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Riester-Rente Was lohnt sich für Sparer?

aus der Sendung vom Donnerstag, 6.10.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen

Die Riester-Rente wurde bei ihrer Einführung als besonders lohnend empfohlen, auch wegen der möglichen staatlichen Zulagen. Doch als die ersten Abrechnungen und Auszahlungen bei den Versicherten eingehen, ist die Enttäuschung oft sehr groß. Das Geschäft machen bei den Riester-Renten anscheinend nicht die Sparer.

Bereits im Jahr 2002 hat Josef S. bei der Signal Iduna einen riestergeförderten Banksparplan abgeschlossen und jedes Jahr einbezahlt. Nun ist er seit zwei Jahren in Pension und gehört zu den Ersten, die von der Riester-Rente profitieren könnten.

Überraschung bei Auszahlung

Die Riester-Rente hatte ihn überzeugt und er wollte seine künftige Pension aufbessern, besonders, weil es auch staatliche Zulagen gab. Als er Pensionär wird, war auch Stichtag für seine Riester-Rente. Überraschend taucht das gesamte Riester-Guthaben auf einmal auf seinem Konto auf, immerhin 10.500,- Euro. Josef S. ist zufrieden, bis er seine Steuererklärung ausfüllt und als Renteneinnahmen diese 10.500,- Euro einträgt. Aus der eigentlich erwarteten Steuerrückzahlung wurde so eine Steuernachzahlung von rund 4.000,- Euro.

Nach seinem ersten Schreck wendet sich Josef S. an das zuständige Kreditinstitut, die Donner & Reuschel Bank in Hamburg. Dort räumt man einen Fehler ein und bietet an, dass das Geld zurück überwiesen werden kann und danach eine monatliche Rente überwiesen wird.
Josef S. willigt ein. Doch bei der monatlichen Rente ist er mehr als überrascht, denn sie beträgt gerade 40,- Euro. Da wäre fraglich, ob sich "riestern" wirklich lohnt.

Vertragsüberprüfung

Für MARKTCHECK überprüft der Finanzmathematiker Axel Kleinlein den Vertrag von Josef S. auf seine Rentabilität. Er erklärt, dass die Rente gering erscheint, weil mit einer sehr hohen Lebenserwartung kalkuliert wird. Nur mit der Garantierente müsste Josef S. 83,4 Jahre alt werden. Manche Unternehmen rechnen sogar mit 105 Jahren durchschnittlicher Lebenserwartung. Laut dem statistischen Bundesamt liegt sie jedoch nur bei 82,6 Jahren.
Mit einem Inflationsausgleich wäre eine Lebenserwartung von 90 Jahren anzunehmen, so der Experte.

Die Sterbetafeln der Versicherer haben mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun. Deshalb gewinnt bei der Wette um das lange Leben meist die Versicherung.

Bei Josef S. wird die Riester-Rente wahrscheinlich zu einem Verlustgeschäft, meint der Experte. Seine Rente ist auch deshalb gering, weil die Versicherung für ihn Geld zurücklegt - für den Fall, dass er älter als 85 wird.
Bei Banksparplänen spielt die Rente ab dem 85. Lebensjahr eine besondere Rolle. Für diesen Rentenanteil muss direkt zu Beginn der Auszahlphase Geld reserviert werden. Vor zehn Jahren genügten dafür 8,4 Prozent des angesparten Kapitals. Inzwischen sind es nach einigen Änderungen über 18 Prozent, die vom angesparten Kapital für die Verrentung zurückgelegt werden müssen.

Die Donner & Reuschel Bank in Hamburg teilt auf Nachfrage von MARKTCHECK nur mit, dass sich Josef S. für eine Verrentung der angesparten Summe und damit eine Rentenversicherung entschieden habe. Damit solle er selbst schuld an der geringen Rente sein.
Für Josef S. sind die Zahlen ein Schock. Er erkennt, dass die staatlichen Zuschüsse offenbar alle in die Kasse der Versicherung fließen. Riestern würde er heute nicht mehr weiter empfehlen.

Riesterförderung oder ungeförderte Verträge?

Bei der Einführung der Riester-Rente sollte mehr Geld vom Staat für mehr Rente fließen, so hieß es in der Werbung. Zehn Jahre später ist die Bilanz eher ernüchternd. Anstatt der Rentner profitieren vor allem die Anbieter.

Im Vergleich bekommt man bei manchen Gesellschaften bei Verträgen ohne Riester-Förderung sogar über 20,- Euro mehr Rente heraus. Für Experten ist klar, dass bei den Riester-Verträgen von den eingezahlten Geldern mehr auf die Kosten entfällt.
Diese Kosten sind in manchen Fällen sehr hoch. Allein in der Ansparphase fallen beispielsweise beim Volkswohlbund rund 7.180,- Euro an, bei der Allianz sogar fast 9.000,- Euro. Für den Riester-Sparer sind diese Kosten kaum erkennbar. Die Auswirkungen spürt er erst später.

Riester-Rente

MARKTCHECK,  6.10.2011 | 11:54 min

Letzte Änderung am: 06.10.2011, 21.00 Uhr

Riester-Rente

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