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Fernsehen im SWR

Putzhilfen Ausbeutung mit Niedriglöhnen

aus der Sendung vom Donnerstag, 19.1. | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen

Frau mit Eimer und Lappen

Das Fensterputzen, Böden wischen und Bäderschrubben ist oft die Aufgabe polnischer Frauen, die für Putzfirmen in deutschen Haushalten unterwegs sind.
Eine Polin berichtet, dass sie schon über fünf Monate mindestens sechs Tage pro Woche putzt. Eigentlich will sie damit ihren Sohn unterstützen, der in Polen studiert. Doch das Geld reicht nicht, sie hat kaum genug zum Leben. Nach zwei Monaten sind nur 300,- bis 400,- Euro auf ihrem Konto gelandet.

Ausgenutzt beim Putzen

Die Frau hat Angst vor ihrem ehemaligen Arbeitgeber. Der hatte ihr 850,- Euro netto in Aussicht gestellt. Überstunden sollten extra bezahlt werden. In Polen war sie 20 Jahre Lehrerin. Nun suchte sie eine Arbeit, um besser leben zu können. Sie hoffte in Deutschland genug Geld zu verdienen.

Eine Familie, bei der die Polin auch putzte, berichtet, dass sie eine legale Hilfe wollte. Sie sollte ordentlich bezahlt werden. Deshalb wurde eine Putzfirma beauftragt. Die Firma schickte die Polin, die ihre Arbeit gut machte. Zufällig sieht der Hausherr einige Abrechnungen seiner Putzkraft und erfährt Unglaubliches.

Sofort erkennt er, dass die Reinigungskraft viel weniger Geld bekommt, als erwartet und zugesagt wurde. Er zahlt immer rund 17,- Euro pro Stunde und ging davon aus, dass der Großteil bei der Putzkraft ankommt.

Arbeitsvertrag

Laut Vertrag soll die Polin 8,- Euro pro Stunde bekommen, 0,55 Euro weniger als der zu diesem Zeitpunkt geltende tarifliche Mindestlohn für Gebäudereiniger.
Bezahlt wird außerdem nur die Putzzeit, nicht die Fahrzeit, obwohl sie täglich insgesamt rund vier Stunden unterwegs ist. Mit den Fahrzeiten kommt sie nur noch auf rund 5,50 Euro brutto pro Stunde. Sogar das Monatsticket muss sie sich selbst kaufen, obwohl das Putzunternehmen von den Kunden jeweils 3,- Euro Anfahrtspauschale kassiert.
Um Geld zu sparen kauft die Polin nur wenig und billiges Essen, läuft zwei Kilometer zur U-Bahn, um eine Zone zu sparen.

Viele Versprechen

Dabei hörte sich alles erst so gut an. auf einer polnischen Internetseite verspricht eine Anzeige eine Putzstelle in Baden-Württemberg. Die Frau bewirbt sich und zieht in die Nähe von Stuttgart. Der Arbeitgeber verspricht sogar ein möbliertes Zimmer in einer Wohngemeinschaft mit einer Kollegin, das 150,- Euro kosten soll. Sie bekam gerade 14 Quadratmeter unterm Dach, ein Bett, ein Tisch, ohne Schrank. Außerdem musste plötzlich jede 300,- Euro zahlen, plus 25,- Euro für Strom.

Außerdem wird ihr Geld vom Lohn abgezogen, mal 390,-, mal 575,- oder 100,- Euro, angebliche Vorschüsse. Die Polin kann sich das nicht erklären.

Für den Arbeitsrechtsexperten Wolfgang Nau sind das Wildwestmethoden. Ihn störe an dem Arbeitsvertrag, so der Experte, dass der Arbeitgeber sich offensichtlich nicht bewusst sei, dass ein allgemeinverbindlicher Tarifvertrag Anwendung findet. Im Vertrag stehen Dinge, die mit dem Tarifvertrag nicht in Übereinstimmung stehen, so der Arbeitsrechtsfachmann.

Der Fall der Polin sei kein Einzelfall. Ein solches Vorgehen im Putzgewerbe habe Methode, bleibe aber meist folgenlos, da sich die ausländischen Putzkräfte nicht wehren.

Ausweichende Antworten

Auf Nachfrage bei der Putzfirma gibt es keine konkreten Antworten. Man erklärt nur, die Polin sei eine Haushaltshilfe und für die gelte der Tariflohn für Reinigungskräfte nicht.

Kündigt ein Kunde deshalb, bekommt er möglicherweis einen Brief, wie diesen: " Es ist schon krass, das sie sich in unserer Lohngestaltung einmischen... Wenn man sich nicht auskennt, was jemand bezahlt oder nicht, sollte man den Mund halten"

Auch die Familie, die eigentlich auf eine ordentlich bezahlte, legale Putzhilfe hoffte, will nicht länger Kunde dieser Firma sein. Ihre neue Putzkraft beschäftigen sie selbst, legal. Das geht ganz einfach, als Minijobber.

Die Polin arbeitet inzwischen ebenfalls wo anders. Sie hat bei der Firma gekündigt. Während der zweiwöchigen Kündigungsfrist bekam sie keinen einzigen Auftrag mehr. Ob und wann sie ihre letzten beiden Gehälter und ein Arbeitszeugnis bekommt, ist ebenfalls offen.

Putzhilfen

MARKTCHECK,  19.1.2012 | 5:56 min

Letzte Änderung am: 19.01.2012, 21.00 Uhr

Putzhilfen

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MARKTCHECK-Reporter Axel Sonneborn
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