aus der Sendung vom Donnerstag, 14.7.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Die Zeiten für Sparer scheinen sich zu bessern, denn die Zinsen für Tagesgeld steigen bei vielen Banken wieder. Sogar die Commerzbank ist mit ihrem Zinsangebot vorn mit dabei, obwohl sie mit hohen Staatshilfen gerettet wurde und teilweise dem Staat gehört. Doch wie unmoralisch ist das Zinsangebot der Commerzbank wirklich?

Die Commerzbank präsentiert sich als Vorreiter und bietet als erste Großbank seit dem 4. Juli 2011 2,3 Prozent Zinsen aufs Tagesgeld. Das ist viel und wurde bisher nur von Direktbanken angeboten. Bei der Deutschen Bank bekommt man beispielsweise nur 1 Prozent und bei der Volksbank Stuttgart sogar nur 0,35 Prozent.
Die Konkurrenz der Commerzbank ist sauer, denn das Lockangebot würde aus der Staatskasse bezahlt. Das mit Staatsgeldern gestützte Geldinstitut solle sich marktkonform verhalten und nicht zu Lasten der Steuerzahler den Wettbewerb beeinflussen, kritisiert man beim Genossenschaftsverband Baden-Württemberg.
Die Commerzbank findet, dass man weder manipuliere noch den Steuerzahler belaste. Man versuche nur neue Kunden zu gewinnen. Der Vorwurf treffe nicht, da die Gelder der Europäischen Union mit Auflagen verbunden waren. Die EU-Auflagen würden in vollem Umfang eingehalten, erklärt die Commerzbank.
Ein Blick zurück: Zu Beginn des Jahres 2009 war die Commerzbank kurz vor der Pleite. Nur Geld vom Bund, über den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin), konnte sie noch retten. 18 Milliarden Euro Staatshilfen waren notwendig. Dafür hat der deutsche Staat einen Anteil von 25 Prozent an der Commerzbank bekommen. Die Bank ist damit teilverstaatlicht.
Für eine solche subventionierte Bank gelten besondere Regeln der EU. Die Commerzbank darf nicht zu den drei günstigsten Anbietern im Wettbewerb gehören. Sie soll also nicht in einem Preiskampf an vorderster Front mitkämpfen, gegen Banken, die keine Staatshilfen erhalten.
Mit ihren 2,3 Prozent Tagesgeldzinsen ist die Commerzbank dabei an der Grenze. Bei einem unabhängigen Verbraucherportal landet sie auf Platz sechs.
Für den Genossenschaftsverband Baden-Württemberg setzt die Commerzbank Steuergelder als fremde Mittel ein, um mit dem Steuerzahler als Sponsor günstige Angebote machen zu können. Das sei ungerecht.
Experten meinen, das Angebot sei für die Commerzbank nicht wirklich rentabel. Sie könne sich günstiger am Kapitalmarkt mit frischem Geld versorgen. Der Commerzbank geht es offenbar um etwas anderes, sie will der Konkurrenz Kunden abwerben.
Das bestätigt Gunnar Meyer vom Commerzbank Privatkundengeschäft: Kunden sollen zur Commerzbank wechseln. Die Kritik der Wettbewerber sei sogar noch besser für die Bank.
Die Konkurrenz sieht die 2,3 Prozent Zinsen fürs Tagesgeld jedoch als unmoralisches Angebot. Eine teilweise verstaatlichte Bank solle sich da eher zurückhalten.
Letzte Änderung am: 14.07.2011, 21.00 Uhr