aus der Sendung vom Donnerstag, 4.8.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Im Schnitt geht jeder Deutsche drei Mal in der Woche in einem der knapp 35.000 Discounter, Super- oder Verbrauchermärkte einkaufen. Dabei landen mehr als 70 Prozent der Waren ungeplant im Einkaufswagen, denn das Ziel der Supermärkte ist natürlich: verkaufen. MARKTCHECK zeigt Hintergründe.
Es wird auch getrickst - im Handel und von der Lebensmittelindustrie. Viele Verführungstricks sind aber nicht gesetzeswidrig. Die Verbraucher können sich dabei kaum gegen die Verführung im Supermarkt wehren, weil sie meist nicht über ausreichend Informationen verfügen.
Wer am Ende mehr kauft, braucht sich also nicht zu ärgern, das passiert fast jedem. Dass wir einfach viele Waren "so nebenbei" abgreifen, funktioniert nur, weil der moderne Supermarkt eine einzige, bis ins Detail ausgetüftelte Einkaufsfalle ist.

Die Frischeabteilung mit Obst und Gemüse beispielsweise nennen Insider die "Bremszone". Sie ist meist gleich am Eingang. Aus diesem Sortiment braucht jeder etwas und selbst der eiligste Kunde muss stehen bleiben. Und das zahlt sich aus. Denn Wochenmarktatmosphäre und frische Früchte stimmen ein zum gemütlichen Geldausgeben. Denn zu Salat und Gemüse wird später in der Fleischabteilung das Steak eingekauft. Und genau so landet dann fast automatisch der passende Wein im Korb. Die Supermarktreise geht dann weiter durch die "Fruchtstraße" und über den "Knabberplatz".
Wer Milch will, muss mitunter einmal quer durch den Laden. Und das ganz absichtlich. Denn auf dem Weg zu den Alltagswaren greift jeder nochmal ordentlich zu. Die teuren Markenprodukte sind in bequemer Greifhöhe, nur wer sich bückt, erreicht die preisgünstigeren Waren in der "Bückzone".
Wo welche Produkte strategisch richtig stehen, finden Marktforscher heraus und beobachten die Kunden in vielen Supermärkten ganz genau. Wo läuft die blonde Dame hin, was kauft sie, was nicht. Auf dem Laptop wird alles festgehalten. Auf Basis dieser Erkenntnisse, kann der Betreiber des Supermarktes dann das Layout des Geschäftes optimieren. Er kann Regale neu anordnen, er kann Sortimente anders anordnen. Damit seine Kunden sich wohler fühlen und ihren Bedürfnissen Rechnung getragen wird.

Wer seine Kunden kennt, verkauft mehr. Mit supermodernen "virtuellen Supermarkt-Welten" können Marktforscher noch mehr herausfinden. Hier wird sogar jeder Blick wird aufgezeichnet.
Wo schauen Kunden hin, welche Produkte übersehen sie. Wie lassen sie sich noch besser zum Geldausgeben verführen? Jede Augenbewegung ein Strich. 50 Bilder pro Sekunde. Alles für den Profit.
Farbe und Licht werden ebenfalls als Verführer eingesetzt: Farbige Lampen beispielsweise lassen Fleisch schön rot und frisch aussehen. Ziel ist außerdem eine "Wohlfühlatmosphäre". Je länger der Kunde im Laden bleibt, desto mehr Ware kauft er.

Übrigens: Nicht nur das Aussehen, auch der Geruch verlockt zum Kaufen. Bei uns kommt er allerdings nur von den Produkten. Andere Supermärkte sind da noch viel cleverer. Sie legen die Nasen der Kunden mit künstlichen Düften rein. Welche Gerüche die Nase in Kaufrausch bringen, das wissen Marktforscher genau. Kaffee und Ofenduft beim Brot. Frische Kräuter in der Fischabteilung. Duft-Marketing liegt im Trend. Das Geheimnis von Duftmarketing ist ein Spiel mit der Erinnerung. Wenn man ein sehr angenehmes, positives Erlebnis hat, wenn man einen Duft wahrnimmt, kann man davon ausgehen, dass der Duft später auch als angenehm wahrgenommen wird. Weil er an die guten Gefühle erinnern kann.
Letzte Änderung am: 04.08.2011, 21.00 Uhr