Gesellschaft für Forderungsmanagement gibt auch keine Stellungnahme zum Fall. Vor Ort am Firmensitz in Ludwigshafen werden wir weiter abgeblockt, die Tür wird zugeschlagen, man ruft die Polizei.
Aktuell ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankenthal in Rheinland-Pfalz gegen das Unternehmen, wegen des Verdachts auf Betrug.
Dank unseres MARKTCHECK-Reporters Axel Sonneborn hat die Firma auf ihre unberechtigte Forderung verzichtet. Irma M. aus Murrhardt möchte das gesparte Geld nun für einen wohltätigen Zweck spenden.
Letzte Änderung am: 09.06.2011, 21.00 Uhr