aus der Sendung vom Donnerstag, 8.12.2011 | 21.00 Uhr | SWR Fernsehen
Mit der so genannten Kreditklemme sind die strenger werdenden Auflagen für Unternehmen gemeint, wenn sie bei ihrer Bank einen Kredit für neue Investitionen beantragen wollen. Seit kurzem taucht der Begriff wieder häufiger auf, doch wie ist die Lage wirklich? MARKTCHECK hat drei Unternehmen besucht und vor Ort nachgefragt.

Das Konstruktionsbüro Helmerich in Karlsruhe hat 38 Mitarbeiter und bekommt etwa die Hälfte seiner Aufträge von Mercedes. Wenn die Auftragsbücher voll sind, packt auch der Chef selbst mit an. Rolf Helmerich ist gelernter Kaufmann und hat Maschinenbau studiert. Seine Firma läuft gut, doch das allein reicht in diesen Tagen nicht. Rolf Helmerich kann neue innovative Projekte insbesondere wegen der finanziellen Situation nicht weiter verfolgen. Von seiner Hausbank, der Volksbank Karlsruhe, fühlt er sich nicht adäquat unterstützt. Vor drei Jahren hat sie ihm noch 100.000 Euro geliehen, dafür aber seinen Überziehungskredit zusammengestrichen. Inzwischen ist der 100.000 Euro Kredit längst zurückgezahlt. Doch einen neuen Kredit gibt's nicht und das Dispo-Limit ist bis heute nicht wieder erhöht worden.
Rolf Helmerich sieht das problematisch, doch für Hubert Meier von der Volksbank Karlsruhe ist die Kreditklemme kein Thema. Er sieht seine Bank sehr gut angesiedelt im Kreditgeschäft. Seit zwei Jahren gäbe es eine verstärkte Kreditnachfrage, die sie auch gut bedienen könnten. Er betont, dass sie die Kreditanfragen nach gleichen Kriterien prüfen und da, wo es auch vertretbar ist, sehr gerne unterstützen würden.
Also alles in Butter? Kaum zu glauben, das zeigt ein weiteres Beispiel.
Die Firma Kuhn in Sinsheim ist ein Zulieferbetrieb für die Automobilindustrie mit 30 Mitarbeitern. Erst vor wenigen Wochen hat sie einen Großauftrag bekommen. Dafür wollte Kurt Andreas Kuhn von der Volksbank Karlsruhe einen Kredit über 40.000 Euro, um das nötige Material vorzufinanzieren. Die Volksbank sagte: Nein! Für Kurt Andreas Kuhn ist das ein Beleg dafür, dass man bei einer geplanten Investition in die Zukunft Steine in den Weg gelegt bekomme. Er fühlt sich von seiner Bank nicht ausreichend unterstützt und befürchtet, dass Arbeitsplätze verloren gehen könnten, da seine Firma sich so nicht weiterentwickeln kann und es damit immer schwieriger werde, an neue Aufträge zu kommen.
Ein Phänomen bei Kunden der Volksbank? Wie sieht es bei anderen Banken aus? Wir schauen uns einen weiteren Betrieb an.
Die Firma Geißelhardt in Pforzheim ist ein Hersteller von Präzisionsteilen. Auch hier eine ähnliche Situation. Aufträge für das kommende Jahr sind vorhanden, es fehlt aber an Geld, um das Rohmaterial für die Produktion einzukaufen. Das ist enttäuschend für den Chef Uwe Geißelhardt und ein Viertel seiner Maschinen steht still. Von manchen Kunden verlangt er nun Vorkasse, um überhaupt arbeiten zu können. Der Unternehmer ist seit dreißig Jahren Kunde bei der Sparkasse in Pforzheim. Seinen dringend benötigten Kredit hat die Bank ihm verweigert.
Wir fragen bei der Sparkasse nach. Gibt es hier eine Kreditklemme? Werden weniger Kredite an Unternehmer vergeben? Man teilt uns nur schriftlich mit, dass die Geschäftsführung dazu keine Stellungnahme abgeben möchte.
Unternehmerische Einzelfälle oder doch der Beginn der angekündigten Kreditklemme? Wir fragen den Wirtschaftsweisen Wolfgang Franz. Er weist darauf hin, dass die Banken im nächsten Jahr höhere Eigenkapitalquoten aufweisen müssen. Und dann besteht seiner Meinung nach die Gefahr, dass sie, um diese Eigenkapitalquoten zu erreichen, ihre Aktivseite herunterfahren. Das heißt also, weniger Kredite vergeben oder zumindest bei der Kreditvergabe sehr, sehr viel vorsichtiger verfahren.
Diese Vorsicht spürt Rolf Helmerich schon jetzt. Sein neues Projekt, die Klimatisierung von Elektroautos, finanziert er deshalb mit seinem Eigenkapital. Und außerdem ist er auf der Suche nach Investoren.
Letzte Änderung am: 07.12.2011, 21.00 Uhr