aus der Sendung vom Donnerstag, 4.8.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Lebensversicherungen sind teuer. Monatliche Raten müssen gezahlt werden - nicht jeder hält das über all die Jahre durch. Doch eine vorzeitige Kündigung bedeutet meist hohe Verluste. "Verkaufen!" lautet dann das Zauberwort. Das sei wesentlich günstiger für den Versicherten, heißt es.

Das gilt aber leider nicht immer, denn fragwürdige Unternehmen haben den Markt für sich entdeckt und machen ein allzu gutes Geschäft mit dem Kauf unserer Lebensversicherungen. Die Verkäufer erhalten nur einen Bruchteil des Geldes.
Margit S. aus der Nähe von Aalen brauchte dringend Geld für ein neues Auto. Claudia S. ist Geschäftsfrau und brauchte ebenfalls Geld, für ein neues Investment. Beide hatten die gleiche Idee: Sie wollten ihre Lebensversicherung beleihen.
Margit S. informiert sich im Internet über den Verkauf ihrer Lebensversicherung. Dabei stößt sie auf die Fidor AG. Die ist spezialisiert auf die Vermittlung solcher Angebote. Die Fidor AG empfiehlt Margit S., ihre Lebensversicherung an die Firma Dr. Mayer und Co. zu verkaufen. Das Unternehmen biete in der Regel den höchsten Kaufpreis aller Investoren.

12.200,- Euro verspricht die Firma zu zahlen. Das sind 700,- Euro mehr als der eigentliche Rückkaufswert. Margit S. nimmt das Angebot an. Einen Großteil der Summe erhält sie sofort. Der Rest soll in jährlichen Raten folgen. Die ersten beiden Ratenzahlungen bekommt sie noch. Dann ist plötzlich Schluss. Margit S. hakt nach, doch ihre Reklamation bei Dr. Mayer kommt postwendend zurück. Der Empfänger ist nicht zu ermitteln. Im Internet findet sie Einträge von zahlreichen Betroffenen, die auf Geld von Dr. Mayer warten. Dr. Mayer ist auch bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg kein Unbekannter. Viele Verbraucher fragten schon wegen des Unternehmens an.
Die selbstständige Marketing-Beraterin Claudia S. hat ihre Lebensversicherung ebenfalls über die Fidor Bank an Dr. Mayer verkauft. Auch bei ihr war nach zwei Raten Schluss. Ihre Reklamation bei Dr. Mayer kommt zwar an, aber sie muss sich kuriose Ausreden anhören, beispielsweise dass der Firmeninhaber verstorben sei und es dadurch erhebliche Probleme mit den Computern gebe. Danach hört sie nichts mehr von der Firma. Noch immer wartet sie auf rund 8.000,- Euro.
Als sie bei der Fidor Bank nachfragt, heißt es lapidar: Man habe keine Geschäftsbeziehungen mehr zu Dr. Mayer und könne ihr nicht weiterhelfen. Wir finden heraus, dass die Geschäftsführung bei Dr. Mayer Anfang des Jahres 2011 gewechselt hat. Doch telefonisch erreichen wir niemanden. Unter der Firmenadresse ist ebenfalls seit einiger Zeit niemand mehr anzutreffen. Dafür finden wir gleich mehrere Firmennamen.
Inzwischen hat die Justiz reagiert. Gegen die ehemalige Geschäftsführerin von Dr. Mayer läuft ein Ermittlungsverfahren. Die Staatsanwaltschaft Aachen ermittelt wegen Betrugs.
Wir fragen bei der Fidor Bank nach. Das Geldinstitut hat schließlich die beiden Frauen an Dr. Mayer vermittelt. Dort zeigt man sich überrascht und teilt mit, dass man erst durch die Recherchen von dem Ermittlungsverfahren gegen Dr. Mayer erfahren hat. Man bedauere die Vorfälle, habe sich aber nur als Vermittler betätigt.
Claudia S. und Margit S. hoffen, dass die Justiz Dr. Mayer das Handwerk legt. Ob sie aber jemals an ihr Geld kommen, ist fraglich.
Experten raten von solchen Ratenzahlungsangeboten beim Verkauf von Lebensversicherungen übrigens ab. Daran werden sich die beiden Frauen künftig halten.
Letzte Änderung am: 04.08.2011, 21.00 Uhr