aus der Sendung vom Donnerstag, 26.1. | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Die Pleite der Drogeriemarktkette Schlecker hat nicht nur die Mitarbeiter des Unternehmens aufgeschreckt. Immer wieder war die Firma in den Schlagzeilen, auch wegen schlechter Bezahlung der Mitarbeiter. Ist das Unternehmen noch zukunftsfähig?

Die Schlecker-Geschichte beginnt in den 1970er Jahren. Die Preisbindung fällt weg und der Firmengründer Anton Schlecker erkennt die Chance für Discountmärkte. Er gründet seinen ersten Drogeriemarkt. Danach ist alles auf Wachstum ausgerichtet.
Der Erfolg hat jedoch seinen Preis. Im Dezember 1987 überfallen drei Maskierte die Familie und entführen die beiden Kinder. Sogar in dieser Situation schaut Vater Schlecker aufs Geld und handelt das Lösegeld um die Hälfte herunter. Danach lebt die Familie weiter völlig abgeschottet. Nur ein einziges Mal nach der Befreiung der Kinder bekommt ein Fernsehteam Frau Schlecker vor die Kamera.
Sparsam schafft es Schlecker an die Spitze. Schlecker schikaniert und betrügt seine Mitarbeiter, verspricht Tariflohn, zahlt ihn aber nicht. 1998 werden Schlecker und seine Frau zu zwei Millionen D-Mark und einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Trotzdem geht die Wachstumsstrategie von Anton Schlecker weiter auf. Schlecker betreibt zeitweilig fast 15.000 Filialen mit über 50.000 Mitarbeitern. Doch im Jahr 2000 tritt Konkurrenz auf den Markt, die Drogeriemarktketten Dm und Rossmann expandieren. Die Kunden gehen lieber in die modernen Konkurrenzläden. Das Angebot ist größer und die Preise niedriger. Dazu kommt das schlechte Image. Schlecker ist verrufen wie kaum ein anderes Unternehmen.
2005 regiert Schlecker mit seinen neuen XL-Märkten auf den Konkurrenzdruck. Dafür werden alte Filialen geschlossen und neue, größere eröffnet, wieder auf Kosten der Mitarbeiter. Sie wurden gekündigt, weil sie keine neuen Verträge für weniger Geld unterschreiben wollten.
Schleckers Rechnung geht jedoch nicht auf. Er läuft dem Trend hinterher. Die tristen Verkaufsräume ziehen nicht mehr. Hunderte Märkte müssen geschlossen werden. Ende 2010 holt Anton Schlecker seine beiden Kinder Lars und Meike in die Geschäftsführung. Plötzlich geben sich die Schleckers mitarbeiterfreundlich. Doch es ist schon zu spät.
An der Insolvenz geht kein Weg vorbei und sie könnte für Anton Schlecker teuer werden. Seine Drogeriekette hat ihn zum Milliardär gemacht. Sein Vermögen wird auf fast drei Milliarden Euro geschätzt. Fraglich ist nur, wie viel er davon in die Insolvenz stecken muss.
Für den Wirtschaftswissenschaftler Prof. Stefan Sell müsste Schlecker mit seinem Privatvermögen haften. Der Experte räumt jedoch ein, dass die genaue Konstruktion der Untergesellschaften unbekannt ist.
Andere Experten bezweifeln die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens. Es muss zu 2.000 Filialen schließen. Auch Prof. Stefan Sell glaubt nicht, dass dies erfolgreich sein wird. Wenn sich Schlecker auf die profitablen Standorte konzentrierte, müsse im Regelfall mit anderen Drogeriemarktketten und Discountern konkurriert werden.
Die Rettung hängt vom Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz ab. Der Ulmer Jurist gilt als Sanierungsexperte. Die Insolvenz erlaubt bei Schlecker Sonderkündigungen beispielsweise für unrentable Läden oder überzählige Mitarbeiter. So könnte Anton Schlecker möglicherweise sein Imperium doch noch retten, wieder einmal auf Kosten der Mitarbeiter.
Letzte Änderung am: 26.01.2012, 21.00 Uhr