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SENDETERMIN Di, 15.3.2016 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Gebrauchtwagen Was zahlen die Visiten-Kärtchen-Verteiler?

Marktcheck macht mobil

Sie sind bunt und versprechen das schnelle Geschäft - Visiten-Kärtchen, die oft an den Scheiben etwas betagterer Autos klemmen. Zumeist werden die Kärtchen achtlos weggeworfen. Doch sind sie nicht vielleicht doch der Beginn eines wunderbaren Bar-Geschäfts, das sich lohnen könnte? Marktcheck hat es mit einem älteren Gebrauchtwagen ausprobiert. Wie viel bieten die Kärtchen-Verteiler? Und was bringt im Vergleich eine Anzeige bei den wichtigen Autobörsen im Internet?

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Bares sofort, mit Unfallschäden oder ohne Plakette, immer faire Preise: Die Visitenkärtchen versprechen immer ein schnelles Bargeschäft. Doch die meisten Autobesitzer finden die Kärtchen an der Scheibe nur nervig. Das Image der Gebrauchtwagenhändler ist mies. Ob das zu Recht so ist, wollen wir genau wissen, mit einem sieben Jahre alten Peugeot 308 Kombi und rund 152.000 Kilometern auf dem Tacho. Zuerst geht es zur GTÜ zum Gebrauchtwagencheck. Bis auf einen üblen Kratzer ist das Auto in Ordnung. Für den GTÜ-Experten hat das Fahrzeug nur übliche Gebrauchsspuren, die den Wert höchstens um etwa 100 Euro mindern sollten. Das Ergebnis: Das Auto sollte beim Ankauf eines Händlers mindestens 4.400 Euro bringen.

Bunte Autohändler-Visitenkärtchen

Autohändler-Visitenkärtchen

Treffpunkt Parkplatz

Den ersten Händler treffen wir, nach einem kurzen Telefonat, auf einem Parkplatz bei Stuttgart. Immerhin, er ist pünktlich und macht zuerst Fotos vom Pkw. Dann entdeckt er einen angeblichen Mangel: Ölverlust, und dass, obwohl der Motor absolut trocken ist. Nach den Preisvorstellungen gefragt, geben wir 4.800 Euro an. Nach einem Telefonat bietet er 4.000 Euro an und er nehme ihn sofort mit. Sein Angebot ist gar nicht so schlecht, meint auch unser Gutachter. Vor der Kamera mit uns reden will der Händler aber nicht.

Erfundene Mängel

Auch der nächste Kandidat will mit angeblichen Mängeln den Preis drücken: Bestimmt sei der Partikelfilter verstopft. Das sei bei denen allen so. Das dies laut Gutachten nicht stimmt, interessiert ihn nicht. Dann schlägt er 3.500 Euro vor. Wir fordern mindestens 4.400 Euro. Darauf bietet er nur noch 3.400 Euro. Für unseren Gutachter ist der Händler unseriös, denn mit diesem 1.000 Euro zu niedrigen Angebot verdoppele er seinen Gewinn fast.

Peugeot 308 SW mit offener Haube wird überprüft

Der Peugeot 308 SW wird gecheckt

Jammern statt Feilschen

Dem nächsten Ankäufer ist der Zustand des Wagens relativ egal und er schwatzt uns keinen Mangel auf. Stattdessen klagt er über das schwierige Geschäft und seine Gewährleistungspflicht. Dann bietet er 3.900 Euro an und wäre zu 4.000 Euro bereit.

Am Ende ist auch unser Gutachter überrascht. Er hätte deutlich schlechtere Angebote erwartet. 4.000 Euro seien ein faires Angebot.

Verkauf richtig vorbereiten

Offenbar sind die Kärtchen-Händler besser als ihr Ruf. Aber es gilt: Angebote vergleichen, sonst droht möglicherweise ein schlechtes Geschäft. Hätten wir den Wagen bei einem Händler in Zahlung gegeben, wären die Preise auch kaum besser gewesen.

Sehr hilfreich ist es, vor dem geplanten Verkauf ein Gutachten anfertigen zu lassen. Dann können professionelle Händler oder auch gewiefte Privatkäufer keine angeblichen Mängel geltend machen. Ein solches Gutachten kostet rund 100 Euro. Das kann sich bei einem Fahrzeugwert von oft einigen tausend Euro lohnen. Kfz-Wertgutachten kann man bei den Prüforganisationen wie beispielsweise GTÜ, TÜV oder Dekra, freien Kfz-Sachverständigen oder auch beim ADAC anfertigen lassen.

Bei einer Probefahrt sollte man als Verkäufer immer dabei sein und sich vor der
Fahrt unbedingt den Führerschein zeigen lassen.

Wird man sich handelseinig, sind einige Punkte zu beachten. So sollte immer ein schriftlicher Kaufvertrag erstellt werden. Vordrucke gibt es im Internet oder bei den Automobilclubs. Im Kaufvertrag sollten neben den Daten von Käufer und Verkäufer auch die genauen Fahrzeugdaten stehen und der Zeitpunkt der Übergabe. Damit lassen sich böse und teure Überraschungen durch Unfälle oder Verkehrsverstöße vermeiden.
Am besten meldet man das Fahrzeug selbst ab und übergibt es ohne Zulassung.

Erfolgt die Fahrzeugübergabe nicht am gleichen Tag, sollten Datum und Uhrzeit ebenfalls schriftlich bestätigt werden.

Käufer von Gebrauchtwagen sollten sich im Kaufvertrag alle Mängel aufführen lassen. Werden nur allgemein Mängel genannt, ist bei gewerblichen und privaten Verkäufern immer Vorsicht geboten. Prüfen Sie gegebenenfalls auch, ob der Verkäufer wirklich berechtigt ist, zu verkaufen, beispielsweise, wenn er nicht als Halter in den Papieren steht.

Wird bar bezahlt, kann man die Scheine auch bei einer Bank überprüfen lassen, wenn man sich selbst nicht sicher ist. Seriöse Händler werden der Überprüfung zustimmen. Sonst besteht die Gefahr von Falschgeld und ein späterer Nachweis kann schwierig werden. Das Geld wäre verloren.

Übrigens: Viele der Kärtchen-Händler interessieren sich besonders für billige und damit oft ältere Autos. Meist ist der Zustand und die Hauptuntersuchung egal. Die Fahrzeuge gehen in den Export nach Afrika oder in den Nahen Osten.

Privater Verkauf

Autoanzeige im Internetportal

Autoanzeige im Internetportal

Wer etwas Geduld beim Verkauf hat, kann seinen Pkw auch über eines der einschlägigen Internetportale anbieten. Unser Peugeot hätte nach dem GTÜ-Gutachten beim Händler rund 4.500 Euro bringen sollen. Der Privatverkauf sollte mehr bringen. Unser Gutachter schätzt rund 5.500 Euro. Damit inserieren wir den Peugeot.
Einige Anrufer interessieren sich, sagen aber auch direkt wieder ab. Nach einer Woche zeichnet sich noch kein Erfolg ab. Also senken wir den Preis auf 5.000 Euro. Das wäre noch in Ordnung und lässt etwas Spielraum für Verhandlungen.

Endlich meldet sich ein Interessent und wir treffen ihn in Stuttgart. Er erzählt, dass er schon viele Angebote gesehen habe, ihm dieser Wagen am besten gefalle. Nach einer Probefahrt beginnt das Feilschen. Das der Interessent das Auto mag, verbessert die Verhandlungsposition. Er möchte nur 4.500 Euro zahlen, habe 200 Euro als Anzahlung dabei. Das ist zwar kein perfekter Handel, aber immer noch besser als alle Angebote von Ankäufern oder als Inzahlungnahme beim Händler.

Wer sein Auto privat verkaufen möchte, sollte den Preis nicht zu hoch ansetzen. Gutachtenpreise liegen manchmal über der Schmerzgrenze der Interessenten. Und man sollte sich etwas Spielraum für Verhandlungen lassen. Kommen zu wenig Anfragen, sollte man den Preis im Inserat senken. Das hat den Vorteil, dass man wieder als neues Angebot gesehen wird.

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