aus der Sendung vom Donnerstag, 4.8.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Das Ende der klassischen Glühbirne ist beschlossen. Auch die Halogenlampe soll verschwinden. Ersetzt werden beide durch die Energiesparlampe. Viele empfinden ihr Licht als zu kalt. Doch ungemütliches Licht ist das geringste Problem. Die Lampen können bei Betrieb belastende Dämpfe freisetzen. MARKTCHECK macht den Test.

Energiesparlampen stehen in der Kritik, weil sie Quecksilber enthalten. Das wird jedoch nur freigesetzt, wenn die Lampe zerbricht. Was viele Verbraucher mindestens genauso viel stört: Einige Energiesparlampen stinken, wenn sie in Betrieb sind. MARKTCHECK will wissen warum und lässt fünf Energiesparlampen namhafter Hersteller in einem zertifizierten Labor untersuchen.
Das Ergebnis: Die Lampen geben während des Betriebs einen ganzen Cocktail teilweise giftiger Substanzen ab, darunter Styrol, Tetrahydrofuran und Phenole. Der Sachverständige für Innenraumschadstoffe, Peter Braun, bestätigt, dass manche dieser Stoffe im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Diese Substanzen sollte man - ganz unabhängig von der Menge - in Innenräumen überhaupt nicht haben, betont der Experte.

Dr. Hermann Kruse vom Institut für Toxikologie der Universität Kiel ist von dem Ergebnis überrascht. Bis vor kurzem hat auch er nicht gewusst, dass zum Beispiel Phenole, aromatische Lösemittel, aus solchen Energiesparlampen ausdampfen können. Für ihn war immer Quecksilber das Thema, aber nicht diese Schadstoffe, die jetzt in der gefunden wurden.
Wir haben bei den Herstellern der untersuchten Lampen nachgefragt, ob sie eine Gefahr für den Verbraucher sehen. Ikea antwortet, das Unternehmen arbeite an einem "Richtwert ... um Grenzwerte" einzuführen. Müller-Licht teilt uns für das Produkt "Ambiente" und für die über eine Drogeriekette vertriebene "Rubin" mit, bislang könne man "gesundheitsschädigende Wirkungen auf den Verbraucher ausschließen".
Philips kommt zu dem Ergebnis, dass Phenole "in niedrigen Mengen grundsätzlich unproblematisch" seien. Und Osram antwortet, die gemessenen Verbindungen gelten als "hygienisch unbedenklich".
Die Experten melden an diesen Einschätzungen Zweifel an. Hermann Kruse bemängelt, dass er keine Untersuchung kenne, die mit fundierte Messergebnissen beweist, dass in Innenräumen keine zusätzliche Belastung durch den Betrieb dieser Energiesparlampen eintrete.
Peter Braun kritisiert, dass es bei krebserregenden Substanzen keine Konzentration gebe, "die gesundheitlich völlig unbedenklich ist", das heißt also auch geringste Mengen dieser Substanzen erhöhen das Risiko, an Krebs zu erkranken. Aus diesem Grund, sollten diese Stoffe generell in Innenräumen überhaupt nicht vorhanden sein.

Wo kommt das Gift aber nun her? Vermutlich aus dem Sockel der Lampen. Auf unsere Anfrage räumt das Umweltbundesamt ein, die Quellen der Phenol-Emissionen derzeit nicht eindeutig benennen zu können. Was also kann der Verbraucher tun? Peter Braun rät, die Lampen nicht dort einzusetzen, wo man ihnen zu nahe kommt. Bei Schreibtisch- und Nachttischlampen sollten keine Energiesparbirnen eingesetzt werden, die nachweislich giftige Substanzen abgeben. Doch hat der Verbraucher wirklich eine Wahl? Bald brennt keine alte Glühbirne mehr, so will es die EU.
| Fristen des Glühlampen-Ausstiegs | |
|---|---|
| Seit 1.9.2009 | Alle matten Glühlampen sowie jegliche Glühlampen mit einer Leistung von mehr als 75 Watt durften nicht mehr verkauft werden. |
| Seit 1.9.2010 | Alle Glühlampen mit mehr als 60 Watt sollten vom Markt verschwunden sein. |
| Bis 1.9.2011 | Alle Glühlampen mit mehr als 40 Watt sollten vom Markt verschwunden sein. |
| Ab 1.9.2012 | Nur noch Glühlampen mit weniger als etwa 10 Watt sollen erhältlich sein. |
Während bereits mit den Stufen von 2009 bis 2012 auch die weniger effizienten Halogenglühlampen vom Markt weichen, werden ab dem Jahr 2016 dann nur noch die effizienteren Versionen (mindestens Energieeffizienzklasse B) in den Regalen zu finden sein. Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit | |
Letzte Änderung am: 04.08.2011, 21.00 Uhr