aus der Sendung vom Donnerstag, 15.9.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Verpackungen aus Plastik füllen in unzähligen Bereichen die Regale der Supermärkte. Doch eine Neuentwicklung aus regenerativen, also nachwachsenden Materialien soll die Berge aus Verpackungsmüll reduzieren helfen und kompostierbar sein. MARKTCHECK hat die Bioplastik-Verpackung unter die Lupe genommen und sagt Ihnen, ob sie wirklich etwas für Ihr ökologisches Gewissen ist.

Der umweltfreundlichere Joghurt-Becher des Lebensmittelkonzerns Danone soll die Plastikwelt umkrempeln, denn er besteht aus Maisstärke. Sogar die Umweltorganisation WWF gibt dafür ihr Siegel. Bei den Kunden in den Supermärkten kommt die neue Verpackung für das ökologische Gewissen gut an.
Nach den Angaben von Danone soll der Bio-Becher die Treibhausgase um 25 Prozent reduzieren. Außerdem würde die Nutzung fossiler Rohstoffe um über 40 Prozent gesenkt.
Kein echtes Recycling
Die Deutsche Umwelthilfe sieht die neuen Bio-Becher jedoch anders. Jürgen Rech von der Deutschen Umwelthilfe erklärt, dass nach dem Gesetz alle Kunststoffe recycelt werden müssen. Dieser Bio-Kunststoff fällt jedoch durch alle Raster. Er wird weder kompostiert noch recycelt, denn es gibt in der Abfallverwertung keine passenden Prozesse. Wird er über den gelben Sack entsorgt, landet der Becher in der Müllverbrennung.
Das gilt auch für andere Bioplastik-Produkte. Bio-Kompostbeutel beispielsweise werden extra für die Kompostierung hergestellt, sind dafür jedoch nicht überall zugelassen. Die Bioplastik-Tüte verrottet sehr viel langsamer als der Biomüll. Deshalb wollen die wenigsten Kompostanlagen Bioplastik in ihrem Abfall haben. Die Bio-Mülltüten landen so ebenfalls meist in der Müllverbrennung.
Für die Deutsche Umwelthilfe ist dieser Kunststoff praktische in Schritt in die Steinzeit der Abfallwirtschaft. Man hält die Aussage des besonders umweltfreundlichen Bechers für eine Werbelüge.
Umweltfreundlicher oder nicht?

Das Fraunhofer Institut für chemische Technologie in Pfinztal erforscht neue Kunststoffe. Die Wissenschaftler erkennen einen großen Vorteil gegenüber herkömmlichem Kunststoff: Bioplastik baut sich ganz von alleine ab. Innerhalb von etwa drei Monaten wird dieser Kunststoff durch Mikrolebewesen in der Umwelt abgebaut.
Dieser Vorteil spielt beim Danonebecher jedoch noch keine Rolle, da er weder kompostiert noch recycelt wird. Dass Danone den Becher trotzdem auf den Markt gebracht hat, erklärt man damit, dass der Becher der Einstieg in eine Technik ist, die weiter entwickelt wird. Es sei ein Anfang mit Bechern aus nicht fossilen Rohstoffen. In seiner Öko-Bilanz sei der Becher mit herkömmlichen, ölbasierten Bechern vergleichbar.
Für Danone ist vor allem wichtig, dass für Bioplastik kein Öl mehr gebraucht wird. Schaut man auf alle Faktoren, ist der Becher aber insgesamt nicht besser als ein herkömmlicher Becher. Das belegt auch das Gutachten des unabhängigen IFEU-Instituts, nach dem sich kein ökobilanzieller Vor- oder Nachteil ableiten lasse.
Solange der Becher nur verbrannt wird, ist der Bio-Becher also nicht umweltfreundlicher als jeder schnöde Plastik-Becher.
Letzte Änderung am: 15.09.2011, 21.00 Uhr