aus der Sendung vom Donnerstag, 20.10.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Viele Menschen haben Angst vor einem Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen. Andere wollen ihrer Gesundheit etwas Gutes tun oder einfach nur schlanker werden: Sie alle greifen zu Nahrungsergänzungsmitteln. Doch sind die Pillen und Pulver wirklich gut für den Körper? MARKTCHECK klärt auf.
Ob Vitamine, Magnesium, Eisen oder Kombi-Präparate - das Angebot in Apotheken, Supermärkten und Drogerien füllt ganze Regalwände. Für solche Mittel geben die Deutschen pro Jahr schätzungsweise eine Milliarde Euro aus. Dabei ist der Nutzen umstritten. Seit Jahren weisen Ernährungswissenschaftler darauf hin, dass Vitaminpräparate unnötig sind, weil wir die Stoffe ausreichend über die normale Ernährung zu uns nehmen.
In den meisten Fällen sind Nahrungsergänzungsmittel also überflüssig. Und: Sie können sogar schädlich sein. Neue Auswertungen einer Langzeituntersuchung zeigen: Die Einnahme von Vitaminen, Eisen und Magnesium erhöht bei älteren Frauen sogar das Sterberisiko.
Und nicht nur Vitamine können gefährlich sein. Ein noch größeres Risiko sind vermeintliche Gesundheitspillen von ausländischen Händlern im Internet. Das hat eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gezeigt. Sie hat ausländische Pillen und Pülverchen bestellt, die Jugend, Schlankheit, Muskeln oder Potenz versprechen und als "pflanzlich" oder "natürlich" beworben werden. Das erschreckende Ergebnis: Fast jedes dritte Mittel enthält nicht zugelassene Substanzen, die teilweise gesundheitsschädlich sein können.
Die Verbraucherzentrale hat bei den Schlankheitsmitteln in erster Linie Sibutramin und Phenolphtalein gefunden. Das Sibutramin ist vor zwei Jahren vom Markt genommen worden, wegen erheblicher Nebenwirkungen bis hin zu Todesfällen. Diese Nebenwirkungen gehen in erster Linie auf den Blutdruck: Bluthochdruck bis hin zu Herzinfarkt und Schlaganfall sind die Folgen. Und das Phenolphtalein gilt als potentiell krebserregend und ist schon sehr viel länger weltweit vom Markt, so die Beurteilung der Verbraucherschützer
Gesundheitsrisiken, die für den Kunden nicht erkennbar sind. Die bedenklichen Wirkstoffe sind gar nicht aufgeführt. Stattdessen versuchen die Händler, sich das Vertrauen der Kunden zu erschleichen: Sie geben sich als Apotheken aus oder benutzen gefälschte Gütesiegel. Hinzu kommt, dass die Händler ihre Mittel teilweise auch auf seriösen Plattformen wie Ebay und Amazon angeboten haben.
Verbraucher glauben tatsächlich, wenn sie auf derartigen Seiten einkaufen, dass diese Produkte sicher, möglicherweise sogar geprüft sind. Sie gehen zumindest davon aus, dass ihnen weniger passieren kann, als wenn sie es einfach frei im Internet kaufen.
Ein Trugschluss: Denn Online-Plattformen sind rechtlich nicht verpflichtet, die Angebote der Händler zu prüfen. Um den eigenen Ruf zu schützen, gehen sie aber trotzdem gegen unseriöse Angebote vor. Ebay versichert uns:
"Mit Hilfe von hochentwickelter Sicherheitssoftware suchen wir einerseits aktiv nach entsprechenden Angeboten und löschen diese. Andererseits gehen wir auch allen Hinweisen nach, die wir von verschiedenen Behörden in diesem Zusammenhang erhalten."
Inzwischen haben Ebay und Amazon die verbotenen Mittel von ihren Seiten genommen. Trotzdem: Letztlich kann man sich nicht auf die Informationen ausländischer Händler im Netz verlassen. Wenn überhaupt, sollte man bei deutschen Anbietern kaufen. Besser ist es zu verzichten!
Letzte Änderung am: 18.10.2011, 14.57 Uhr